KRITIK

Forget about Nick

Bild (c) 2017 Heimatfilm.

Sie war die erste Frau, die in Venedig den Goldenen Löwen gewann, später die deutsche Spezialistin schlechthin für biografische Filme („Hannah Arendt„): Margarethe von Trotta. Nicht so gut beraten war sie stets, wenn sie sich, mit Katja Riemann in der Hauptrolle, am Genrekino versuchte. Weder der überzogene Doppelgängerthriller „Ich bin die Andere“ noch das Mysterydrama „Die abhandene Welt“ hatten beider Filmografien Erinnernswertes hinzuzufügen.

Nun versucht sich die 1942 in Berlin geborene Schauspielerin/Regisseurin an einer, nun ja, leichten Komödie – erneut mit Riemann in der Hauptrolle. Und um es vorweg zu nehmen: Das ging schief. Schon die Grundidee kommt kon­struiert daher wie ein längst begrabener Sat-1-Fernsehfilm aus den Neunzigern oder eine völlig zu Recht nie gespielte Klamotte aus dem Höllenschlund schlechten Boulevardtheaters: Da wird das ausrangierte (sprich: just 40 gewordene) Model Jade vom älteren Liebhaber Nick verlassen, es behält aber die Hälfte seines zweistöckigen New Yorker Lofts. Die andere Hälfte gehört Nicks Ex-Frau Maria (Riemann), die just zur selben Zeit auf die Idee kommt, sich ebenfalls in dieser Wohnung einzufinden. Dramaturgischer Sinn: zickiges Gekabbel zweier gegensätzlicher Frauen mit erwartbarer Annäherung im dritten Akt.

Szene aus dem Film Forget about Nick mit Katja Riemann und Ingrid Bolsö Berdal.Indes, es funktioniert nicht. Trotta hat keinen Sinn für komödiantisches Timing. Wie anspruchsvoll es ist, das Fach „leichte Komödie“ zu bedienen, lässt sich an diesem Film studieren. Riemann, die in den „Fack ju Göhte“-Filmen ihr erhebliches komödiantisches Talent demonstrierte, hat als abgeklärte-hemdsärmelige Ex den besseren Part, wohingegen einem die Norwegerin Ingrid Bolsø Berdal („Westworld“) leid tun kann: Ihre Rolle als Society-Blondine im Diätwahn und steter Sorge ums Designergeschirr wirkt so, als sei sie von misogynen Lustgreisen und nicht von einem weiblichen Regie- und Drehbuchgespann konzipiert worden. Grauslich und peinlich.

Die Dialoge holpern, die Kulisse bleibt Kulisse. Kein Wunder, denn gedreht wurde überwiegend in Köln ­– auf Englisch, mit nicht-englischsprachigen Darstellern. Das Loft wird fast nie verlassen, was Trottas unbestrittenes Talent für starke Kino­bilder kaum zur Geltung bringt. Eine gänzlich überflüssige Posse.

 




Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*