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Die in 2017 Oscar(R) Nominierten Kurzfilme – Oscar Shorts Animation

Wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Februar (in 2017 in der Nacht von Sonntag auf Montag des 27.) werden die Oscars(R), also die Preise für die besten Filme der US-Filmakademie, der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, verliehen. Während es bei den Spielfilmen mit „La La Land“ im 89. Jahrgang einen klaren Favoriten (14 Nominierungen) gibt, sieht das bei den Kurzfilmen etwas anders aus. In einem zweistufigen Auswahlverfahren konnten sich aus 137 Kurzfilmen am Ende jeweils fünf Filme in den Katergorien „Live Action„, „Animation“ und „Documentary“ durchsetzen, von denen wir euch zehn („Live Action“ und „Animation“) vorstellen möchten. Einschließlich unserer Favoriten. Denn wir haben uns alle zehn Kurzfilme anschauen dürfen.

 

Animation – Shorts

 

Piper – USA 2016 – 6 Minuten

Piper ist ein junger Strandläufer der Sorte „zu spät dran, zu ängstlich, zu sehr Mama-fixiert“. Als ihn seine Vogelmutter aus dem behüteten Nest schupst und ihm das Muschelsuchen vormacht, muss Piper alleine losstiefeln. Im nassen Sand tapst er an die Wasserlinie und kann sich zunächst nur schwer zwischen seinen Artgenossen behaupten. Zudem versteht der kleine Vogel viel zu spät, warum die erwachsenen Strandläufer ihre Mahlzeit unterbrechen, um vor dem in Wellen heranrollenden Wasser davonzulaufen. So wird er von einer Welle erfasst und muss – mithilfe anderer Strandbewohner – lernen, seine Furcht vor dem Ozean zu überwinden.

Für sein Debüt hat sich Alan Barillaro ausgerechnet eine Geschichte ausgesucht, die nicht neu ist. Wer noch die Anfangsszene von Ben Stassens „Sammys Abenteuer“ (2010) im Kopf hat, sollte diesem handwerklich ausgezeichneten Produkt ein „Moment mal!“ entgegenrufen … Pixar und seinem Meister-Animation-Designer Barillaro („Findet Nemo“, „Findet Dorie“) ist das aber schei..nbar egal, das Disney-Studio zieht hier jedenfalls alle Register. Der Oscar wohl ein „sicheres Ding“.

Oscar(R)-Chancen? Mit der Wucht und der Erfahrung von Disney-Pixar im Rücken ein klares: Ja!

 

Pearl – USA 2016 – 6 Minuten

Vater und Tochter begeben sich in ihrem Auto gemeinsam auf die Reise. Immer wieder. Zu verschiedenen Anlässen. Über die Jahre hinaus. Stets hat der Vater eine Gitarre zur Hand, um zusammen mit seiner Tochter einen Song anzustimmen. Während der Mann versucht, sowohl seine Rolle als Elternteil als auch als sich durchschlagender Musiker auszufüllen, wird seine Tochter immer erwachsener, entdeckt ihre eigene musikalische Berufung und lernt, was sie im Leben zum Glücklichsein braucht. Freunde. Und natürlich ihren Vater, der den Erfolg seiner Tochter zusammen mit ihrer Band auch im Alter noch teilt.

Nach seinem Oscar(R)-prämierten Trickfilm „Feast“ („Liebe geht durch den Magen“) bedient sich Patrick Osborne erneut des skizzenartigen „Meander“-Programms, das es ihm erlaubt, auf einer CG-Oberfläche zu zeichnen. Auch „Pearl“ sieht deshalb weitaus „handwerklicher“ aus mit seiner statischen Kamera und seinen 360 Grad-Schwenks als beispielsweise das Hochglanz-CGI-Produkt „Piper“ aus dem Hause Pixar. Weil seine schöne Vater-Tochter-Geschichte weitaus weniger haften bleibt als die Kurzgeschichten der Konkurrenz wird es für Osborne diesmal nicht reichen.

Oscar(R)-Chancen? Seinen zweiten Oscar(R) nach „Feast“ wird Patrick Osborne diesmal nicht gewinnen: Eher kaum.

