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„Fritz Lang“ im Doppelpack

Plakat_fritz_lang_webWieder einmal ein Abend im Filmclub. Das hatte ich mir für die neue Saison, also für die neue Reihe, fest vorgenommen. Mein letzter Besuch lag bereits viel zu lange zurück – umzugsbedingt. Was gibt es Schöneres, als im ältesten Filmclub Deutschlands von unbekannten Filmen überrascht zu werden? Zudem noch alte Bekannte wieder zu treffen? Derzeit im Filmclub-Programm: Fritz Lang. Der österreichisch-amerikanische Regisseur gehört sicherlich zu den herausragenden, kreativsten Filmemachern der Filmgeschichte. Neben Klassikern des Stummfilms („Metropolis“) dokumentieren auch seine Tonfilmerfolge seinen ganz eigenen, typischen Stil, der vielen Filmemachern bis heute als Referenz dient. Am 02. August jährt sich der Todestag des Ausnahmekünstlers zum 40. Mal. Grund genug für den Filmclub Münster, ihm ein stilles Ständchen zu bringen.

Dazu haben sich die Verantwortlichen des Filmclubs drei Filme ausgesucht, um „sich einen nachhaltigen Eindruck von der Genialität des Meisterregisseurs und den psychologischen Abgründen des Menschen Fritz Lang zu verschaffen.“ Ich konnte mir bisher zwei Filme der Reihe anschauen und kann nur jedem Cineasten empfehlen, sich zum Beispiel das Meisterwerk „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ nicht entgehen zu lassen. Beziehungsweise sich diesen Film unbedingt in der Videothek des Vertrauens auszsuchen. „M – Eine Stadt …“ aus dem Jahr 1931 war Langs erster Tonfilm. Es ist ein Verfolgungsfilm mit einem großartigen Peter Lorre in der Rolle eines gejagten Kindermörders. In Münster wurde die restaurierte 117-Minuten Kopie gezeigt, die bereits ein lange Reise hinter sich hatte (und die vor dem Beginn des Films ausreichend beschrieben wurde).

Warum Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu den Leuchttürmen der deutschen Filmhistorie zählt, das wird bereits in der ersten Einstellung sichtbar: Der Hauptdarsteller Peter Lorre beugt sich zu einem Mädchen hinunter, um ihr einen Luftballon zu kaufen. Lang filmt diese Einstellung als Schattenspiel auf einer Litfaßsäule, die den Kindermörder dadurch als „Teufel“, als „Dämon“ skizziert. Meisterhaft gelang es ihm in den folgenden, äußerst spannenden Filmminuten, Geräusche, Melodien und Sprache zur Steigerung der Spannung einzusetzen. Der Film, der auf einer wahren Begebenheit basierte, war ein riesiger Erfolg an den Kinokassen, woraufhin die Nationalsozialisten den Regisseur mit sehr attraktiven Angeboten für ihre Sache gewinnen wollten. Doch Fritz Lang floh 1933 nach Frankreich. Seine Frau Thea von Harbour hingegen, mit der er bis 1931 jedes Jahr gemeinsam einen Film konzipierte, trat in die NSDAP ein und ließ sich 1933 von ihrem Mann scheiden.

Letzteres wird leider im Biopic „Fritz Lang“ mit Heino Ferch in der Hauptrolle nicht mehr thematisiert. Das deutsche Doku-Drama von Gordian Maugg reduziert seinen titelgebenden Protagonisten auf einen arroganten, selbstverliebten Erfolgsregisseur, der in Düsseldorf zu seinem neuen Projekt „M – Eine Stadt…“ recherchiert. Wichtige Lebensabschnittsbegleiter (Johanna Gastdorf als Thea von Harbour, Michael Mendl als Anton Lang) werden in kurzen Auftritten verschenkt, und für das nötige Zeitkollorit sollen Original-Dokumentarfilm-Szenen sorgen. Doch die Idee, dem Film durch die Originalaufnahmen Authentizität zu verleihen, geht nicht auf. Der ansonsten visuell überzeugende Film wirkt in der Vermischung von Fakt und Fiktion dramaturgisch holprig und allzu selbstverliebt. Das gilt auch für den Hauptdarsteller.

caligari_plakat_detusch.inddUm dennoch etwas mehr über die vielleicht wichtigste Phase innerhalb der deutschen Filmhistorie zu erfahren, zeigen die Verantwortlichen des Filmclubs in Münster am kommenden Mittwoch, 08. Juni noch Rüdiger Suchslands Dokumentation „Von Caligari zu Hitler“. Eine Übersicht über die Epoche des Kinos zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, die als wichtigste Zeit des deutschen Kinos wahrgenommen wird. Im Fokus steht die Filmkunst der Zwanziger Jahre mit Filmbeispielen, die ergänzt werden durch politische und gesellschaftliche Hintergründe aus jener Zeit, in der die ästhetischen Grundlagen der Filmkunst entstanden sind. Nicht verpassen! Mittwoch, im Schloßtheater in Münster

 



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