INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Vier Fragen an …: 5 Göttinnen

Bild (c) C.Gertz

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„7 Göttinnen“, der selbst annoncierte „erste feministische Film Indiens“ läuft jetzt in vielen Kinos. Um die Begeisterung für ihren Film mit zahlreichen Zuschauern in Deutschland zu teilen, reisten fünf der sieben indischen Protagonistinnen eine Woche durch die Republik. 40 Kinos in acht Tagen. Ein Mammutprogramm. Am Samstag, den 18. Juni machte das Bollywood-Quintett im schönen Schloßtheater Kino in Münster Station. Nach der Vorführung stellten sich die bezaubernden Inderinnen den zahlreichen Fragen des begeisterten Publikums. Vier davon haben wir mitgeschrieben bzw. selbst gestellt. Das Interview dazu hier:

 

Mehrfilm.de: Der Film hat sicherlich in Indien für eine Menge Diskussionsstoff gesorgt. Wie waren die Reaktionen des Publikums in Indien auf den Film?

Sarah-Jane Dias (Miss Indien des Jahres 2007): Das ist eine gute Frage. Sie wird uns übrigens gleich zu Beginn in jedem Kino gestellt. Und die Antwort ist leider immer die gleiche: Der Film wurde in Indien mit 300 Kopien gezeigt. Er ist zwiespältig aufgenommen worden und wurde zudem vorher zensiert. Das hat uns sehr zwar traurig gemacht, war aber schon bei der Konzeption des Films absehbar.

Mehrfilm: … während der Dreharbeiten absehbar? Wieviel Mitspracherecht hatten sie vor und während der Ausgestaltung ihrer Rollen?

Rajshri Deshpande (in Indien aus Theater, Film, Fernsehen und Werbung bekannt) Ach, das war toll. Und auch ziemlich ungewohnt für uns. Pan (Anm. d. Red.: Nalin, der Regisseur), der nicht erst seit seinem tollen Film „Samsara“ sehr bekannt ist in Indien, hat uns von Anfang an mit einbezogen in die Gestaltung der Rollen. Wie soll er das auch wissen, über was sich sieben Frauen in einem Haus ohne Männer kurz vor einer Hochzeit unterhalten? Also hatten wir ein Mitspracherecht und durften auch während der Dreharbeiten viel improvisieren.
Die Szenen im Haus sind von uns. Das grobe Gerüst, was vorher und nachher passiert, das war vorgegeben. Was uns alle sehr überrascht hat war die Szene am Strand, in der Nacht. Wir wussten vorher nicht genau was passiert. Als uns Pan dann damit konfrontierte, dass es einen Todesfall und eine Vergewaltigung geben würde, waren wir zuerst geschockt. Wir wollten nicht weitermachen und mussten die Dreharbeiten für einige Stunden unterbrechen. Aber wir haben über diese Idee und den Fortgang diskutiert. Und Pan hat uns dann doch überredet, die Idee umzusetzen. Aber es war nicht leicht.

Mehrfilm: Was genau war vorher bekannt? Was wusstet ihr über die Story

7_goettinnenPavleen Gujral (Topmodel): Uns war nicht so viel bekannt. Wir wussten, dass es um sieben Freundinnen geht. Aber wir wussten nicht, was genau mit ihnen passiert. Dass es beispielsweise um eine Hochzeitsfeier geht, haben wir durch einen Zufall herausgefunden. In der Garderobe hing ein Brautkleid. Und wir haben lange diskutiert, für wen das Kleid eigentlich ist. Pan wollte stets nur die Reaktion auf bestimmte Vorfälle von uns einfangen. Eines Morgens stand plötzlich eine Kuh im Raum. Und Pan hat da die Kamera einfach laufen lassen und die Reaktionen von uns eingefangen. Auch wie wir die Kuh aus dem Raum bekamen bzw. gezogen haben war von uns improvisiert.

Mehrfilm: Besonders ergreifend ist die Schlussszene des Films. Wie ist die entstanden? Wieviel ist davon improvisiert?

Anushka Manchanda (Popstar und MTV-Moderatorin in Asien): Über speziell diese Szene haben wir lange diskutiert. Pan wollte die Zuschauer mit einem Schlag in die Magengrube aus dem Saal entlassen. Der Film sollte nachhaltig wirken, eine Wirkung hinterlassen. Ich glaube, das ist ihm gelungen. Aber allein für diese Schlussszene haben wir zwei Tage gebraucht. Einschließlich der Diskussion.

 

Mehrfilm: Vielen Dank für den Besuch in Münster und für das Gespräch.

 

Hier ein Video über den Besuch der Darstellerinen beim Filmfest Stuttgart:

 



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