INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

HARRY POTTER – Harry Potter

Harry (P)Schotter, oder: wo liegt der Zauber?

harry potter

Szene aus „Harry Potter“

Die ganze Welt scheint verrückt und verhext! Wer könnte das in diesen Tagen bestreiten. Die Erscheinung, um die es hier gehen soll, liegt greifbar in der Hand. Kleine und große Fans sprechen von nichts anderem. Sein Konterfei blinzelt bereits von jeder Kaffeetasse, Baseball-Mütze, von jedem Badetuch, Ringbuch oder Buchcover. Er wurde auserkoren, die Zwischenwelt von einem bösen Zauberer (Fans aufgepasst!: ihr wisst schon, von wem) zu befreien. Und den Millionen unglücklichen Kindern dieser unserer Welt ein neues Idol zu sein. Zwischenwelt? Etwa noch nichts darüber gehört?

Mit diesem Knirps stehen wir vor einer neuen Erkenntnis, die Welt ist befreit! Denn mit ihm durfte die Zivilisation erfahren, was sie noch nicht wusste: Unter uns „normalen“ Menschen leben Zauberer und Hexen, die uns abwertend als „Muggels“ bezeichnen. Angesichts vieler Anhänger hüte sich jeder Laie zuzugeben, er wisse nicht was Muggels, Knuts, Sickel oder Quidditch sind. Jedes zweite Kind kennt die Vokabeln aus der Zwischenwelt. Aber halt! Es geht hier doch „nur“ um eine Figur, einen kleinen Jungen aus einem Kinderbuch, mehr nicht! Oder etwa doch? Den Anfang nahm der ganze Zauber mit einer Zugfahrt vor etwa zehn Jahren. Eine junge, mittellose Mutter wollte ihren beiden Kindern eine kleine Geschichte über einen Jungen erzählen, der plötzlich erfährt, dass ein leibhaftiger Zauberer in ihm steckt. Es sollte ein ganz normaler Junge aus unserem Leben sein. Harry Potter war geboren. Die Autorin dieser Geschichte, Joanne K. Rowling, hatte zu dieser Zeit gerade ihren Ehemann verlassen, war nach Edinburgh gezogen und ließ ihrer Phantasie freien Lauf. In dieser Zeit soll die Idee vom Zauberlehrling Harry Potter auf magische Weise entstanden und ausgelöst worden sein durch die Worte: „Jedes Kind auf dieser Welt wird seinen Namen kennen.“ Rowling schrieb alles auf, ihre Phantastereien füllen bis heute vier Bände und kein Ende ist in Sicht.

Zehn Jahre später sind über 100 Millionen Exemplare ihrer Romanserie über den schmächtigen Zauberhelden mit der markanten Blitz-Narbe auf der Stirn verkauft und in über 47 Sprachen übersetzt. Harry Potter ist mittlerweile so bekannt wie Mickey Mouse. Die Autorin erhielt den Orden des britischen Empire aus der Hand von Potter-Fan Prinz Charles und verdiente allein an ihren Büchern über 80 Mio. DM! Harry Potter, nur ein gutes Kinderbuch? Was ist nur dran an dieser Erzählung? Nimmt der Zauber jeden in Besitz, der das Buch in die Hände bekommt und Satz für Satz verschlingt?




Nein – nicht doch! Nach Band 4 klafft nun schon seit über einem Jahr eine gewaltige Lücke – schon über ein Jahr ohne Harry und seine Zauberfreunde verstrichen! Eine Gemeinde viel zu lange ohne Zauber! Endloses Warten auf Harrys neues Abenteuer: Harry und sein fünftes Jahr in Hogwarts, der Schule für Zauberei. Und während in der Zwischenzeit selbst die treuen Fans aus dem einen und die Noch-Nie-Leser aus dem anderen Lager keine Erklärung für diese Zauberei parat haben, naht nun Hilfe aus Hollywood. Als die Potter-Manie in England ihre Blüten trieb, griffen äußerst findige Film-Produzenten clever zu und erwarben die Filmrechte. Das erste Buch, Harry Potter und der Stein der Weisen, ist nun verfilmt und hatte am 4. November Weltpremiere in London. Harry Potter also auch auf der Leinwand, für viele Fans ein Graus. Kann der Potter-Zauber – in leinwandtauglichem Popcornformat aufbereitet – verloren gehen? Werden die Fans entzaubert? Zahlen vom Wochenende widersprechen dieser Sorge: „Harry Potter – Der Film“ hat die höchsten Einspielstartergebnisse aller Zeiten und damit schon jetzt die kühnsten Hoffnungen der Produzenten übertroffen. Die Kampagne Harry Potter läuft mediengerecht auf vollen Touren, der Markt partizipiert am Zauber wie ein gefräßiger Fluffy! Noch vor dem Kinostart waren für über 70 Mio. Dollar die TV-Rechte verkauft worden (Titanic hat 30 Mio Dollar eingebracht), und mit dem weiteren Verkauf der Werbelizenzen an große Spielzeughersteller konnte man das Filmbudget refinanzieren, noch bevor eine Kinokarte verkauft wurde. Und das ist noch nicht alles: der Geldzauber geht weiter! Werbeverträge, Lizenzenvergabe, Spielzeughersteller, und, und, und – von der Branche lapidar mit Merchandising verniedlicht. Man verspricht sich hier Einnahmen von über einer Milliarde Dollar. Getreu dem Motto: „Ein Film ist niemals nur ein Film.“ Die Potter-Gemeinde nimmt dieses Zitat nur mit einem müden Lächeln auf. Wer sich dieser Gigantomanie entziehen möchte (oder eben nicht), kann auf Münsters neuer Internetseite für Filmfreunde mehrfilm.de bereits heute nachlesen, wie der Film tatsächlich geworden ist. mehrfilm.de konnte den Film vorab sehen und kritisch durchleuchten. Doch eine Erklärung für das Phänomen Harry Potter konnten auch sie nicht liefern. Vielleicht findet Ihr ja den Stein der Weisen!



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