INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Pressevorführung zu `Sin City` von Robert Rodriguez – Cannes (F), 04.05.2005

Ein Festival in Schwarz-Weiß




Drei Geschichten hat Regisseur Robert Rodriguez aus der Comicreihe Sin City von Frank Miller Bild für Bild umgesetzt. Comicverfilmungen gibt es zwar schon zuhauf, doch mit seiner neuen Art hat der Quentin Tarantino Feund stilistisch neue Maßstäbe gesetzt. Extreme farbliche Kontraste – schwarz-weiß mit wenigen eingefärbten Elementen wie Augen, Lippenstift, Blut – bilden eine hervorragende Kulisse für die verruchte Handlung. Abgetrennte Köpfe, menschenfressende Bösewichte, prügelnde Männer, männerschlachtende Frauen und immer mal wieder ein bisschen Folter zwischendurch – das Spektrum ist so breit, wie der Film lang. Doch wie passt das alles zusammen?

Basierend auf seinem gleichnamigen Comic hat der Zeichner und Autor Frank Miller, der auch für „Batman der dunkle Ritter“ verantwortlich zeichnet, zusammen mit Kult-Regisseur Robert Rodriguez („Desperado“ und „From Dusk Til Dawn“) seine Geschichte eins zu eins auf die Leinwand übersetzt.
Die grafischen Mittel, die Miller hier in seinen actiongeladenen Bildern einsetzt, gewinnen im Gegensatz zum Comic noch zusehends an Kraft, umgesetzt durch die visuelle Vorstellungskraft des Kreativ-Teams um Rodriguez, das den vormals unbewegten Bildern blutiges Leben einhaucht. Bilder, die dem Zuschauer im Verlauf in nackter Raserei ins Gesicht zu springen drohen. Sogar Rodriguez-Freund und Albtraum-Dirigent Quentin Tarantino hat einen Teil zu diesem Kunstwerk beigetragen und wird in den Credits als Guest-Director genannt.

Doch zugleich entpuppt sich diese Unterstützung auch als großes Manko. Miller und Rodriguez haben versucht, die meisterhaften Kurzgeschichten, ähnlich Tarantinos´ Glanzstück „Pulp Fiction“, miteinander zu verweben, um den einzelnen Geschichten so eine Hintergründigkeit und Abgeschlossenheit zu verleihen. Hier jedoch wirkt diese Stückelung nachhaltig als störend und überfrachtet den Film. Eine gradlinige Inszenierung hätte als Kontrast zu der visuellen Bilderflut für mehr Klarheit gesorgt.
Die Schauspieler-Riege, die in die Rollen der Comichelden schlüpft, sucht in diesem Genre ihresgleichen: Bruce Willis spielt abgeklärt wie lange nicht mehr (man ist versucht seine peinlichen Auftritte in „Keine halben Sachen 2“ und „Ocean`s Twelve“ aus dem Kopf zu verdrängen). Jessica Alba macht als Stripperin auf jeden Fall einen bessere Figur als Demi Moore in „Striptease“ und Mickey Rouke gibt seine beste Vorstellung, seitdem er auf den Gedanken gekommen ist, sein Gesicht „modellieren“ zu lassen.
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Rodriguez` Comicverfilmung ist gleichsam ein Film für Cineasten wie für Comic-Freaks, aber auch für Action-Fans und Bukowski-Leser. Nur zartbesaitete Gemüter sollten diesen Film meiden, denn die Gewaltdarstellung ließe selbst einem Mann ohne Nerven vom Schlage eines Freddie Krüger kalte Schauer über den Rücken fahren.

Der Film startet am 11. August 2005 in den deutschen Kinos.



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