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Loveless

Plakat zum russischen Film Loveless mit einem Kind im Baum.

Bild (c) 2017 Alpenrepublik Filmverleih.

Der russische Filmemacher Andrey Zvyagintsev zählt fraglos zu den prominentesten, erfolgreichsten und besten Regisseuren seines Landes. Mit Werken wie „The Return – Die Rückkehr“, „Die Verbannung“ oder „Jelena“ wurde er regelmäßig zu den internationalen A-Festivals eingeladen. Von denen er auch nie mit leeren Händen nach Hause ging. Mit seinem vierten Film „Leviathan“ wurde ihm 2015 der Golden Globe für den besten ausländischen Film verliehen, auch eine Oscar-Nominierung konnte Zvyagintsev dafür verbuchen. Die wurde ihm nun abermals für sein Drama „Loveless“ zuteil, etliche andere Nominierungen und einige Auszeichnungen hat auch dieser Film wieder völlig zurecht erhalten.

„Loveless“ ist eine schonungslose Beziehungsanalyse, ein Familiendrama, das beim Zuschauer wahrlich an die Nieren geht, nicht zuletzt, weil es mit einem geradezu dokumentarischen Detailreichtum geschildert ist. Die ersten Minuten zeigen den zwölfjährigen Alyosha (Matvey Novikov) bei seinem Nachhauseweg. Es sind stumme und geradezu friedliche Momente, die gebrochen werden, sobald der Junge zu Hause ankommt. Denn dort tobt der Scheidungskrieg zwischen seinen Eltern, zwischen Zhenya (Maryana Spyvak) und Boris (Alexey Rozin), die sich tief entfremdet haben. Keiner der beiden möchte die Vormundschaft für Alyosha übernehmen, das Kind soll in ein Internat gesteckt werden.

Szene aus dem Film mit den besorgten Eltern von Alyoscha.Ohne, dass es die Eltern wissen, hört der zutiefst traumatisierte Junge das Gespräch heimlich mit an. In den nächsten Szenen sehen wir Zhenya und Boris mit ihren jeweiligen neuen Partnern eine unbeschwerte Zeit verbringen, keiner der beiden kehrt am Abend in die ehemals gemeinsame Wohnung zurück. Deswegen merken sie auch erst nach mehr als 24 Stunden, dass Alyosha verschwunden ist. Die Polizei ist unterbesetzt und will sich in einem so frühen Stadium noch nicht um den Fall kümmern. Mit einer engagierten Selbsthilfegruppe machen sich die zerstrittenen Eltern auf die Suche nach dem verlorenen Sohn.

Dabei erfahren die Zuschauer so einiges über das komplizierte Seelenleben der Erwachsenen. Je länger die Suche andauert, je mehr man unternimmt, um auf Alyoshas Spur zu kommen, desto auswegloser und verzweifelter erscheint allerdings die Situation. Diese akribischen Nachforschungen hat Andrey Zvyagintsev mit einer semi-dokumentarischen Akkuratesse geschildert, die umso mehr an die Substanz geht, weil sich alles so echt und aufrichtig anfühlt. Zhenyas Mutter wird ebenso befragt wie Alyoshas bester Freund, auch hier stehen die psychologischen Erkenntnisse über die beteiligten Personen im Vordergrund und loten die Verhältnisse, die zu dieser Tragödie führten, immer tiefer aus.

Szene aus dem Film "Loveless".Der Filmemacher verzichtet dabei auf jeden überflüssigen Dialog, lässt in vielen Szenen einfach nur die perfekt eingefangenen Bilder für sich sprechen und verlässt sich auf seine exzellent geführten, facettenreichen Darsteller. Das Alles ist komplett ohne Fehler inszeniert, ohne falsche Skizzierung und ohne eine überflüssige Szene. Aus diesem Grund gibt es für „Loveless“ nur eine Bewertung: Meisterwerk! Jetzt in ausgewählten Kinos. Nicht verpassen!

 

Kritikerspiegel Loveless



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
10/10 ★★★★★★★★★★ 


Carsten Happe
filmgazette.de
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Durchschnitt
9/10 ★★★★★★★★★☆ 


Weitere Bewertungen zu aktuellen Kinofilmen findest Du in unserem Kritikerspiegel.



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