INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

„Wenn wir ein neues Projekt haben, mögen wir Unvorhersehbarkeit.“ – Interview mit Peter Lord

Peter Lord am Set von Piraten - Ein Haufen merkwürdiger TypenVor dem Filmstart von „Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ hat sich Lida in Berlin mit dem Regisseur des Films, Peter Lord, getroffen. Der Engländer berichtet über Material, Aufwand und vieles mehr rund um sein neues Abenteuer aus dem Hause Aardman. Hier das sehr lesenswerte Interview, in dem es u.a. auch um Kindermode geht.

 

Mehrfilm.de: Herr Lord, interessant, dass ihr Hemd (buntes Hemd, Anm.d.Red.) zum Film passt…

Peter Lord: Ja, erstaunlich. Als ich erfuhr, dass wir das hier machen würden, dachte ich, ich brauche etwas visuell Interessantes.

Mehrfilm.de: Hatten Sie es gekauft, nachdem Sie beschlossen hatten, den Film zu machen oder ist es Merchandising?

Lord: Genaugenommen haben wird den Stoff online gekauft und dann hat eine unserer Modelliererinnen es für mich gemacht.

Mehrfilm.de: Wie viele Tonnen Plastilin flossen in den Film „The Pirates“?

Lord: In Relation nicht viel. Obwohl all die Modelle anfangs aus Plastilin sind, ist später das meiste Silikon, Latex, Harz und Stahl; alles außer Plastilin. Wahrscheinlich haben wir Tonnen davon vorrätig, die nicht benutzt wurden.

Animateur Ian Whitlock bei der Arbeit

Animateur Ian Whitlock bei der Arbeit, (c) Sony Pictures

Mehrfilm.de: Du hast einige Markenzeichen wie die Badewannen-Szene, die auf „Die Techno-Hose“ anspielt.

Lord: Ja, aber wenn wir ein neues Projekt haben, mögen wir Unvorhersehbarkeit, keine formelhaften Sachen. Wir widersetzen uns mit Bestimmtheit einer Formel, die von Hollywood festgelegt wurde. Welche Dinge wir noch mögen? Witzige Charaktere, das ist sehr wichtig.

Mehrfilm.de: Wie gefiel Dir die Zusammenarbeit mit Jeffrey Katzenberg und die mit Sony?

Lord: Jeffrey kann ich nur dankbar sein, weil er uns ermöglicht hat, drei Filme zu machen, was keine Kleinigkeit ist. Jeffrey hatte eine leicht dominierende Art. Da war eine starke Präsenz im Raum und das war bei Sony nicht so. Uns wurde maximale künstlerische Freiheit gewährt. Sie liebten den Entwurf, liebten ihn mit all seiner Skurrilität, seinen Dodos, Königin Viktoria und dem exzentrischen Kram.

Mehrfilm.de: War das Lepra-Schiff ein Problem?

Lord: Eine andere Sorte Problem: ein Problem des guten Geschmacks

Mehrfilm.de: Gab es Ärger von der Royal Academy of Science oder den „Freunden Charles Darwins“?

Lord: Die Royal Society ist eine echte Institution in London. Dann dachten wir, was haben wir mit dem Namen getan, und luden den Pressesprecher ein. Er sah es und wir saßen da und fühlten uns unwohl, denn was wir machen, ist einfach Unfug. Es ist ein unartiger Witz, dieses Schild „Wir spielen Gott seit…“ Am Ende sagte er: „Ich habe das gesehen!“ Aber es störte ihn nicht.

Mehrfilm.de: Dachtest Du je, es wäre so toll gewesen, wenn Du als Du damals anfingst, gekonnt hättest –

Lord: Man hätte nicht im Traum gekonnt. Damals war die Welt der Animation viel kleiner. Puppentrick war extrem esoterisch und fast ausschließlich für Kinder. Nicht in den wildesten Träumen hätte man sich ausmalen können, einen Spielfilm mit großem Budget zu machen, der weltweit gezeigt wird.

Mehrfilm.de: Wenn Du heute anfangen würdest, wäre es die gleiche Erfolgsgeschichte?

Lord: Es wäre hart. Als wir begannen herrschte solche Leere. Es gab keine Konkurrenz. Ich glaube, wir arbeiteten hart, wir hatten eine Menge Talent, aber unser Timing war auch gut.

Mehrfilm.de: Was dachten Deine Eltern?

Lord: Sie waren einverstanden. Es kam ganz selbstverständlich.

Animateur Richard Haynes bei der Arbeit

Animateur Richard Haynes bei der Arbeit (c) Sony Pictures

Mehrfilm.de: Wie weit plant Aardman voraus? Es heißt, Ihr hättet bereits eine zweiten 2-Jahresvertrag mit Sony.

Lord: Haben wir. Tatsächlich planen wir voraus; nie so effektiv, wie wir vielleicht sollten. Falls Nick den Film übernimmt, den, wie ich hoffe, Sony machen wird, und „The Pirates“ respektabel genug an der Kinokasse läuft, können wir uns um mehr Filme sorgen.

Mehrfilm.de: Werden die beiden Filmtechniken bei Aardman nun wechselnd benutzt?

Lord: Das ist momentan der Plan. Es wird interessant werden.

Mehrfilm.de: Unterscheidet sich der Arbeitsaufwand für einen CGI-Film wie „Arthur Christmas“ und einen in Stopp-Motion stark?

Lord: Tatsächlich ist es erstaunlich, wie ähnlich beide im Entstehungsprozess sind. Man hat das Script, das Design, das Storyboard, man hat den Story-Reel, man hat das Design und Modellieren der Charaktere und die digitale Animation. Was „Arthur Christmas“ getan hat, war viel mehr Leute einzubeziehen. In CG kann man plötzlich 30 Animationskünstler mehr einsetzen. Es sind einfach 30 Leute und Schreibtische. Das kann man nicht bei Stopp-Motion. A) kann man die Animationskünstler nicht finden und B) hätte man sie, gäbe es trotzdem nicht mehr Sets oder Figuren. Daher wird jeder Animationskünstler als auserwählt betrachtet, geliebt, verstanden und wir kennen ihre Stärken und Schwächen.

Mehrfilm.de: Obwohl die Produktionsabläufe sehr ähnlich sind, bevorzugst Du weiterhin Handarbeit.

Lord: Wenn die ihre Figuren machen, ist es nur ein Typ, der seine Mund bewegt. Aber wenn wir unsere Figuren machen, gibt es Knete und Dinge, die man berühren kann..

Mehrfilm.de: Wie sehr überschneiden sich die drei verschiedenen Sektionen Spielfilm, Werbefilm und TV bei Aardman? Man könnte sich vorstellen, Jeffrey Katzenberg sagt, machen wir „Shaun, der Film“, er ist so beliebt.

Lord: Wir denken tatsächlich darüber nach. Ich glaube, wir arbeiteten gerade an einer 30-minütigen „Shaun“-Episode.

Mehrfilm.de: Wenn „The Pirates“ erfolgreich wird, könntest Du Dir vorstellen, die Charaktere in der Werbung einzusetzen?

Lord: Ja. Vielleicht wäre eine Fernsehserie eine gute Sache. Doch das wäre so teuer.

Mehrfilm.de: Vielleicht mit einer Kinderkleidungs-Linie?

Lord (lacht): Damit könnte es klappen, ja.

Mehrfilm.de: Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch!

 


 



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