INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

KING KONG – Peter Jackson: Der Herr der Affen


King-Kong-Teaserplakat

Peter Jackson ist besessen. Der 43jährige Filmemacher, der mit „Herr der Ringe“ in den Hollywood-Olymp aufstieg,
zahlte dem Online-Filmkritiker Harry Knowles 150000 Dollar für ein knallbuntes Poster.
Abgebildet war ein Affe, der eine Frau in den Pranken hielt. Das Original-Filmplakat von „King Kong“
aus dem Jahre 1933. Ein Schatz für Jackson, denn King Kong, ist seine große Liebe. Lesen Sie hier die
Chronologie einer Leidenschaft.

7. April 1933 – Die USA erleben die Geburt eines Leinwandgiganten: „King Kong“ hält Einzug in die US-Kinos.
Allein am Startwochenende spielt das Abenteuer vom geknechteten Riesenaffen damals sensationelle 90 000 Dollar ein.
Heute ein Witz, 1933 der erfolgreichste Filmstart aller Zeiten. A Star is born.

31. Oktober 1963 – Neuseeland erlebt die Geburt eines Leinwandgiganten: Peter Jackson erblickt im Küstenstädtchen
Pukerua Bay das Licht der Welt. 38 Jahre später wird er mit „Herr der Ringe“ die erfolgreichste Trilogie aller Zeiten
in die Kinos bringen: bis dato mehr als drei Milliarden Dollar Einspiel weltweit, zudem 17 Oscars, drei davon für
Jackson persönlich. A star is born.


Naomi Watts und Adrien Brody

31. Oktober 1970 – Zu seinem siebten Geburtstag bekommt das übergewichtige Einzelkind Peter eine Super-8-Kamera – und
ist fortan nicht mehr zu bremsen: Mit Feuereifer dreht er Kurzfilme. Unter anderem werkelt der junge Jackson mit einem
Pappmodell des Empire State Buildings, einem mit der New Yorker Skyline bemalten Bettlaken und einer Puppe des haarigen
Helden, gefertigt aus Omas altem Pelzmantel, an seiner Version von „King Kong“. „Kein Film hat meine Fantasie je wieder
so angeregt. Seit meinen Kindertagen wurde ich von dem Traum angetrieben, diesen Klassiker für eine junge Generation
neu zu verfilmen“
, erinnert sich Peter Jackson heute begeistert.

1996 – Die Universal Studios, die die Filmrechte an „King Kong“ halten, beauftragen Peter Jackson mit einer Adaption
des Stoffes. Der Regisseur hatte 1987 erstmals auf sich aufmerksam gemacht, als es ihm gelang, die fantasievolle
Horrorfarce „Bad Taste“ mit Hilfe von Beziehungen auf dem Filmfestival von Cannes zu präsentieren. Die Low-Budget-Produktion,
in der Außerirdische Menschenfleisch für ihre intergalaktische Fast-Food-Kette benötigen, begeisterte mit bizarrem Humor
und einfallsreichen Spezialeffekten. Weitere fantasievolle Horrorkomödien wie „Braindead“ von 1982 oder „The Frighteners“
von 1996 folgten. Doch nun soll es endlich Zeit für Jacksons Meisterstück sein: Acht Monate überarbeitet der genialische
Regisseur das ursprünglich von Edgar Wallace stammende Abenteuer um einen monströsen Gorilla, der von einer Filmcrew auf
einer Südseeinsel entdeckt und aus Profitgier nach New York verschleppt wird. Seine Ehefrau Fran Walsh unterstützt ihn dabei
tatkräftig.


Adrien Brody

1997 – Regisseur Roland Emmerich will das Urzeitmonster „Godzilla“ in den Kinos auferstehen lassen. Sein Kollege Ron Underwood
plant, seine „King Kong“-Version „Mein großer Freund Joe“ ins Rennen zu schicken. Die Universal-Studios fürchten den Vergleich
und legen Jacksons Projekt auf Eis. Des einen Scheu ist des anderen Freud: Die New-Line-Studios nehmen Jackson für ihr Mammutprojekt
„Der Herr der Ringe“ unter Vertrag. Der kugelrunde Kauz wird die nächsten sieben Jahre beschäftigt sein – und alle Effekte, die
er für „King Kong“ entwickelte, in die Trilogie einfließen lassen, etwa die Geistererscheinungen der Ringreiter.

