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Die 2017 Oscar(R) Nominierten Kurzfilme – Oscar Shorts Live Action

Szene aus „Timecode“, Spanien.

Wie jedes Jahr am letzten Sonntag im Februar (in 2017 in der Nacht von Sonntag auf Montag des 27.) werden die Oscars (R), also die Preise für die besten Filme der US-Filmakademie, der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, verliehen. Während es bei den Spielfilmen mit „La La Land“ im 89. Jahrgang einen klaren Favoriten (14 Nominierungen) gibt, sieht das bei den Kurzfilmen etwas anders aus.

In einem zweistufigen Auswahlverfahren konnten sich aus 137 Kurzfilmen am Ende jeweils fünf Filme in den Katergorien „Live Action„, „Animation“ und „Documentary“ durchsetzen, von denen wir euch zehn („Live Action“ und „Animation“) vorstellen möchten. Einschließlich unserer Favoriten. Denn wir haben uns alle zehn Kurzfilme anschauen dürfen.

 

Live Action – Shorts

 

Ennemis intérieurs – Frankreich 2016 – 28 Minuten

Ein Lehrer mittleren Alters, geboren in Algerien, aufgewachsen in Frankreich, möchte nach vielen Jahren in „seinem Land“ eingebürgert werden und muss auf seinen Antrag hin die örtliche Polizeistation aufsuchen. Weil die Handlung in den 90ern angesiedelt ist und Frankreich zu diesem Zeitpunkt von zahlreichen Bombenanschlägen heimgesucht wird, trifft der Lehrer auf einen strengen Polizeiinspektor, der ihn mit unzähligen privaten Fragen bombardiert.

In dem atmosphärisch dicht inszenierten Kammerspiel von Selim Azzazi treffen nicht nur zwei Menschen unterschiedlichen Alters aufeinander sondern auch zwei Protagonisten mit unterschiedlichen (Lebens-)Einstellungen sowie gesellschaftspolitischen Auffassungen. Weil die Voraussetzung, dass der eine sein Ziel nur erreichen kann, wenn es der andere zulässt (Einbürgerung), und die politischen Hintergründe nur für Kenner in Gänze durchschaubar sind, bleibt der Kurzfilm hinter ähnlichen, spannenden Rededuellen („Frost/Nixon“, „Das Interview“) zurück.

Oscar(R)-Chancen? Eher gering.

 

La Femme et le TGV – Schweiz 2016 – 30 Minuten

Eine alleinlebende Witwe, die in ihrem kleinen Häuschen an einer Hochgeschwindigkeits-trasse wohnt, winkt zwei Mal am Tag dem vorbeifahrenden TGV-Zug zu. Mit ihrer kleinen schweizer Nationalflagge in der Hand. Eine alte Gewohnheit, die sie seit 30 Jahren beibehalten hat, seitdem der Sohn aus dem Haus und ihr Mann unter der Erde ist.

Als Elise (Jane Birkin (!)), wie jeden Tag, aus der Stadt zurückkehrt, findet sie im Garten ein Päckchen mit einem Brief und einem Stück Käse darin. Das Päckchen stammt vom Zugführer des TGV, der sich jeden Tag auf die nette Begrüßung freut und Elise seinen Dank dafür übermitteln möchte. Elise ist hoch erfreut ob der schönen Worte und schreibt ihrem Unbekannten zurück.

Timo von Gunten inszeniert die sommerleichte Liebesromanze, die auf einer wahren Begebenheit beruht, als typisch französisches, dialoglastiges Wohlfühl-„Schmankerl“ mit einigen (unnötigen) Slapstick-Elementen und Randgeschichten. Im Kern überzeugt der Kurzfilm jedoch allein durch seine herzergreifende Geschichte und das famose Schauspiel von Jane Birkin als leicht schrullige Winke-Winke-Witwe.

