EVENTS

DRAGNET-SETBESUCH – Setbesuch in Köln

von Korrespondentin Regina Arentz

setbesuch dragnet regina klein

Am Set von Dragnet

Gruppenbild mit Damen (v.l.): Die Schauspieler Gary Lewis,
Martin Compston und Angel Li, Regisseur und Autor Steve Hudson,
eingerahmt von den Produzentinnen Benjamina Mirnik und Sonja Ewers
sowie Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW.

Es gibt viele Orte, die näher am Meer liegen als Köln-Ehrenfeld.
Aber immerhin leuchtet über diesem Stadtteil, in dem sich deutscher
Punk und türkischer Döner zu einer untrennbaren Einheit verbunden haben,
ein echter Leuchtturm. Der wies zwar nie Schiffen den Weg, zierte aber
stattdessen seit dem 19. Jahrhundert eine Leuchtenfabrik und ist heute
Industriedenkmal.

Damit hat jedoch die Verlagerung diverser Schiffsinnenräume für die
Dreharbeiten des deutsch-irisch-britischen Kinofilms „Dragnet“ (Arbeitstitel;
nicht verwandt mit der gleichnamigen TV-Serie oder der Hollywoodproduktion
von 1987) nichts zu tun. Das Ausweichen in eine alte Industriehalle hat
wohl eher mit dem Medienstandort Köln im Allgemeinen und der Förderung
durch die NRW Filmstiftung im Besonderen zu tun. Auch ZDF/arte und die BBC
sind unter anderem namhafte Geldgeber für Steve Hudsons ersten 35-mm-Langfilm.

Hudson, der Londoner in Köln, hat schon mal sein Gesicht vor eine Hollywoodkamera
gehalten (in „Full Metal Jacket“), später hat er oft Regie bei der Soap „Unter uns“
geführt und eine Serienrolle in der „Verbotenen Liebe“ gehabt. Außerdem spielte er beim
ebenfalls fast ausschließlich im Kölner Binnenland gedrehten Gay-Kreuzfahrt-Flop
„Boat Trip“ eine kleine Rolle. Ein guter Grund, seinen Spielfilm, der an der
irischen Küste und auf hoher See spielt, zu finanzieren, dürfte jedoch vor
allem sein international prämierter Kurzfilm „Goodbye“ gewesen sein. Wo
sollen schließlich in Zukunft gute Filme herkommen, wenn nicht von einem
ambitionierten Debütanten?! So in etwa äußerte sich jedenfalls Michael
Schmid-Ospach von der Filmstiftung beim Setbesuch in Köln und sprach sich
damit für die Förderung solcher Projekte aus.

Am 9. Januar begannen die Dreharbeiten vor Ort in Irland,
bevor man in die hydraulisch bewegbaren Schiffskulissen in die Ehrenfelder
Halle umzog. In „Dragnet“ geht es um den Maat Riley, gespielt von Peter Mullan
(„Mein Name ist Joe“, „Trainspotting“), der versucht, 20 Chinesen auf einem
Schiff nach Schottland zu schmuggeln. Weitere prominente Schauspieler sind
Gary Lewis, der noch als Billy „I will dance“ Elliots Vater in bester Erinnerung ist,
Martin Compston (junger Hauptdarsteller aus Ken Loach‘ „Sweet Sixteen“)
und der deutsche Hark Bohm. Die Idee zum Film kam Steve Hudson im Jahre 2000.
Damals starben 58 illegale chinesische Einwanderer in einem Frachtcontainer
im britischen Dover. Sie waren erstickt. Wie sich später herausstellte,
war diese Methode des Menschenschmuggels kein Einzelfall.

Hudson vermengt die Kritik an dieser Praxis mit der immer schlechter
werdenden wirtschaftlichen Situation der kleinen Fischer.
Seine Protagonisten handeln allesamt aus der Not heraus.




Ende Februar soll „Dragnet“ abgedreht und im Sommer fertig gestellt sein.
Wann er in die Kinos kommt, ist noch ungewiss.



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Events, Specials veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.