INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Interview mit Anna Maria Mühe – Anna Maria Mühe

Das `Novemberkind` zu Gast in Münster

„Novemberkind“ heißt ihr neuer Film. Und dieser liegt ihr ganz besonders am Herzen. 18 Städte hat sie sich vorgenommen – in drei Wochen. Am Abend des 9. November, einem Sonntagabend, war die Schauspielerin Anna Maria Mühe zu Gast im Cinema in Münster. Bestens gelaunt und sehr entspannt stellte sie sich nach der Vorführung den zahlreichen Fragen der Zuschauer. Und begeisterte durch ihren Charme und ihre Auskunftsfreudigkeit.

Eine weibliche Kinobesucherin wollte es am späten Abend ganz genau wissen. Auf die direkte Frage nach Alter, Größe und Lieblingskollege antwortete die 23jährige Schauspielerin im vollbesetzten Kinosaal präzise: „23, 1,60, und es gibt so viele tolle Kollegen“. Die Berliner Schauspielerin fand sichtlich gefallen an den zahlreichen Fragen und forderte weitere. Mit ihrer unbekümmerten Art hat sie das münsteraner Kinopublikum schnell in ihren Bann gezogen. Und das dankte ihr für den Besuch. Ein älterer Besucher brachte es schließlich auf den Punkt: „Frau Mühe, sie spielen im Film zwei tolle Persönlichkeiten und sie sind eine tolle Persönlichkeit.“

Während der Vorführung haben wir uns mit der mehrfach ausgezeichneten Schauspielerin über Kollegen, Preise und ihren neuen Film „Novemberkind“ unterhalten.

anna maria muehe

Anna Maria Mühe

Mehrfilm.de: Frau Mühe, willkommen in Münster. 18 Städte in wenigen Tagen. Findet man da noch Zeit für einen kurzen Besuch der Stadt?
Anna Maria Mühe: Nein, leider nicht. Morgen früh beispielsweise geht es direkt weiter nach Saarbrücken. Für ein Besuch der Städte, in denen ich bin, bleibt nur wenig Zeit.

Mehrfilm.de: In „Novemberkind“ spielen sie an der Seite von Theatergrößen wie Ulrich Matthes oder Hermann Beyer. Wie war die Zusammenarbeit?
Anna Maria Mühe: Die Arbeit mit ihnen war toll. Als junge Darstellerin hat man anfangs sehr viel Respekt vor diesen tollen Schauspielern. Und nervös war ich natürlich auch. Doch Regisseur Christian Schwochow hat es mir leicht gemacht. Zum Beispiel indem er vor den Dreharbeiten eine Art „Blind-Date“ zwischen Uli und mir arrangiert hat. Er wollte unbedingt, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt. Und das hat er so herausgefunden.

M.: Im Film „Novemberkind“ spielen sie eine Doppelrolle als junge Inga und ihre Mutter Anne. Und sie treten in einer Szene sogar nackt auf. Wie groß war die Angst oder der Respekt vor diesem Engagement, auch weil es sich bei dem Film um eine Abschlussarbeit an einer Filmhochschule handelt?
Mühe: Christian Schwochow, der mit seiner Mutter zusammen das Drehbuch für Novemberkind geschrieben und auch Regie geführt hat, weiß es, sich auszudrücken. Er war hier auch mein Lehrer. Er ist ein toller Regisseur und er weiß was er will. Das macht es einem als Darstellerin leichter. Zudem war das ganze Team sehr jung und sehr engagiert. Alle wollten ihr Bestes geben für diesen Film.

M.: Sie haben von Kollegen (Ulrich Matthes) und der Presse sehr viel Lob für ihre Darbietung erhalten. Preise gab es auch schon, Wie groß ist die Gefahr, dass man abhebt?
Mühe: Lob von Kollegen tut natürlich sehr gut. Gerade von so einem tollen Kollegen wie Ulrich Matthes. Und Preise sind etwas schönes. Jeder wird gern ausgezeichnet. Ich habe mich nach 20 Produktionen auch über den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin gefreut. Doch sie sind für mich in erster Linie Ansporn für weiterhin gute Arbeit. Viele glauben, auch Regisseure und Produzenten, mit einem Preis wäre man über die nächsten Jahre ausgebucht. Dem ist aber nicht so. Ich habe im nächsten Jahr zwei große Projekte, jedoch erst am Ende des Jahres. Ich freue mich auf alles, was kommt. Ich bin Realist.

