AKTUELL IM KINO

Shape of Water (Stefan)

Plakat zum Film Shape of Water mit Sally Hawkins und einem Monster im Wasserbassin.

Bild (c) 2017 Twentieth Century Fox Germany.

Seit den frühen Arbeiten von Tim Burton hat sich kaum ein Regisseur so aufopfernd um die Probleme und Sorgen von Außenseitern und Freaks gekümmert wie Guillermo del Toro zur Zeit. Der aus Mexiko stammende Regisseur rückte bereits in der vor dem Marvel-Hype entstandenen „Hellboy“-Comicadaption oder im verstörenden Märchen „Pans Labyrinth“ Monster in´s rechte Licht. Kein Wunder also, dass auch seine erste Liebesromanze in monsterhafte Sphären abdriftet.

Die stumme Elisa (Sally Hawkins) arbeitet als Putzfrau in einer geheimen Forschungseinrichtung der US-Regierung. Im Baltimore der 60er Jahre. Elisa wohnt über einem Kino und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrem Nachbarn Giles (Richard Jenkins), um mit ihm alte Musicals zu schauen. Der nur gelegentlich freudige und meist triste Alltag der Putzkraft soll sich schnell ändern, als ein aus dem Amazonas geangelter Fischmensch in das Institut gebracht wird. Während der fiese Regierungsbeamte Richard Strickland (Michael Shannon) direkt ein unerfreuliches Zusammentreffen mit dem Fischmonster erlebt, stellen Elisa und der Mann aus dem Fluss schnell ein Vertrauensverhältnis zueinander her. Woraus sich eine Freundschaft und letztendlich eine ungewöhnliche Liebe entwickeln soll.

Szene aus dem Film Shape of Water mit Sally Hawkins am Wasserbassin.Wie in vielen seiner Filme gilt Del Toros Hauptaugenmerk in erste Linie den Äußerlichkeiten: Bilder, Kostüme, Make Up, Effekte und die hochstilisierte 60er Jahre Atmosphäre des zeitlichen und räumlichen Settings sind hier allein schon ein Kinobesuch wert. Im Gegensatz dazu bleiben Plot und Figuren im Grunde eher im Standard verhaften. Dies gilt insbesondere für Michael Shannons Antagonisten und Sicherheitsbeamten Richard Strickland, der nicht gerade subtil ein zur Zeit sehr aktuelles Porträt eines lauten, vulgären, rücksichtslosen und gewalttätigen Amerikanismus versinnbildlicht. Ein Leichtes für Shannon, dessen Figuren meistens interessanter sind, wenn sie entgegen dieses Archetyps besetzt werden und dessen Figur vor allem bei Del Toro mehr Nuancen verdient gehabt hätte.

Immerhin darf die schüchterne und stumme Protagonistin über das klischeehafte Bild des naiven, schrulligen und unschuldigen Mädchens hinauswachsen, das stets auf der Suche nach der großen Liebe ist. Einerseits liegt dies an einer wunderbaren Performance von Sally Hawkins, die ohne ein Wort zu verlieren, überzeugend eine Frau porträtiert, die langsam zu ihrer eigenen Stärke findet. Andererseits kann sie kindliche Naivität transzendieren, indem ihr Del Toro ein durchaus erwachsenes sexuelles Verlangen zugesteht, welches vielen anderen Inkarnationen ähnlicher Heldinnen oftmals verwehrt bleibt.

Szene aus dem Film Shape of Water mit Sally HawkinsProblematisch ist dagegen, dass ihr Liebesgefährte über das gequälte Monster mit goldenem Herzen hinaus nur wenig Innenleben zu bieten hat. Del Toros Stammschauspieler Doug Jones schlüpft auch diesmal wieder auf beeindruckende Weise in die Monsterhaut und überzeugt immerhin durch seine fließenden animalischen Bewegungen – wenn er schon nichts zu sagen hat. Abseits davon dient er jedoch hauptsächlich als Projektionsfläche für das Begehren seiner menschlichen Freundin. Auch wenn es Del Toro gelingt, Empathie für den Fischmann beim Zuschauer zu erzeugen, bleibt nicht viel mehr, als die äußere Silhoutte an das sich das Publikum festklammern kann.

Del Toro orientiert sich bei seiner Inszenierung an das „Die Schöne und das Biest„-Pamphlet und gönnt den Figuren ein paar kleine skurrile und gelegentlich verstörend-brutale Ausreißer. Seine Inspiration bezieht Del Toro manchmal implizit und oftmals sehr explizit aus Filmklassikern, Musicals, Monsterfilmen sowie Comics und vereint alles in einer wunderschönen Schauerromantik, die hier allerdings eigenständiger wirkt als sein barocker Geisterthriller „Crimson Peak“.

Auch wenn die Figuren eher Abziehbilder und wandelnde Metaphern darstellen und weniger echten Menschen (bzw. Kreaturen) ähneln, handelt es sich bei „Shape of Water“ um ein äußerst ehrliches und stellenweise mitreißendes Plädoyer für den Mut zur Empathie.

 

Kritikerspiegel Shape Of Water - Das Flüstern des Wassers



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Lida Bach
pressplay, etc.
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Stefan Turiak
WIDESCREEN, playtime, etc.
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Filmen findest Du bei uns im Kritikerspiegel.



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