INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Interview mit Heike Makatsch und Kai Wessel – Heike Makatsch

Mit `Hilde` zu Gast in Münster

Makatsch in Muenster3

Heike Makatsch, Kai Wessel

Das sitzt sie schon. Zusammen mit dem Regisseur ihres neuen Films. Sie trägt dunkle Jeans, eine Bluse, weinrote Lederjacke und Turnschuhe. Jung ist sie geblieben. Doch das Pop-Girlie von einst ist die junge Mutter längst nicht mehr.

Aber schmal ist sie geworden. Heike Makatsch, die wenig später an diesem Samstagabend am 21. März im Schlosstheater von einem Zuschauer „beste Schauspielerin des Landes“ genannt wird. Sie braucht keinen großen Auftritt, keine Luxuslimousine, keinen Starrummel. Sie sitzt da, lächelt und wundert sich über die vielen Journalisten, die ihre Schreibblöcke, Aufnahmegeräte, Mikrophone und Fotokameras sortieren. Die Atmosphäre ist herzlich. Und genau wegen dieser Natürlichkeit, dieser erfrischenden Spontaneität und Herzlichkeit wird sie von ihren Fans geliebt. Doch mit Journalisten hat die junge Mutter, die eine junge Kollegin eines lokalen Radiosenders sofort mit „Du, Heike..“ anredet so ihre Probleme. Mit einem Satz, der wenig später noch fallen wird, wird dies besonders deutlich, als sie die Feuilletonisten deutscher Tageszeitung mit folgendem Satz beschreibt: „Ach, die Feuilletonisten, die zweimal am Tag im dunklen Kino sitzen und dann in ihren Texten ihr trostloses Leben verarbeiten. Gedankenpause.

Dein Freund der Feuilletonist

Genau diese Journalisten hatten ihren neuen Film „Hilde“ alles andere als über den grünen Klee gelobt. Diese Journalisten hatten offen die sichtbaren Schwachstellen des Films, das Episodenhafte, die Mutlosigkeit der Herangehensweise an die Figur Hildegard Knef und den Mangel an Euphorie, die jeder Zuschauer nach einem BioPic eigentlich mit nach Hause nehmen sollte, angesprochen. Doch genau das hat sie, Heike Makatsch, die zusammen mit Produzentin Judy Tossell die Idee zu der Verfilmung des Lebens der Schauspielerin Hildegard Knef hatte, persönlich sehr getroffen. Ja, ja, ja. „Hilde“ ist ihr Film, ihr Projekt und ein wichtiger Schritt in ihrer Schauspielkarriere, wie sie im Gespräch zugibt.




Mehrfilm.de: Frau Makatsch, Sie als Hildegard Knef – worum gerade diese Rolle?
Heike Makatsch: Die Idee hatte nicht ich allein, sondern zusammen mit der Produzentin Judy Tossell, mit der ich schon zwei Filme gemacht habe. Es kam das Thema Hildegard Knef auf. Doch das Projekt verschob sich durch mein Muttersein. Dennoch wollte ich den Film unbedingt machen.

Mehrfilm.de: Inwieweit muss man in den Vorbereitungen dieser Person nahe kommen, die man auf einer großen Leinwand verkörpern will. Haben Sie persönliche Parallelen entdeckt?
Heike Makatsch: Man muss die Person nicht lieben, um sie später darstellen zu können, wenn Sie das meinen. Ich habe mich schon sehr genau vorbereitet auf die Person, habe mir Filme angeschaut, Ausschnitte aus Talkshows angesehen, vor allem aus den 60er Jahren. Eine zu große Nähe zu der Person, die man verkörpern will, kann auch zum Problem werden. Ab einem bestimmten Punkt habe ich gesagt: So, das reicht. Wahrscheinlich ist das, was ich an Parallelen sehe oder was mir sehr nahe ist, pure Projektion, die sie mir aber trotzdem erklärt. Bei einigen Szene habe ich mich nachher aber schon gewundert und mich gefragt: Bin das noch ich? Aber es steckt auch eine ganze Menge Heike Makatsch in Hilde.