 

Blind Vaysha – Canada 2016 – 8 Minuten

Vaysha kommt mit einer außergwöhnlichne Gabe auf die Welt: Mit ihrem rechten Auge kann sie nur in die Zukunft sehen und mit ihrem linken Auge nur in die Vergangenheit. Während sie das Vergangene als beruhigend empfindet, jagt ihr das noch Kommende Angst ein. Dabei fällt es dem jungen Mädchen schwer, die zwei Realitäten in Einklang miteinander zu bringen. Auch so genannte „Heilerinnen“ können bei ihr wenig ausrichten. Weil aber die Gegenwart für sie ein blinder Fleck ist, potentielle Partner beispielsweise nur als Junge oder als Greis vor ihrem Auge erscheinen, wird sie von den Dorfbewohnern nur „Blind Vaysha“ gerufen.

Theodore Ushevs kanadischer Kurzfilm, entstanden im so genannten „lincut-Stil“, also auf sehr holzschnitt-artiger Vorlage, darüber Radierungen, überzeugt durch seine sehr mysthische Geschichte. Durch die feinfühlige Erzählerinnen-Stimme wird man in das Schicksal von Vaysha beinahe „hineingezogen“.

Oscar(R)-Chancen? Mit einer Auszeichnung dieses handwerklich außergewöhnlichen Filmes würde die Academy Mut beweisen. Doch rückblickend auf vergangene Preisträgerinnen und Preisträger ist diese Eigenschaft nicht gerade typisch. Also eher nein!

 

Borrowed Time – USA 2016 – 7 Minuten

Ein Sherrif kommt an den Ort zurück, wo er einst seinen Vater sterben sah. Rückblickend wird das Ereignis, das mehr eine Verkettung unglücklicher Umstände war, noch einmal nacherzählt. Während die Erinnerungen an das Ereignis ihn wieder einholen, kämpft er mit sich selbst. Am Ende muss er sich entscheiden, ob er die Kraft aufbringt, seine tiefsitzende Trauer zu überwinden oder ob er aufgibt.

Eine Vater-Sohn-Geschichte, Verantwortung, Selbstreflexion, Loslassen, Spannung, Action, und das vor großartigen Bildern … und das alles in einem nur sieben Minuten kurzen Animationsfilm, mehr kann ein Trickfilm kaum leisten, meisterhaft!

Oscar(R)-Chancen? Mit seiner ur-amerikanischen Geschichte und seinen großen Gefühlen ist „Borrowed Time“ von Andrews Coats und Lou Hamou-Ladj ein ganz heißer Oscar-Tipp, also: Ja!

 

Pear Cider and Cigarettes – Canada / GB 2016 – 35 Minuten

Der Ich-Erzähler Robert führt eine On/Off-Freundschaft zu einem selbstzerstörerischen, charismatischen Schulkameraden aus Kindertagen. Als ihn „Techno“, so sein Name, aus einem Militär-Hospital in China anruft, macht sich Robert auf den Weg, um seinem Freund bei einer schwierigen Transplantation zur Seite zu stehen und um ihn anschließend nach Vancouver, in seine Heimat, zurück zu holen. Rückblickend werden Stationen der Freundschaft nacherzählt.

Mit einer großen Portion Ehrfurcht berichtet der Kanadier Robert Valley von seiner Freundschaft zu einem alten Schulfreund, die tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Für sein sehr musiklastiges Kickstarter-Projekt hat Valley knapp 65.000 US-Dollar gesammelt und allein 18 Songs in 35 Minuten unterbringen können, inklusive Original Kompositionen von Robert Trujillo (Metallica) und Dave Nunez (Anitek).

Die Geschichte, die auf einer von Robert Valley selbst gezeichneten Graphic Novel basiert, fällt gegenüber seinen (Oscar-)Konkurrenten deutlich ab, weil der Trickfilm weder einen Spannungsbogen noch eine ungewöhnliche Tricktechnik vorweisen kann. Einzig und allein die „Coolness“, die Musik sowie die Art der Entstehung des Projektes können auf der „Haben-Seite“ verbucht werden.

Oscar(R)-Chancen? Kaum.

 

 

Und wer ist der Favorit bei den Live Action Kurzfilmen? Unser Übersicht, hier…

Und hier noch einmal alle nominierten Kurzfilme im Schnelldurchlauf…

 

 

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