INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Interview mit Thomas Arslan zum Film `Im Schatten` – Thomas Arslan

mit seinem Krimi `Im Schatten` zu Gast in Münster

Thomas Arslan Web

Thomas Arslan (Foto: Peripher)

Der Name des 1962 in Braunschweig geborenen Regisseurs fällt immer wieder, wenn es um die so genannte „Berliner Schule“ geht. Dieser lose Zusammenschluss junger Regisseure zu dem auch Christian Petzold und Angela Schanelec gehören, hat gemeinsam auf der dffb (Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin) studiert. Und nicht nur zusammen studiert, sie haben sich auch dort kennengerlent und zusammengefunden. Den Filmemachern geht es um ein Kino abseits von Sensationen und dem Melodram. Stattdessen steht die „nüchterne Abbildung der Realität und Normalität des Alltags für sie im Mittelpunkt, erzählt in reduzierten, meist statischen, dafür klaren Bildern“ (Quelle: Wikipedia).

„Im Schatten“ ist Arslans siebter Langspielfilm. Auf seiner Vorstellungstour hat der Berliner Filmemacher auch in Münster Station gemacht und seinen tollen Film einem begeisterten Publikum vorgetellt. Wir sprachen mit dem mehrfach ausgezeichneten Regisseur und Drehbuchautor über Vorbilder, Filmtricks und seinen neuen Film.

Mehrfilm.de: Herr Arslan, „Im Schatten“ ist ein typischer Genre-Film und damit ganz anders als ihre sonstigen Filme. Wie kam es zu der Idee, diesen Film zu machen?
Thomas Arslan: Ich hatte die Geschichte über den Kriminellen namens Trojan schon länger im Kopf. Es war einfach Lust. Ich wollte diesen Film machen. Ja, ich glaube, so einfach war das.

Mehrfilm.de: Im Film wird sehr detailliert und auch sehr kritisch die Legislative und Exekutive in Berlin beschrieben. Wie und wie lange haben sie dafür recherchieren müssen?
Thomas Arslan: Ich habe schon einige Wochen recherchiert. Aber wie das halt so ist, alles darf die Polizei ja auch nicht verraten. Einiges haben wir dann über die Pressestellen der Polizei erfahren. Aber das waren mehr so Sachen wie, wie ein Geldkoffer aussieht und wie er verschlossen wird.

Mehrfilm.de: Die ungewöhnlichste Figur im Film ist für mich nicht die Hauptfigur, sondern der verdeckte Ermittler Meyer, herausragend verkörpert durch Uwe Bohm.
Thomas Arslan: Das Lob an Uwe Bohm werde ich direkt weitergeben, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Aber was fanden Sie an der Figur so besonders?

Mehrfilm.de: Sind Polizisten in Berlin wirklich so korrupt?
Thomas Arslan (schmunzelt): Korruption gibt es auf der ganzen Welt, in Italien, in Südamerika und natürlich auch in Deutschland. Natürlich ist die Geschichte sehr zugespitzt. Ich wollte nicht nur einen bösen Kriminellen, sondern auch ein Umfeld, Weggefährten mit Ecken und Kanten. Andere Filme sind mir viel zu sehr schwarz/weiß, gut oder böse. Das ist hier nicht der Fall.

Mehrfilm.de: Die Dialoge in ihrem Film sind sehr … einfach, sehr rudimentär. Nur das wichtigste wird gesprochen, selbst bei Personen, die sich schon seit Jahren kennen. Diskutieren Sie mit ihren Darstellern das Drehbuch am Set? Oder gibt es da keine Diskussion (mehr)?
Arslan: Doch, doch. Bei „Im Schatten“ hatten wir allerdings nur 21 Drehtage. Das bedeutet, dass Kamerapositionen, Darsteller, Dialoge und alle notwendigen Anweisungen bei Drehbeginn feststehen mussten. Bei so hervorragenden Darstellern wie Misel (Maticevic, Anm. d. Red), Karoline und Uwe Bohm bin ich aber gerne bereit ein, zwei Änderungen während des Drehens zu übernehmen. Die Änderungen müssen mir allerdings gefallen. Wenn mir die Ideen nicht gefallen, wird es so gemacht, wie es im Drehbuch steht. Auch bedingt durch die kurze Drehzeit. Die erste Szene im Stehcafé allerdings stand noch nicht von Anfang an fest. Das habe ich im späteren Schnitt so entschieden. Mir gefiel der Lichteinfall in der Glasscheibe so gut.

Mehrfilm.de: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Misel Maticevic?
Arslan: Ich hatte Misel schon während des Schreibens für die Rolle des Trojan im Kopf. Ich habe ihm das Drehbuch geschickt und er hat – zum Glück – sofort zugesagt.

Mehrfilm.de: Ein sehr atemberaubender Effekt ist der Mord oder besser die Hinrichtung des Kurierfahrers Krüger durch den Polizisten Meyer. Wie haben sie das gemacht? Das wirkt sehr authentisch.

Arslan: Es ist schon toll, was die Leute, die sich mit Special Effects in Filmen beschäftigen, leisten. Sie meinen die Szene auf dem Sofa? Wir haben hinter dem Sofa eine Art „Geschoss“ angebracht. Das Kunstblut wurde in ein langes Röhrchen gefüllt und beim Drücken der Tatwaffe abgeschossen.

Mehrfilm.de: „Im Schatten“ ist ein Genre-Film. Das Tempo ist sehr reduziert, es gibt zahlreiche lange, sehr ruhige Einstellungen. Hatten Sie bestimmte Filme zum Vorbild?
Arslan: Mir gefallen die Filme von Jean-Pierre Melville der 60er und 70er Jahre. Vor Drehbeginn hatte ich mir noch einmal „Vier im roten Kreis“ von Melville (Le cerclé rouge, F 1970) und auch „French Connection“ von Friedkin (USA 1971, William Friedkin) noch einmal angesehen. Mir gefällt die Art, wie sie Geschichten erzählen sehr.

Mehrfilm.de: Herr Arslan, vielen Dank für ihr Kommen und das Gespräch.
Arslan: Danke, vielen Dank auch ihnen.




Der Film „Im Schatten“ läuft seit dem 7. Oktober 2010 im Cinema in Münster.




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