INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Pressevorführung zu `Star Wars Episode III` von George Lucas – Köln, 02.05.2005

Fügt sich nun zusammen, was zusammen gehört?




Am 19. Mai ist es soweit: George Lucas, Schöpfer, Kopf und geistiger Vater der erfolgreichsten Film-Hexalogie in der Geschichte des Kinos lädt zum letzten Kampf. Zu diesem Zeitpunkt werden bereits mehrere hundert Fans tagelang vor dem Premierenkino campiert haben, millionenmal wird der Film-Trailer aus dem Internet heruntergeladen worden sein und unzählige Fans werden gespannt auf die alles entscheidende Antwort warten: Wie um alles in der Welt wird aus dem verliebten Anakin Skywalker der bösartige Darth Vader?

Wir haben zu diesem Zeitpunkt die alles entscheidende dritte Episode bereits gesehen und wollen nun versuchen die Frage zu beantworten: Fügt sich nun zusammen, was zusammen gehört?

Der Vorhang hat für uns eine riesige, an den Seiten leicht gewölbte Leinwand freigegeben. In den nächsten 145 Minuten soll sie unsere Augen fesseln. Die Fanfare des bekannten Filmverleihs ist verstummt. Und wie auf Bestellung legt der Meister der digitalen Bilder sofort mächtig los. Raumschiffe und Kampfjäger wohin das Auge reicht kreuzen die digitale Projektionsfläche. Explosionen, zerstörtes Metall und andauerndes Munitionsfeuer bestimmen die Szenerie. Aus den Boxen, die uns umgeben, tönen aufdringlich laut die unterschiedlichsten Zisch-, Knall und Explosionslaute. Kampfgetümmel a la Lucas. „Das wollen die Fans sehen“, hatte der Meister gewarnt, noch bevor sich die Jugendschutz-Wächter der FSK zusammengesetzt hatten und sich erst kurz vor Kinostart zu einer Altersfreigabe ab 12 Jahren durchringen konnten.

Wird hier nun ein Versprechen eingelöst? Wird die Saga nun so vollendet, wie sie den Wünschen der weltweiten Fangemeinde nach vollendet werden sollte? 16 Jahre hatte sich Märchenonkel Lucas Zeit gelassen, nachdem die Rebellen auf dem Waldmond Endor mit den Ewoks einen erbarmungswürdigen Sieg feierten. Lange 16 Jahre bis er begann, mit „Star Wars Epsiode I – The Phantom Menace“ (1999) seine Prequel-Trilogie über das Werden von Darth Vader und den Aufstieg des Imperiums zu erzählen.

Als George Lucas die Produktion dieser drei „Prequels“ ankündigte, war die Aufregung so groß, dass bereits die restaurierte Jubiläumsversion des Erstlings, die zum Anwärmen wieder ins Kino gebracht wurde, Rekorde verzeichnete. Im technoiden 21. Jahrhundert hatte er jetzt besseres Werkzeug zur Hand. Nun konnte er sich der digitalen Bildbearbeitung bedienen. Das Schauspiel der Protagonisten fand vornehmlich vor einer sogenannten Blue-Screen-Leinwand statt. Alles andere wurde später am Computer dazu „gerechnet“. Die Kämpfe gerieten somit noch bildgewaltiger, detailreicher und die Außerirdischen noch abstruser und weitaus „lebendiger“. Doch unter dieser visuellen Opulenz ging die „Unbekümmertheit“, die Unschuld der Geschichte, das simple Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse gänzlich verloren. Staunten noch wenige über die technischen Raffinessen, mit denen beispielsweise das Wüstenwettrennen in Episode I erzählt wurde, gähnte die Fangemeinde bereits im Kollektiv über den Romantikkitsch von „Episode II“. George Lucas hatte die Anakin-Amidala-Lovestory nicht in den Griff bekommen.

Nun der letzte Baustein – die Episode drei. Und mittendrin statt nur dabei: der junge Anakin Skywalker – seit „Episode II: Attack of the Clones“ gespielt von Hayden Christensen. Ihm wird nun die Aufgabe zuteil, vom verliebten Jungvater zum machtgeilen Lord des Bösen zu mutieren. Keine leichte Aufgabe für einen kanadischen Seriendarsteller. Doch Christensen meistert seine Aufgabe mit Bravour. Nur wenige Szenen thematisieren die Schwangerschaft Amidalas (Natalie Portmann) und Anakins Angst, seine Frau zu verlieren – das Hauptmotiv für seine Annäherung an die dunkle Seite, die ihm verspricht, den Tod zu überwinden. Lucas´ Hauptaugenmerk liegt auf der Vater-Sohn-Dynamik zwischen dem Jedi Skywalker und Senator Palpatine, der das Isolationsgefühl des Waisen benutzt, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Das Gezänk der Handelsföderation, die Intrigen im Senat, die nervtötende Knabengeschichte Anakins – sie fügen sich zusammen mit der überzeugenden Metamorphose Skywalkers zu einem Gesamtstück, das nicht mehr in der zeitlosen Gegenwart des Mythos ruht, sondern fortwährend Fahrt aufnimmt bis zu seiner dunklen Auflösung. Wenn die alte Trilogie ein Mythos war, ist die neue eine Tragödie.

Und eine Tragödie mit vielen Parallelen zur aktuellen Tagespolitik: Da hält Anakin seinem ehemaligen Mentor Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor, stets gut gescheitelt) voller Hass entgegen: „Wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich.“ Oder Senator Palpatine erlässt Notstandsgesetze, als er die Föderation zu einem Imperium formt. Am Ende wird der oberste Sith-Lord die Demokratie eigenhändig auseinander nehmen, wenn er im riesigen Senatssaal die Balkone aus den Verankerungen reißt und sie wie gewaltige Frisbees nach Yoda wirft.
„Die Rache der Sith“ verändert das Gesicht der gesamten „Star-Wars“-Hexalogie. Diese Erzählung, in der Anakin alias Darth Vader derart düster scheitert, mit Jammer und Schrecken, wird das jugendliche Mainstreampublikum nur ertragen, weil es um die spätere Erlösung bereits weiß. Dank eines herausragenden Hayden Christensen, wird dieses Scheitern glaubhafter. Alles andere ist großes Kino, eine Oper aus digitaler Phantasie, Lärm, Effekten und Tempo. George Lucas inszeniert nicht nur Menschen und Worte, sondern vor allem Farben und Formen. „Die Rache der Sith“ zeigt ihn auf der Höhe seiner Kunst.

Star Wars Episode III – Die Rache der Sith startet am 19. Mai in den deutschen Kinos.



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