Mehrfilm.de: Was macht „Hilde“ für junge Leute interessant?
Heike Makatsch: Hildegard Knef war der deutsche Star der Nachkriegszeit. Sie hat so viele Sachen gemacht in Deutschland, zum Beispiel ihre Musik. Und sie ist vorgeprescht, aber die Welt war vielleicht nicht bereit. Sie hat so viel ausprobiert, auch in jungen Jahren schon. Und sie hatte so viele Aufs und Abs in ihrem Leben, wie jeder sie hat. Deutschland war vielleicht kein Land, in dem man gern sein wollte, wenn man das Leben in sich pulsieren fühlte. Alles war kaputt, mit Trauer behangen und grau. Also hat sie ihre Chance ergriffen und ist ins Ausland gegangen. Das geht heute sehr viel einfacher. Doch im Ausland wiederum wollte man nach dem Krieg keine Deutschen, das war am Anfang ihrer Karriere sicherlich ein Problem.

Makatsch in Muenster1

Mehrfilm.de: Inwieweit war es für sie als Schauspielerin und auch als Regisseur, Herr Wessel, möglich, eine persönliche Handschrift zu hinterlassen in diesem BioPic?
Kai Wessel: Erst einmal ist das, was auf der Leinwand erzählt wird, schon eine eigene Interpretation der Figur. Ich bin nach Amerika gereist, habe mich mit den Ex-Männern von Hildegard Knef getroffen, habe Zeitzeugen befragt, habe die Biographie „Der geschenkte Gaul“ gelesen und auch mit der Tochter geredet. Darauf basiert das Gezeigte. Das, was wir uns ausgesucht haben, das, was wir erzählen wollten ist unsere Interpretation der Figur.
Heike Makatsch: Ich habe immer versucht, eine Essenz von mir mit einfließen zu lassen. Das fing schon beim Gesangstraining an. Zusammen mit meiner Gesangslehrerin habe gemerkt, dass es nicht so toll klingt, wenn ich so tief singe wie Hildegard Knef. Also habe ich meine Stimme genommen, die eine Oktave höher ist und habe mich damit viel besser gefühlt.

Mehrfilm.de: Gibt es Facetten/Parallelen zu Ihrem Leben mit dem Leben der Knef?
Heike Makatsch: Wahrscheinlich ist es der Facettenreichtum. Die ständigen Veränderungen. Dinge bleiben nicht so, wie sie sind. Man steht immer vor neuen Entscheidungen. Hildegard Knef hatte das Bedürfnis, sich immer wieder dem Leben zu stellen. Das ist bei mir auch so.

Mehrfilm.de: War es von Anfang an klar, dass Sie die Knef-Lieder selbst singen?
Heike Makatsch: Ja, wir haben uns überlegt, wie das aussieht, wenn ich zu den Liedern meine Lippen synchron bewege. Aber das haben wir schnell wieder verworfen. Ich habe ein Jahr Unterricht genommen, weil mir klar war, dass an meinem Gesang gefeilt werden muss, wenn ich mich daran wage. Und wie gesagt, dann habe ich nicht die tiefe Stimme von Hildegard Knef, ich habe dann meine Stimme gewählt.

Mehrfilm.de: Mit dieser gelungenen Interpretation kommt jetzt so viel Ruhm auf sie zu. Sie sind in allen Zeitungen, sind in so vielen Städten unterwegs. Wie verkraftet man das alles?
Heike Makatsch: Ach, machen sie sich keine Sorgen. Der Ruhm, der schnell kommt, der vergeht auch sehr schnell wieder.

Mehrfilm.de: Sie haben schon einige historische Figuren gespielt. Magarethe Steiff, beispielsweise. Wo liegt die Figur Hildegard Knef in diesem Vergleich?
Heike Makatsch: Dadurch, dass ich mit die Idee zu diesem Projekt hatte, ist mir dieser Film natürlich besonders wichtig. Jetzt könnte ruhig aber auch mal wieder eine Auftragsarbeit kommen.

Mehrfilm.de: Frau Makatsch, Herr Wessel, vielen Dank für dieses Gespräch.



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