KRITIK

Downsizing

Plakat zum Film "Downsizing" mit allen Hauptdarstellern im Kleinformat.

Bild (c) 2018 Paramount Pictures Germany.

Nein, mit dem Gesundschrumpfen eines Unternehmens oder mit der Verwendung kleinerer Motoren in der Automobilindustrie, im Business-Jargon auch gerne „Downsizing“ genannt, hat der neue Film von Alexander Payne („Sideways„, „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“) nicht das Geringste zu tun. Der Terminus „Downsizing“ bezieht sich in seinem gleichnamigen Film, dessen Drehbuch Payne auch gemeinsam mit Jim Taylor geschrieben hat, auf eine moderne Technologie, mit der es möglich ist, Menschen auf die Größe von Däumlingen zu schrumpfen. Davon haben irgendwann in ferner Zukunft schon etliche Erdenbewohner Gebrauch gemacht, weil es angesichts von Überbevölkerung, Nahrungsknappheit und Wohnraummangel tatsächlich sinnvoll erscheint, diesen Schritt zu gehen.

Paul (Matt Damon, „Jason Bourne„) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig, „Ghostbusters„) haben noch dazu ein anderes, ganz privates Problem. Ihr Geld reicht nicht aus, um in ein neues Haus nach ihren Bedürfnissen umzuziehen. Durch den Prozess des „Downsizing“ vervielfacht sich allerdings ihr Privatvermögen, weil im verkleinerten Zustand deutlich weniger benötigt wird und man auf nur wenigen Quadratzentimetern sein Traumhaus errichten kann. Nur zu dumm, dass Audrey im letzten Moment einen Rückzieher macht und Paul plötzlich unumkehrbar verkleinert ist und sich ganz auf sich alleine gestellt in einer ihm völlig fremden Welt zurechtfinden muss. Durch seinen aufgedrehten und ziemlich dekadenten Nachbarn Dusan (Christoph Waltz) wird er alsbald in völlig neue Kreise eingeführt, durch die er auch die Schattenseiten seines neuen Daseins kennenlernt.

Szene aus dem Film "Downsizing" mit Matt Damon und Kristen Wiig an einem Tisch mit kleinen Menschen.Auch im deutschen Kino liegen Schrumpfgeschichten derzeit wieder im Trend. Gerade ist mit „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ bereits der zweite Teil einer fantastischen Jugendgeschichte in die Kinos gekommen, die sich die Schauwerte von Riesenkulissen und die Diskrepanz zwischen verkleinerten Menschen und einer normal großen Umwelt zunutze macht, um ihr Publikum zu unterhalten.

Alexander Paynes Film geht dabei natürlich ein gutes Stück weiter, denn „Downsizing“ ist eher eine Variante von Dystopien wie „Schöne neue Welt“, der Mediensatire „Die Truman Show“ und den besonders in den 1970er Jahren populären gesellschaftskritischen Science-Fiction-Filmen wie „Jahr 2022… die überleben wollen“. Je weiter der Film voranschreitet und je tiefer er uns in diese scheinbar perfekte Welt von „Leisureland“ entführt, desto mehr sozialkritische Fragen wirft er auf, desto mehr beginnt die makellose Oberfläche zu bröckeln und desto mehr Sprengstoff entwickelt das Szenario.

Vielleicht ist dabei nicht jedes Detail bis in die letzte Konsequenz durchdacht, aber „Downsizing“ liefert jedem Kinozuschauer, ähnlich wie der apokalyptische „Children of Men„, jede Menge Stoff zum Nachdenken. Ein Film, der brennend aktuelle Probleme unserer Tage zur Diskussion stellt und den Finger dabei immer wieder in Wunden legt. Dass er dabei auch den Humor nicht zu kurz kommen lässt und das Ganze mit den Mitteln des Unterhaltungsfilms transportiert, macht ihn umso interessanter.

 




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