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Dokumentarfilmfest „Stranger than Fiction“ noch bis zum 08.02.2015

2014-12_stf_plakatDie Liebe der Dokumentarfilme zum Kino wird nur selten erwidert. Selten erreicht ein guter Dokumentarfilm mehr als hunderttausend Kinozuschauer in Deutschland. Dabei wird für diese Liebe ziemlich viel Geld ausgegeben: teure Kopien hergestellt, Verleihförderung fließt, Marketing, Pressearbeit, Regisseurbesuche und so weiter. Das sind aber nur die offensichtlichen Opfer des Dokumentarfilms an das Kino, hintergründig gibt es noch ganz andere. Das hat der unabhängige Dokumentarfilm nicht verdient. Auch deswegen hat die „Kino Gesellschaft Köln“ unter der Leitung von Joachim Kühn und Dirk Steinkühler ein Filmfest ins Leben gerufen, um dem Dokumentarfilm eine breitere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Das war Ende der 90er.

Ihr Dokumentarfilmfest „Stranger Than Fiction“ ist inzwischen ein Erfolg. In diesem Jahr geht es zum 17. Mal auf die Reise. Sieben (Programm)Kinos in NRW zeigen mehr als ein Dutzend ausgewählte Dokus. Immer am Anfang eines Jahres. Auch in diesem Jahr sind wieder die Kinos in Köln (Filmpalette, Filmforum), Bochum (Endstation), Münster (Cinema), Düsseldorf (Metropol), Dortmund (sweetSixteen), Essen und in Mühlheim mit von der Partie. Die Filmfans in diesen Städten dürfen sich auf zahlreichen Dokus aus NRW („Die Böhms“, „Raumfahrer“) sowie auf ausgezeichnete Dokumentarfilme aus der ganzen Welt (u.a. „Red Army – Legenden auf dem Eis“, „Children 404“ oder „1971“) freuen.

Als Filmfan dürfen wir die sehr sehenswerten Dokumentationen „Die Böhms – Architekur einer Familie“ aus NRW sowie „Red Army – Legenden auf dem Eis“ und „1971“ aus der internationalen Doku-Reihe des Filmfestes jedem wärmstens ans Herz legen. Die Doku „Die Böhms – Architektur einer Familie“ blickt hinter die Kulissen der Architekten-Dynastie Böhm. Szene_BoehmsGottfried Böhm gilt als einer der wichtigsten Architekten Deutschlands. Der Pritzker-Preisträger hat sein Handwerk beim Vater gelernt. Auch seine Söhne, Stephan, Peter und Paul, sind Architekten geworden. Inzwischen 94 Jahre alt, arbeitet Gottfried noch täglich an Bauprojekten mit. Als Elisabeth, ebenfalls Architektin, Ehefrau, Mutter und wichtigste Inspiration stirbt, wird die Familie ihres emotionalen Mittelpunkts beraubt. Gottfried Böhm begibt sich auf eine Reise zu den wesentlichen Stationen und Bauten seines Lebens. „Die Böhms“ ist mehr als ein faszinierende Baukunst-Doku, es ist vielmehr ein Familienportrait über die Komplexität und Untrennbarkeit von Leben, Liebe, Glaube und Kunst. (Text: StrangerThanFiction Dokumentarfilmfest 2015). Termine zu den Vorstellungen findest Du hier.

Unsere zweite Empfehlung ist die herausragende Sportdoku „Red Army – Legenden auf dem Eis„. Der Filmemacher und Eishockeyfan Gabe Polsky erzählt und schwärmt über die Red Army.

Bild (c) Weltkino Filmverleih.

Bild (c) Weltkino Filmverleih.

Das Eishockey-Team der Sowjetunion, war seinerzeit eins der Besten der Welt. Von Jung auf diszipliniert und ausgezeichnet durch eine Spielweise, bei der Teamwork und das „Funktionieren im Kollektiv“ im Mittelpunkt standen, galt es mitten im kalten Krieg als Beweis für die Überlegenheit des sowjetischen Systems. Als Teil der Propaganda war es die einzige Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slava Fetisov, der Kapitän der Red Army, war einer der ersten, die nach der Auflösung der UdSSR von Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf Wohlstand und Freiheit in die USA geholt wurden – weshalb sie in der Heimat zu politischen Feinden deklariert wurden. Doch die Spielweise der sowjetischen Athleten funktionierte im amerikanischen System der Stars und Individualisten nicht, weshalb die meisten die Rehabilitation in der alten Heimat suchten, die sich inzwischen sehr verändert hat. Spannend, informativ und packend wie eine Sport-Doku nur sein kann. Produziert von Jerry Weintraub und Werner Herzog. Vorführungstermine hier.

Ebenfalls sehr sehenswert ist die Doku „1971“ von Johanna Hamilton. Die Amerikanerin berichtet aus einer Zeit, in der das Wort „files“ noch Akten aus Papier bezeichnete, nicht Konglomerate aus Nullen und Einsen. Szene_1971Wie der Titel schon sagt, von 1971 also, lange vor Wiki-Leaks und NSA. In diesem Jahr brach eine Gruppe politisch engagierter US-Bürger in das FBI-Büro in Media, Pennsylvania, ein und räumte die Büroschränke aus. Ans Licht des Tages kam unter anderem ein ebenso streng geheimes wie schwer illegales, ziviles Überwachungsprogramm namens «Cointelpro», dessen Implikationen nicht nur den Vorsitzenden des alsbald einberufenen Untersuchungsausschusses konsternierte. Originalmaterial, Reenactments und aktuelle Interviews mit Beteiligten rekapitulieren eine historische Episode, die einen verstopften J. Edgar Hoover rasend machte. Vorführungstermine findest Du hier.

Also, rein in einen der tollen, sehenswerten Dokus, Du wirst es nicht bereuen!

 




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