INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Das „Fast and Furious“-Franchise am „Car-Freitag“

Paul Walker und Vin Diesel in "The Fast and the Furious"

Bild: Paul Walker und Vin Diesel in „The Fast and the Furious“

Der weltweite Kinostart des nunmehr siebten und vermutlich letzten Teils der sehr erfolgreichen „Fast and Furious“-Reihe am 2. April 2015 fiel ausgerechnet auf das Osterwochenende – und somit auch auf den katholischen Feiertag „Karfreitag“. Zahlreiche Kinobetreiber nahmen diesen Starttermin zum Anlass, alle sieben Teile des Franchises noch einmal auf der großen Leinwand zu zeigen. Sie nannten das Event den „Fast and Furious Marathon am Car-Freitag“. Grund genug für uns, sich noch einmal alle Teile des Franchises anzusehen. Denn jeder Film hat seinen eigenen Reiz. Oder auch nicht.

Rückblende. Wer hätte bei Universal Pictures gedacht, dass eine Geschichte über eine Bande junger Autonarren aus L.A. so erfolgreich wird? Noch vor dem siebten Teil der Reihe hat das Universal-Franchise weltweit insgesamt knapp vier Milliarden (!) US-Dollar eingespielt. Dabei war der erste Teil der Reihe mit Namen „The Fast and the Furious“ aus dem Jahr 2001 bei der Kritik durchgefallen. Nur die (überwiegend männlichen) Kinogänger liebten den wilden Mix aus Motorengebrüll, Verfolgungsjagden und simpler Story mit knapp bekleidetem optischen „Beiwerk“. Mit einem Budget von 38 Mio. US-Dollar spielte der Film weltweit über 200 Mio. US-Dollar ein. Ein dreiköpfiges Autorenteam hatte aus einem Zeitschriften-Artikel („Racer X“) eine simple Story gestrickt, mit der man versuchte, an die Tradition der Hochgeschwindigkeits-Actionfilme („Speed“ und Co.) aus den 90er Jahren anzuknüpfen und sie zu modernisieren. Für den ersten Auftritt der ungleichen Autoverrückten Dominic Toretto (Vin Diesel) und Brian O´Connor (Paul Walker) wurde jeglicher moralische Anspruch als überflüssiger Ballast abgelehnt und somit von vorneherein negiert.

Dementsprechend war der Anti-Held am Ende kein weiterer gebrochener Charakter, der im Autorennen versucht, seinen Kummer zu ersticken und sein seelisches Leid zu kompensieren, sondern im Grunde tatsächlich der rücksichtslose Verbrecher, dessen moralische Skrupel eher egozentrischer denn tatsächlich ethischer Natur sind. Die fehlende (Pseudo)tiefe innerhalb der oberflächlichen Kunstwelt des Actionfilms hätte ihn noch Jahre zuvor als Held disqualifiziert. Die Drehbuchautoren David Scott Thompson, David Ayer und Co. jedoch entdeckten, dass die Faszination im Unmoralischen und in der scheinbaren Unmöglichkeit lagen, im Action-Kino zu Beginn der „Nuller-Jahre“ einen Helden und seinen Antagonisten innerhalb der limitierten Möglichkeiten ihrer jeweiligen Rollen glaubwürdig zu positionieren.

Zeitsprung. Illegale Autorennen haben fünfzehn Jahre später längst ihren Heldenstatus verloren. PS-starke Autos gelten als Anachronismus. Doch die Fast-and-Furious – mittlerweile nur noch kurz FF – Reihe genannt, wurde immer erfolgreicher. Mit dem plötzlichen Unfalltod des US-amerikanischen Darstellers Paul Walker mitten in den Dreharbeiten zum siebten Film (Walker hat seit dem ersten Teil der Reihe in jedem Film mitgespielt) bekam das „Fast and Furious“-Faszinosum eine tragische Dimension. Die Dreharbeiten zum siebten Teil wurden mehrere Monate unterbrochen, das Drehbuch umgeschrieben und die Verantwortlichen trafen die Entscheidung, in einigen Szenen mit dem verstorbenen Darsteller die ihm sehr ähnlichen sehenden Brüder sowie CGI-Technik für ihn als Doubles einzusetzen.

Damit wuchs das Budget des siebten Teils auf über 250 Mio. US-Dollar an. Eine Zahl, die bei jeglichen Verantwortlichen kaum schlaflose Nächte verursacht, denn der Vorgänger, „Fast and Furious 6“, hatte weltweit knapp 800 Mio US-Dollar eingespielt.

Unsere Kritik zu … „The Fast and the Furious“ (2001), „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ (2006), „Fast and Furious: Neues Modell. Originalteile“ (2009),  „Fast and Furious Five“ (2011), „Fast and Furious 6“ (2013) … and „Fast & Furious 7

 




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