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Reifeprüfung bestanden, ein Filmfest wurde 18!

Festivalplakat Filmfest Oldenburg 2Es sind oft die kleinen Momente, die einen großen Film ausmachen. Das gilt auch für ein Filmfest. Was blieb hängen? Welche Szene hat sich ins Gedächtnis gebrannt? Für Torsten Neumann, Festivalchef des Internationalen Filmfestivals von Oldenburg 2011 haben diese kleinen Momente auch eine große Bedeutung – sowohl im Film als auch auf einem Festival. Auf der Abschlussgala am Sonntag, dem letzten Festivaltag, hatte es der Festivalchef noch einmal betont: „Ein Highlight des diesjährigen Filmfestes war sicherlich die Filmpremiere in der Kirche. Auch hier – wie so oft – hieß es ´Ausverkauft´„. Für Neumann war da aber mehr: „Die Aufführung hat mich bewegt, mehr als alles in der Festivalgeschichte, sie war von großer emotionaler Energie.“ Diese Veranstaltung habe, so Neumann, ebenso wie die anderen kleinen und großen Vorführungen bewiesen, „dass das Filmfest in der Stadt Oldenburg fest verwurzelt ist„.

In nackten Zahlen ausgedrückt heißt dies: Über 15 000 Gäste besuchten mehr als 50 Veranstaltungen. Eine Steigerung um mehrere Hundert gegenüber dem Vorjahr. Und das bei weniger Filmen. Knapp 1300 Besucher in der großen Oldenburger EWE Arena bereits am ersten Tag. Darunter nationale sowie internationale Gäste, die sich bestens über den Eröffnungsfilm „Kein Sex ist auch keine Lösung“ amüsierten. An den weiteren Tagen liefen zahlreiche Vorführungen an insgesamt sieben Spielorten, die in diesem Jahr, dem 18. Geburtstag, nicht nur von bis zu über 100 Pressevertretern besucht wurden. Eine ganze Stadt feierte den Film. Wieder einmal.

Torsten Neumann

Festivalleiter Torsten Neumann

Ein rundum gelungener Geburtstag also? Wie so viele Reifeprüfungen stand auch diese unter einem großen Druck. Nicht weniger als eine Evolution wollten die Verantwortlichen an diesen fünf Tagen im September in Oldenburg erwirken: Dazu ein Auszug aus dem Programmheft: „Also, aufwachen, die Sinne schärfen und für fünf Tage im September die Evolution in unserem verträumten Übermorgenstädtchen selbst in die Hand nehmen.“ Um diesen Anspruch zu untermauern, wurden die Worte eines großen Revolutionsführers in großen Lettern an die Außenfassade des Festivalkinos gehängt: „Evolution waits for the Apple to Fall. Revolution makes the Apple fall!“ Die Weiterentwicklung eines Filmfestes im Sinne Che Guevaras. Wer jetzt noch am Enthusiasmus der vielen Mitarbeiter zweifelte, der lief mit Scheuklappen durch die verträumte Stadt an der Hunte.

Und genau dieser Enthusiasmus ist der Grund, der nicht nur ansteckt sondern auch jeden Filmfan, neben dem stets ausgezeichneten Programm, immer wieder aufs Neue nach Oldenburg lockt. Denn die Filme der großen Studios haben in Oldenburg nichts verloren. Dem Team um Torsten Neumann geht es um den Film als unabhängige Kuntsform. Eben aus diesen Gründen zählt Oldenburg, das „German Sundance“, mittlerweile zu den „Top 5“ aller Independent-Filmfestivals weltweit. Die Bandbreite der Filme reicht dabei vom Wohlfühl-Film bis zum Kino für Eingeweihte. Ein Blick weit über den Mainstream hinaus. Das zeigen nicht zuletzt die exquisiten Retrospektiven, die in diesem Jahr von Ted Kotcheff, dem Regisseur des Ein-Mann-Armee-Klassikers „First Blood“ („Rambo“), angeführt wurde oder die meist unbekannten deutschen Preisträger, zu denen in diesem Jahr der dffb-Abschlussfilm „Dr. Ketel“ zählte.

Fassade Festivalkino Cinemax Oldenburg

Fassade Festivalkino Cinemaxx Oldenburg

Die weiteren Preisträger hießen im übrigen: Publikumspreis: „Happy New Year“ (Regie: K. Lorrel Manning), Bester Kurzfilm: „Der letzte Gast“ (Markus Engel), sowie Mia Schöne in der „Der Brand“ – sie erhielt den Darstellerpreis. Nun kann man sich, um den unvermeidlichen Veranstalter-Gag vor den meisten Vorstellungen zu zitieren: „Man sei nun endlich volljährig und mache sich auf ins Erwachsenenleben“, auf den nächsten, ersten erwachsenen Geburtstag freuen. Denn soviel ist sicher, am Enthusiasmus der Mitarbeiter, Verantwortlichen und zahlreichen Cineasten mangelt es nicht. Diese Party in Oldenburg war nicht nur -, sondern ist in jedem Jahr ein Ereignis, das sich Filmfans fest in ihren Kalender eintragen sollten. Nicht nur dem Film zuliebe. (Persönliche Eindrücke zu den einzelnen Filmen später im Blog.)



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