INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Ralf Westhoff über seinen Film `Der letzte schöne Herbsttag` – Ralf Westhoff

mit seiner Komödie `Der letzte schöne Herbsttag` zu Gast in Münster

Ralph Westhoff Web

Ralf Westhoff (Foto: K. P. Hess)

Mit seinem Debütfilm „Shoppen“ hatte der Regisseur 2007 einen unerwartet großen Publikumserfolg. Sein erster abendfüllender Spielfilm erhielt den Bayerischen Filmpreis in den Kategorien „Bestes Drehbuch“ und „Beste Nachwuchsregie“. Nun legt er mit „Der letzte schöne Herbsttag“ eine Art Gegenentwurf zum früheren Werk vor. Wir haben uns nach der Vorführung des Films mit Ralf Westhoff unterhalten. Darin ging es um Erfolg, Erfolgsdruck und um die Arbeit eines Regisseurs.




Mehrfilm.de: Herr Westhoff, mit „Der letzte schöne Herbsttag“ haben Sie sich viel Zeit gelassen? Haben Sie an ihrem erfolgreichen Erstling „Shoppen“ auch so lange gearbeitet?
Ralf Westhoff: Nein. Das ging sehr viel schneller. Nur ein paar Monate hat die Entstehung des Drehbuchs gedauert. Mit „Shoppen“ wollte ich eine Geschichte über unterschiedliche Charaktere aus der Großstadt drehen. Es hat mich gereizt, mehrere Personen und gleichberechtigte Hauptfiguren permanent miteinander sprechen zu lassen. Mit meinem zweiten Film wollte ich diese Dialogsituation auf zwei Personen herunterbrechen. Es gab drei Drehbücher, drei Geschichten, die ich mir für meinen zweiten Film überlegt hatte. Dieses Drehbuch – die Geschichte von Leo und Claire – ist es dann geworden.

Mehrfilm.de: Ist der „Der letzte schöne Herbsttag“ die Fortsetzung von „Shoppen“?
Ralf Westhoff: Nein. Die Geschichte von Leo und Claire ist inhaltlich eher ein Gegenentwurf zu „Shoppen“. Es geht es um ein Paar, das sich bereits etwas länger kennt. Sie lieben sich, kommen aber irgendwie nicht miteinander klar. Beide wollen das aber nicht akzeptieren, sie kämpfen um ihre Beziehung. Sie denken nicht daran, sich jemand anderen zu suchen.

Mehrfilm.de: Im Gegensatz zu „Shoppen“ sind die Beziehungs- und Konfliktsituationen hier sehr klassisch, wie von jedem schon einmal selbst erlebt. Warum haben Sie sich für diesen „Wiedererkennungseffekt“ entschieden?
Ralf Westhoff: Mein Ziel war hier, eine offene Dramaturgie zu finden. Viele Situationen werden im Film von den Figuren erzählt, sie werden nicht gezeigt. Das, was die beiden, aber vor allem Claire über ihre Beziehung erzählen, ist ja bereits eine Interpretation der Situation und sagt unter Umständen mehr über die Figur aus als über ihren Partner. Das Bild, das sich wiederum der Zuschauer macht und machen soll, hat also im besten Fall mehr mit ihm selbst zu tun als mit den Hauptfiguren. Die Reaktionen nach den Vorführungen sind: „Das ist ja wie bei uns.“ Es ist doch toll, wenn das Ziel erreicht wird, dass sich der Zuschauer sein eigenes Bild machen und sich wiedererkennen kann.

Mehrfilm.de: Auch über „Der letzte schöne Herbsttag“ habe ich gelesen, dass sie sich bei der Realisierung Ihrer Projekte um größte finanzielle Unabhängigkeit bemühen. Sie haben eine eigene Produktionsfirma gegründet. Ist Ihnen die kreative Freiheit sehr wichtig?
Ralf Westhoff: Der überraschende Gewinn der Preise für meinen Film „Shoppen“ ging mit der Auflage einher, den nächsten Film in der Region zu realisieren. Aber das ist o.k.! Der Weg, wie ich ihn jetzt gehe, ist für mich der perfekte Weg. Es ist mein Drehbuch, meine Geschichte und ich habe den Film gemacht, den ich machen wollte, ohne mich zu verbiegen. Damit bin ich aber auch für einen möglichen Mißerfolg verantwortlich.

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Der letzte schöne Herbsttag

Mehrfilm.de: Die Figuren reden sehr viel. Erst in die Kamera, dann miteinander. Sie diskutieren, streiten und finden wieder zusammen. Der Film ist sehr dialoglastig, poetisch und angereichert mit sehr viel Wortwitz. Wie viel Freiheiten lassen sie Ihren Darstellern am Set?
Ralf Westhoff: Da bin ich sehr diktatorisch. In meinem Drehbuch steht wirklich jede Anweisung. Jeder Räusper, jede Regung. Die Darsteller müssen hier also sehr viel auswendig lernen. Wir haben viele Monologe mit nur einer Einstellung gedreht. Das ist schon toll, was Julia Koschitz und Felix Hellmann leisten. Aber viel Freiheiten gibt es da nicht, nein.

Mehrfilm.de: Wie viel im Film ist autobiographisch? Was haben Sie selbst so erlebt?
Ralf Westhoff: Ich selbst habe davon vielleicht nur zehn Prozent so erlebt, sonst nehme ich die Ideen nicht aus meinen eigenen Leben, das würde nicht für einen Kinofilm reichen. Ich habe einiges aus dem Freundeskreis und sonst habe ich versucht, um dieses Thema herum zu denken. Aber ein essentieller Bestandteil einer jeden Beziehuhng ist doch, dass man auch anstrengend ist, das ist ein großer Kern von Beziehung.

Mehrfilm.de: Herr Westhoff, vielen Dank für dieses Gespräch.
Ralf Westhoff: Ich danke Ihnen, sehr gerne!

Hier geht es zum Film „Der letzte schöne Herbsttag“



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