INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Vier Fragen an Pepe Danquart

Pepe Danquart

Pepe Danquart

Auf seiner PR-Tour durch Deutschland mit seinem Film „Joschka und Herr Fischer“ hatte der Filmemacher Pepe Danquart am 25. Mai 2011 auch in Münster Station gemacht, um sich den Fragen des Publikums zu stellen. In der nahezu ausverkauften Vorstellung entstand nach der Vorführung eine sehr entspannte Frage- und Antwort-Stunde, in der Pepe Danquart jede Frage aus dem kritischen und jungen Münsteraner Publikum ausführlich beantwortete. Auch wir fanden noch etwas Zeit, um dem Filmemacher, der an diesem Abend direkt aus einer Vorführung in Osnabrück nach Münster gekommen war, vier Fragen zu stellen.

Mehrfilm.de: Herr Danquart, warum ein Film über Joschka Fischer?

Pepe Danquart: Das ist kein Film über Joschka Fischer. Ich wollte einen Film über 60 Jahre Deutschland machen. Und keinen Film oder eine Biographie über Fischer. Aber auch ich komme aus dem politischen Umfeld dieser Sponti-Bewegung, die es in den siebziger und achtziger Jahren gab. So wie er. Wir sind altersmäßig nur wenige Jahre auseinander. Und auch ich komme aus dem südlichen Raum. Die Verbindung ist nicht so dick wie Blut, aber es sind ähnliche Verhältnisse, ähnliche Lebensentwürfe. Außerdem verbindet uns dieses Rebellische in einem, dieses Nicht-Konforme, das Freiheitsliebende. Es gab nach unseren ersten Begegnungen, bereits im Jahr 2005, immer wieder herrliche politische Auseinandersetzungen und Gemeinsamkeiten. Außerdem gibt es nur wenige Entscheidungsträger in der Deutschen Politik nach dem zweiten Weltkrieg, die eine interessantere Biographie aufweisen können.

Mehrfilm.de: Herr Fischer läuft in der Industriehalle von Monitor zu Monitor. Auf jedem Monitor ist ein anderer Film zu sehen. War dieser Weg markiert? Haben Sie die Richtung genau vorgegeben?

Pepe Danquart: Nein. Die Schritte oder der Weg waren nicht vorgegeben oder vorgezeichnet. Ich hatte Joschka nur sehr wenig von meinem Vorhaben, wie ich die Stationen seines Lebens einfange, erzählt. Als er dann in die Halle kam, war er schon ein wenig verwundert aber auch sehr angetan von dem Material, das wir zusammengetragen hatten. Schließlich geht es ja in den ersten Filmen auch um seine Kindheit. Und die Begeisterung über diese Dokumente merkt man auch im Film. Da ist nichts gestellt oder abgesprochen. Wenn er sagt: „Sieh mal, unser Pfarrer…“ dann ist das spontan und ehrlich.

Mehrfilm.de: In großen überregionalen Tageszeitungen oder auf Online-Portalen sind auch zahlreiche Verrisse zu lesen. Sie seien zu behutsam mit dem einstigen Sponti und Außenminister umgegangen, heißt es. Wie reagieren Sie auf derlei Kritik?

Pepe Danquart: Mit Kritik muss man als Künstler leben. Das gehört dazu. Aber einige scheinen den Film falsch verstanden zu haben. Mein Film sei „ein Kriegsfilm“, heißt es beispielsweise im Spiegel. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Es geht um 60 Jahre Deutschland, mit den Kommentaren eines Zeitzeugen und Politikers. Der zudem noch eine faszinierende Biographie hat. Der Film erzählt auch von einem Kampf, das ist richtig. Aber es ist absolut kein Kriegsfilm. Viele andere Linke haben sich zu Wort gemeldet und auch gemeckert. Aber das kennt man ja.

Mehrfilm.de: Im Abspann zum Film taucht auch ein Dank an den Filmemacher Wim Wenders auf. Sind sie freundschaftlich oder auf andere Art miteinander verbunden?

Pepe Danquart: Ja. Wim und ich sind Kollegen an der Uni. Wir unterrichten beide an der HfBK in Hamburg, der Hochschule für Bildende Künste. Als ich den Schnitt zu „Joschka..“ gemacht habe, hat er gerade an Pina gearbeitet. Wir haben uns immer gegenseitig auf die Finger geschaut. Das war sehr gut. Er hat nach Anmerkungen von mir zu Pina den Film kurz vor der Fertigstellung noch ein wenig umgeschnitten. Ich glaube, dass er „Joschka…“ ganz gut findet. Wir sind Kollegen und Freunde.

Mehrfilm.de: Herr Danquart, vielen Dank für das Gespräch!



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