INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Ein weiteres Kino in Münster muss gehen – Das Stadt New York

Ein Innenstadt-Kino und seine Geschichte

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Stadt New York Münster

Der Trend von kleinen Kinos hin zu großen Kinozentren ist nicht aufzuhalten. Mit größeren Palästen wird mehr Geld verdient und eine hohe Besucherzahl pro Filmkopie ist natürlich effizienter als eine Vorführung in einem kleineren Saal. Dieser Trend trifft eine Stadt nun besonders hart: die schöne Westfalenmetropole Münster. Seit dem Bau des Cineplex` zu Anfang des neuen Jahrtausends wurde die Kinolandschaft in Münster nicht auf- sondern umgeschichtet. Die Stadt bot ihren Bürgerinnen und Bürgern bis dato eine Kino-Vielfalt, die vielerorts ihresgleichen suchte: das Angebot in Münster war unschlagbar. Nun verschwindet das letzte von vier einst erfolgreichen und sympathischen Innenstadt-Kinos. Viele Münsteraner erinnern sich gerne an die Zeit, als man erst den Kinobesuch, dann den Kneipenbesuch planen konnte – ohne weite Wege gehen oder mit dem Fahrrad fahren zu müssen.

Nun steht die Schließung des letzten alteingesessenen Innenstadt-Kinos „Stadt New York“ unmittelbar bevor. Für viele Cineasten und Kinogänger in Münster ist das der Anfang vom Ende der Kino-Kultur in Münster. Bei zahlreichen Filmfreunden stößt die Schließung auf Unverständnis. Münster zählt zu einer der bestbesuchten Kinolandschaften im Bundesgebiet und liefert nicht zuletzt mit fast 60.000 Studierenden ein großes (Ziel-)Publikum.

Dazu hat gewiss auch das im November 2000 eröffnete Cineplex beigetragen, das als eines der ersten Multiplex-Kinos in Deutschland gilt und nebenbei das größte Kino seiner Gruppe ist. Dennoch mussten zeitgleich zur Eröffnung des neuen Palastes am entfernt gelegenen Hafen zwei überaus beliebte Kinos der Innenstadt weichen.

Die Schließungen zogen damals den Unmut vieler Münsteraner hervor, aber es gab ja noch das Kinocenter „Roland“ am Hauptbahnhof und das nur wenig entfernt gelegene Metropolis-Kino (früher Rex). Als diese dann auch wenig später ihre Türen dicht machten, schien es, als würde das Ambiente des kleinen Kinos in der Innenstadt gänzlich aus Münster verschwinden.

Geht nun der Charme des kleinen Kinos verloren? Werden bald keine „anspruchsvollen“ Filme mehr gezeigt? Klare Antwort: Nein.

Zwei kleine Lichtspielhäuser, die jeden Tag ums Überleben kämpfen gibt es noch in Münster: Zum einen das 1959 erbaute und ebenfalls zur Cineplex-Gruppe gehörende Schloßtheater im beliebten Studentenviertel „Kreuzviertel“, das sich gänzlich dem anspruchsvollen Film verschrieben hat. Ein Programm-Kino, das heute als eines der ältesten Kinos der „Gilde deutscher Filmkunst“ gilt. Und das „Cinema“, 1969 gegründet, mehr als ein halbes Dutzend Mal totgesagt aber mit einem erfolgreichen Café immer noch sehr gut besucht. Im Laufe der Zeit richtete sich das Augenmerk im Cinema auf den gesellschaftlich, politisch, künstlerisch und historisch relevanten Film. Zudem heimste das Cinema im Jahre 2000 den Preis für das bundesweit beste Jahresprogramm ein und konnte sich 2002 und 2004 für den Kinoprogrammpreis auszeichnen.

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Stadt New York Kino

Mit der Schließung des Kinos „Stadt New York“ wird sich dennoch die Kinolandschaft verändern. Mit der Schließung geht ein Kino mit einer großen und traurigen historischen Geschichte verloren. Der Name entstammt noch einem alten Hotel gleichen Namens, das früher an dieser Stelle zu finden war. Im 2.Weltkrieg von der NSDAP zu Propaganda-Zwecken missbraucht, wurde dort regelmäßig die „Wochenschau“ aufgeführt. Damals unter dem Namen „Schauburg“ bekannt, konnte man in den 50ern mit Uraufführungen mit Filmen vom großen Hans Albers aufwarten.

In den frühen 90ern konnte das „Stadt New York“ mit bekannten Filmen wie „Pretty Woman“ (Julia Roberts und Richard Gere) einen Zuschauerzulauf von knapp 100.000 Besuchern verzeichnen. Eine deutschlandweit eindrucksvolle Besucherzahl.

Mittlerweile werden eher anspruchsvollere Filme aus Europa und den USA gezeigt, einige Blockbuster gesellen sich zeitgleich zur Ausstrahlung aus dem Cineplex dazu, die in der Originalversion gezeigt werden.

Nun heißt es: Abwarten. Abwarten, wie sich die Kino-Kultur in Münster entwickelt. Bedauerlich ist es allemal, dass Programm-Kinos bzw. kleinere Kinos, die von vielen Cineasten doch dem großen Kino vorgezogen werden, ihre Türen schließen müssen.
Sicherlich aber gibt es dennoch einige Besucher, die das Ambiente des Multimedialen-Kinos genießen und sich an der neuen Technik erfreuen, mit der die Filme aufgeführt werden.




Aus diesem Grund musste wohl auch das „Stadt New York“-Kino schließen. Die besseren Filme gab es im Cineplex, die bessere Technik gab es im Cineplex und die besseren Sitze gab es im Cineplex. Es sprach nicht viel für das alte „Stadt New York“-Kino. Nur die zentrale Lage. Vielleicht taucht ja irgendwann ein neuer Investor am weiten Kinohimmel auf, der sich allen Barrikaden, die sich ihm in den Weg stellen (werden) zur Wehr setzen kann, um einen qualitativ hochwertigen Kinosaal in Innenstadt-Nähe zu platzieren? Münster würde sich darauf freuen.



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