Oscar(R)-Chancen? Weiße Männer über 60 werden den Film lieben: hoch

 

Mindenki – Sing – Ungarn 2016 – 28 Minuten

Ungarn in den 90ern. Zsofi ist mit ihrer Mutter in die Großstadt (Budapest) gezogen. Vor allem in ihrer neuen Schule muss sie sich erst noch zurechtfinden. Der Umstand, dass die Grundschule für seinen ausgezeichneten Chor bekannt ist, gibt Zsofi jedoch Trost und Hoffnung. Auch sie singt gerne und findet in ihrer selbstbewußten Mitschülerin Liza schnell eine Freundin, die ihre Leidenschaft mit ihr teilt.

Schon am ersten Tag der Chorprobe wird Zsofi mitgeteilt, dass ihre hübsche Gesangslehrerin Fräulein Erika ihr Talent ganz anders einschätzt als sie selbst. Als sie darüber und über den „Befehl“, fortan nicht mehr mitsingen zu können und wie viele andere im Chor stumm ihren Mund zu den Tönen bewegen zu müssen, sehr traurig wird, überlegen Zsofi und Lisa, wie sie ihren stummen Sängerinnen und Sängern, von denen es mehrere zu geben scheint, helfen können.

Mit „Mindenki“ ist Kristof Deák eine schöne Metapher zu den Themen „Mundtot machen“, politische Restriktion sowie kreative Opposition gelungen. Deák setzt dabei auf die gewinnbringende Kombination von (Chor-)Musik und Gefühl, die bereits bei Filmen wie „Wie im Himmel“ oder „Wie auf Erden“ mitten in die Herzen der Zuschauer zielte.

Oscar(R)-Chancen? Die Kombination „blondes Mädchen und Chormusik“ wird gegen die starke Konkurrenz keine Chance haben. Nein.

 

Timecode – Spanien 2016 – 15 Minuten

Luna kommt jeden Morgen pünktlich an ihren Arbeitsplatz in ein Parkhaus. Sie ist acht Stunden für die Überwachung der Monitore zuständig. Als Luna von ihrem Chef aufgefordert wird, einem kleineren Unfall aus der Nacht nachzugehen, entdeckt sie die Tanzleidenschaft ihres wortkargen Kollegen Diego, den sie jeden Morgen ablöst. Um ihre Hochachtung gegenüber ihrem Kollegen auszudrücken, denkt sie sich etwas ganz Spezielles aus.

In der (kreativen) Kürze liegt die Würze. In nur 15 Minuten entflammt Juanjo Giménez eine bezaubernde Romanze, die bereits in Cannes für Furore sorgte und mit der Goldene Palme ausgezeichnet wurde. Mein Favorit.

Oscar(R)-Chancen? Sollten die knapp 7.000 Mitglieder der Academy nicht auf eine schrullige Jane Birkin hereinfallen, muss der Oscar 2017 im Bereich „Live Action Shorts“ nach Spanien gehen.

 

Silent Nights – Dänemark 2016 – 30 Minuten

Die junge Dänin Inger (Malene Beltoft Olsen) arbeitet ehrenamtlich in einer Flüchtlingsunterkunft in Kopenhagen und genießt die tägliche Abwechslung vom harten Singelalltag mit ihrer alkoholkranken Mutter. Als sie den Flüchtling Kwame kennenlernt, der seine Heimat Ghana verließ, um Geld für seine Familie zu verdienen, verdichten sich ihre Gefühle zu einer Romanze, die auf Gegenseitigkeit beruht. Da Kwame aber zahlreiche Geheimnisse in sich trägt, wird die Beziehung immer wieder auf eine harte Zerreißprobe gestellt.

Der Kurzfilm der dänischen Schauspielerin und Regisseurin Aske Bang setzt ganz auf das aktuelle Thema Flüchtlingskrise und Gutmenschentum. Ob ihre doch etwas naive künstlerische Sichtweise dazu einen positiven Beitrag innerhalb der aufgeheizten Problematik leistet, muss bezweifelt werden. 

Oscar(R)-Chancen? Die Academy wird die Entscheidung, der Flüchtlingskrise mit einer Auszeichnung zu diesem Film einen Stempel aufzudrücken, nicht treffen wollen. Deshalb: Nein!

 

Und wer ist der Favorit bei den Animationsfilmen? Die Übersicht, hier…

 

Hier noch einmal alle Filme im Schnelldurchlauf:

 

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