M.: Sie haben bislang an über 20 Kino- und TV-Projekten mitgewirkt. Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal ein Engagement an einem Theater anzunehmen?
Mühe: Ja, das würde ich sehr gerne. Ich stelle mir den direkten Kontakt mit dem Publikum spannend vor. Bisher gab es aber noch keine konkreten Angebote. Und auch zeitlich ist es schwierig, denn während eines Gastspiels kann ich nicht drehen. Doch bei einem richtigen Angebot würde ich das trotzdem sofort machen.

M.: Gibt es eine Art „Hierarchie“ für Sie zwischen Kino-, TV- oder Theater-Rollenangebot?
Mühe: Nein, die gibt es nicht. Es kommt immer auf die Rolle an. Da kann es auch ruhig mal eine kleine Rolle in einem Theater sein oder wie hier eine Doppelrolle in einem Kinofilm.

anna maria muehe nah

Anna Maria Mühe

M.: Es heißt, Sie seien ein Workoholic. Sie haben gerade mit Til Schweiger gedreht: “1 ½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“. Wer hat da wen angesprochen?
Mühe: In „1 ½ Ritter“ habe ich nur eine kleine Rolle. Es war nur ein Drehtag. Til (Schweiger) hatte mich für diese Rolle vorgesehen. Und er hatte mich angesprochen. Es war ein tolles Erlebnis. Gerade auch mit so netten Kollegen wie Rick Kavanian zusammenarbeiten zu können.

M.: „1 ½ Ritter“ ist eine größere Produktion, „Novemberkind“ eine kleine mit einem kleinen Budget. Wie viel Einfluss hat die Größe einer Produktion auf die Rollenauswahl?
Mühe: Es ist egal, wie groß oder klein eine Produktion ist. Am meisten Spaß macht es natürlich, wenn alle Beteiligten mit viel Engagement bei der Arbeit sind. Und natürlich ist es als junge Darstellerin toll, wenn, wie bei „Novemberkind“, alle etwas jünger sind. Da ist natürlich das Engagement ein anderes.

M.: Ihre beste Freundin ist Hannah Herzsprung. Schauen sie sich die Filme, in denen sie mitwirken, gemeinsam an?
Mühe: Gemeinsam nicht, nein. Ich kann mich in meinen eigenen Filmen nicht sehen. Ich mag auch meine Stimme nicht. Aber natürlich schaue ich mir die Fernseh- und Filmproduktionen von meinen Freundinnen an. Auch die von Alice Dwyer, die vor wenigen Tagen hier zu Gast gewesen ist, eine tolle Freundin, mit der ich in einer ARD-Produktion (Anm. d Red: „Meine böse Freundin“) zusammen spielen durfte.

M.: Bei so viel Arbeit. Findet man da noch Zeit, selbst ins Kino zu gehen?
Mühe: Ja, doch. Erst letzte Woche war ich auf der Premiere von „James Bond“. Das war nett.

M.: Wieviel Einfluss hatte ihr Vater auf die Entscheidung, Schauspielerin werden zu wollen?
Mühe: Gar keinen. Natürlich denken viele, dass es mit dem Namen einfacher ist. Aber ich bin mit 15 in einem Straßencafé entdeckt worden. Bis dahin hatte ich das alles von außen betrachtet. Und alle Vor- und Nachteile des Berufes durch meine Eltern kennen gelernt. Wir sind sehr viel umgezogen. Jetzt, wo ich selber dabei bin, weiß ich, dass es einfach auch eine harte Arbeit ist, weil man in jedes Projekt sein ganzes Engagement hineinlegt, alles dafür gibt, um einer Rolle gerecht zu werden. Aber ich liebe diesen Beruf und bereue meine Entscheidung nicht.

M.: Würdest Du genauso handeln wie Anne in deinem neuen Film „Novemberkind“? Würdest Du auch einer großen Liebe folgen und dafür dein Kind zurücklassen?
Mühe: Anne wurde Opfer einer falschen Versprechung. Sie hat immer angenommen, sie würde ihre Tochter „nachgeschickt“ bekommen. Das ist aber nicht geschehen. Daran ist sie schließlich zerbrochen. Aber nein, ich könnte mir nicht vorstellen, mein Kind zurück zu lassen.

M.: Du verkörperst zwei Personen in dem Film, die junge Archivarin Inga und ihre Mutter Anne. Kommt man da am Set nicht mal durcheinander?
Mühe: Nein, erstens hatte ich einen tollen Regisseur, dann tolle Kollegen und schließlich eine andere Maske. Anne trägt ja ein Muttermal, Inga nicht. Das hat geholfen. Spätestens in der Maske wusste ich immer, wer ich in den nächsten Minuten bin.

M.: Frau Mühe, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem tollen Film.
Mühe: Ja, vielen Dank.

Der Film „Novemberkind“ startet am 20. November in den deutschen Kinos.

Hier der Trailer zum Film „Novemberkind“






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