31. März 2003 „Wir haben ein eingespieltes Filmteam. Wir haben eine gestandene Postproduktion. Das Beste, was wir machen
können, ist: sofort weiterfilmen“, begründet Jackson die überraschende Ankündigung, nach Golum und Gandalf nun den König der Affen
auf Zelluloid bannen zu wollen. Die rund fünfhundert Arbeitsplätze, die Jackson u.a. in der eigens für „Herr der Ringe“ gegründeten
Effekt-Schmiede Weta schuf. sollen erhalten bleiben. Doch Neuseelands Filmmogul ist nicht nur uneigennütziger Wohltäter: Mit 20
Millionen Dollar Gage und 20 Prozent der Einnahmen der 150-Millionen-Dollar-Produktion sichert er sich ein Rekordgehalt.

1. September 2004 – Allein unter Affen: Andy Sirkis, der Gollum in „Herr der Ringe“ Leben einhauchte, bereitet sich in
Ruanda darauf vor, für den computergenerierten King Kong Pate zu stehen. Er studiert Gorillas im Dschungel. Die Bewegungen der
Primaten, die er später vor einer Blue Screen ausführen wird, sollen schließlich möglichst realitätsnah wirken. Derweil pauken
seine Kollegen Naomi Watts („Mulholland Drive“), jack Black („School of Rock“) und Adrien Brody („Der Pianist“) fleißig Texte.

6. September 2004 – Die Dreharbeiten beginnen in der Nähe von Wllington, Neuseeland. 80 Prozent der Szenen werden in
Jacksons Miramar-Sudios gedreht. Sogar der Dschungel von Kings Kongs Heimat, der Schädelinsel, fand hier sachillernd-wuchtig
seinen Platz. „In dem Punkt haben wir unserer Fantasie wirklich freien Lauf gelassen“, grinst ein zufriedener Jackson –
und eilt zurück hinter die altmodische 35-mm-Kamera. Er hat der Digitalkamera vorübergehend abgeschworen.


King-Kong-Team

19. September 2004 – Während sich Jack Black in der Rolle des gierigen Filmproduzenten Carl Denham an Bord des Frachters
„Venture“ mit Tropenstürmen plagt, plagt sich vor den Studios ein Crewmitglied mit ganz anderem: Das Adleruage späht nach
herannahenden Flugzeugen, die den Flughafen von Wellington ansteuern. „Ich habe bei ‚Herr der Ringe‘ gelernt, wie entscheidend
Glaubwürdigkeit ist. In King Kong stelle ich eine Zeit dar, in der es noch unverzeichnete Inseln gibt. 1933 scheint als Handlungsjahr
perfekt“ erklärt Peter Jackson. „Und da will ich keine Flugzeuge von Quantas sehen.“

2. November 2004 – Mit jeder Menge künstlichem Schlamm verwandelt sich ein Parkplatz des Studiogeländes in die Sumpflandschaft
der Schädelinsel. Die in ein 30er-Jahre-Kleid gehüllte Naomi Watts watet tapfer durch den Morast.Sie spielt die Rolle der „weißen Frau“
Ann Darrow. Als King Kongs Objekt der Begierde gelangte Fay Wray 1933 zu Weltruhm – und blieb die ewige weiße Frau. Diese Gefahr sieht
Naomi Watts nicht: „Ich drehte vorher Filme. Ich drehe nachher Filme. Warum sollte man mich ausgerechnet auf diese selbstironische
Rolle reduzieren?“

9. Februar 2005 – Im Örtchen Lower Hutt, rund 15 Kilometer von Neuseelands Hauptstadt Wellington entfernt, läßt Peter Jackson
das New York des Jahres 1933 erreichten – allerdings von allen Häusern lediglich die ersten drei Stockwerke. Alles andere wird digital
ergänzt. „Ich werde die realistischte Darstellung des Big Apple der dreißiger Jahre bieten, die man je gesehen hat“, verkündet
Jackson.

28. April 2005 – Auf der Online-Seite zum Film kongisking.net vermeldet Regisseur Peter Jackson, dass er die Dreharbeiten zu seinem
Lieblingsprojekt abgeschlossen hat. Direkt im Anschluß beginnt die Post-Produktions-Phase.




13. Dezember 2005 – Nach über einem Jahr Arbeit feiert „King Kong“ in Wellington Weltpremiere (deutscher Kinostart: 15. Dezember).
In den nächsten Tagen werden Millionen Zuschauer weltweit Jack Black die vielleicht berühmtesten letzten Worte der Filmgeschichte sprechen
hören: „It wasn´t the airplanes. It was beauty killed the beast.“



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