INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Vier Fragen an …: Marc Dietschreit und Nadine Heinze zu ihrem Debüt „Das fehlende Grau“

Bild (c) Homepage, Ingmar Stange.

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Es war an einem verregneten Sonntagnachmittag in Münster. Im Rahmen des „NRW-Kinotages 2015„. Kino aus der Region, für die Region. Die beiden Verantwortlichen für Drehbuch und Regie, Marc Dietschreit und Nadine Heinze, stellten ihr Debüt „Das fehlende Grau“ persönlich im Cinema in Münster vor. Und beantworteten im Anschluss an die Vorführung einige Fragen der Zuschauer. Davon gab es reichlich. Denn ihr „Psychogramm einer provokant auftretenden jungen Frau und der Männer, die ihr verfallen“ hatte es in sich. Eine Geduldsprobe. Vier Fragen davon kamen von uns:

Mehrfilm.de: Frau Heinze, Herr Dietschreit, die Protagonisten in ihrem Film haben keine Namen. Sie sind allesamt namenlos. Warum?

Marc Dietschreit: Ja, das stimmt. Das war von Anfang an klar. Die Drehbuchidee ist ja nun schon etwas älter (Anm. d. Red.: Eine erste Fassung gab es bereits 2010). Wir haben das Buch dann in einem langen Prozess immer wieder weiter entwickelt. Im Kern geht es ja um mehrere intensive Begegnungen zwischen einem Mann und einer Frau. Uns interessierte in erster Linie das Machtgefälle zwischen beiden Parteien. Wir wollten das Ganze, obwohl es hier um eine Borderline-Patientin geht, nicht zu sehr pathologisieren. Wir wollten keinen weiteren Borderline-Film mit typischen Symptomen und einer Behandlung erzählen. Es geht mehr um das unmittelbare Erleben. Menschen treffen sich nicht mit einer Diagnose um den Hals. Die Begegnungen sind direkter, finden nicht im therapeutischen Rahmen statt. Uns ging es genau um diese Momente. Da bedurfte es keiner Namen. Weil sie jedem passieren können.

Mehrfilm.de: Der Film wird nicht chronologisch erzählt. Die Hauptfigur trifft auf drei Männer und eine junge Frau. Entstand die Abfolge erst im Schnitt? Oder war das auch von vornherein klar?

Nadine Heinze: Nein, wir haben noch Einiges im Schnitt entwickelt. Auch die Chronologie. Wir wollten keinen typischen „Krankheitsverlauf“ einer Borderline-Patientin. Eine harmonische Abfolge und damit auch eine Auflösung wäre außerdem ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen.

Marc Dietschreit: Genau. Wir wussten, dass sich Leute über den Film aufregen würden. Und durch die Montage der verschiedenen Zusammenkünfte und Begegnungen gibt es immer mal wieder kurze Momente der Ruhe. Des Innehaltens.

Mehrfilm.de: Etwas unklar blieb mir die Figur der Tochter. In welchem „Stadium“ befindet sich dieses Verhältnis?

Marc Dietschreit: War das Mädchen für Dich die Tochter?

Mehrfilm.de: Ja, oder nicht?

Marc Dietschreit: Interessant. Vielleicht ist es aber auch nur ein junges Mädchen, eine Bekanntschaft? Sie teilt eine Gemeinsamkeit, die Sehnsucht nach Nähe mit der Hauptfigur. Bis es der Jüngeren zu viel wird.

Mehrfilm.de: Gibt es schon ein neues Projekt?

Marc Dietschreit: Wir haben sehr lange an „Das fehlende Grau“ gearbeitet. Jetzt waren und sind wir erst einmal froh, dass es so viele tolle Vorführungen und spannende Diskussionen zum Film gab. So wie hier. Ein paar neue Ideen geistern schon in unserem Kopf. Aber noch nichts Konkretes.

Mehrfilm.de: Dann viel Erfolg auch damit und vielen Dank für den Besuch in Münster!

Die Kritik zum Film „Das fehlende Grau“ findest Du hier.

 

 

 



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