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Das 21. Internationale Filmfest Oldenburg – Tag 3

Filmfest_OL_2014_DonutWas ich auch am Filmevent von Torsten Neumann schätze ist die entspannte Atmosphäre unter den Mitarbeitern und Gästen in Oldenburg. Ob das an der schönen Stadt und/oder der guten Luft liegt? Oder vielleicht auch daran, dass viele Gäste aus den Vorjahren immer wieder gerne nach Oldenburg zurückkommen? Who know´s? Ein schönes Gesicht, das man in den letzten Jahren öfter auf dem Filmfest und an der Seite des Festivalleiters gesehen hat, ist das von Deborah Kara Unger.

Die gebürtige Kanadierin hatte vor einigen Jahren einen Film in Oldenburg vorgestellt. Und natürlich als Hollywood-Star auch einen Stern auf dem „Walk of Fame“ bekommen. Allem Anschein nach muss sie sich sehr in Land und Leute verliebt haben.

Deborah Kara Unger

Deborah Kara Unger

Denn nachdem die Schauspielerin in 2010 den Vorsitz der internationalen Jury und die „Hauptrolle“ in einem sehenswerten Festivaltrailer unter der Regie von Torsten Neumann (siehe Video unten) übernommen hatte, stand sie vier Jahre später an diesem dritten Festivaltag vor mir und vor dem überraschten Publikum im kuscheligen Cine k der Kulturetage, und freute sich, ein Spielfilmdebüt vorstellen zu können, das ihr augenscheinlich sehr am Herzen lag.

Es ging um „Hany„, der im Vorfeld für reichlich Furore (u.a. Karlovy Vary International Filmfestival) gesorgt hatte. „Hany“ lief in Oldenburg in der „Independent Reihe“. Das Regiedebüt eines jungen Tschechen, der das Nachtleben junger Städter, der „Young Urbans“ im heutigen Prag vorstellt. Intoniert wird diese eine Nacht von einem jungen Nachwuchs-Literaten namens Egon, der den Gästen einer hippen Weinbar gern sein neues Theaterstück präsentieren möchte. Szene_HanyDoch genauso wie die Kamera von Martin Ziaran zeigen auch die Gäste der Weinbar nur wenig Interesse am seltsamen Vogel mit seinem zerfledderten Schreibblock. In einer einzigen, atemberaubenden Einstellung folgt die rastlose Kamera einigen Gästen und Gesten, lauscht einigen Gesprächen, ein Kommen und Gehen, bis sie schließlich nach draussen – noch immer in der ersten Einstellung – auf die Straße und dort zur Ruhe kommt. Puh! Einige wenige Festivalbesucher verließen den Saal. Aber die, die sitzen geblieben sind, sahen ein kleines Meisterwerk von einem Film, der seine sprachlosen Zuschauer erst nach einer drogenberauschten Partynacht in der Morgendämmerung nach Hause entlässt. Was für ein Start.

Weiter ging´s mit einer Doku, die ich nach einem kurzen Gespräch mit dem sympathischen Tschechen Michal Samir (Regisseur von „Hany“) fast verpasst hätte: „Life Itself„. Life Itself? Ja. Filmkenner- und -kritiker könnten bei dem Titel kurz ins Grübeln kommen – Genau. Life Itself ist auch der Titel der Autobiographie – vom ohne Zweifel berühmtesten Filmkritiker der Welt – von Roger Ebert. Dokumentarist Steve James begleitete den langjährigen Chicago Suntimes Redakteur und Fernsehstar („Siskel & Ebert at the Movies“) während seiner zahlreichen Krankenhaus-Aufenthalte und interviewte den nicht mehr sprechfähigen Filmkenner am Krankenbett und während seiner zahlreichen Anwendungen. Die Antworten auf die vielen Fragen tippte Roger Ebert stets in sein Laptop oder lies sie vorlesen.

life-itself-posterJames´ Dokumentation ist jedoch alles andere als ein zweistündiger Dialog. Vielmehr verwandelte der amerikanische Dokumentarfilmer einige Kapitel aus der gleichnamigen Autobiographie von Roger Ebert in Bewegtbilder (mit Off-Kommentar) und füllte diese mit zahlreichen Interviews unzähliger Ebert-Bewunderer an. So kommen Weggefährten wie Martin Scorsese, Werner Herzog oder Errol Morris zu Wort, die ganz unterschiedliche Erfahrungen und Begegnungen mit dem eloquenten Enthusiasten gemacht hatten. Leider verstarb Ebert viel zu früh, im April 2013. Seine Bücher, seine Leidenschaft als auch diese berührende Dokumentation werden den streitbaren Filmkenner und Zeitungsredakteur sicherlich noch viele Jahrzehnte überdauern.

Von Prag über Chicago ging es weiter nach Hamburg zu einem neuen Fall von Tatort-Komissar Falke (Wotan Wilke Möhring). Mit der Weltpremiere von „Frohe Ostern, Falke“ (lief in Oldenburg in der „Internationalen Reihe“ (!)), der am Ostersonntag 2015 in der ARD ausgestrahlt wird, stellte sich Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller nach der zweiten Vorführung den wenigen Fragen aus dem Publikum. „Ob tatsächlich so viele Polizisten eines Sondereinsatz-Kommandos Nachtsichtgeräte tragen„, wollte beispielsweise ein Besucher wissen. Szene_Frohe_OsternDiese und viele vergleichbar intelligente Fragen quittierte der selbstbewusste Regisseur nur mit einem kurzen Lächeln. Aber was soll ein Publikum auch schon fragen nach einer platten, misslungenen 90-minütigen Reminiszenz an das Action-Blockbuster-Kino der späten 80er und frühen 90er Jahre. In einem Geisel-Thriller, der katzenhaft („Die Katze“, 1988) und „Die hard“ („Stirb langsam“) sein will, mit seinen zahlreichen Plot- und Logiklöchern aber eher hasen- statt katzenhaft und mehr „get mad“ statt „Die hard“ daherkommt. Mein Ostersonntag wäre damit anderweitig verplant.

Und somit weiter an diesem Samstagabend zu einer weitaus unterhaltsameren Darbietungen. Wie zum Beispiel zur herausragende Komödie „The Return of Captain Invincible„, die Festivalleiter Torsten Neumann zusammen mit Regisseur Philippe Mora persönlich vorstellte. Szene_The_Return_InvinciMit Torsten Neumanns Worten „dieser Film gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen“ wurde die Erwartungshaltung im (Fach-)Publikum auf den 1983 entstandenen Film ins Unermessliche gesteigert. Zudem hatte ich noch die Worte meines Freundes Sascha im Ohr („unbedingt viele Filme aus der Retro schauen„). Worte, die zusammen mit dem Film die siebte und achte Kinostunde an diesem Tag zu einem wahren Vergnügen machten.

Die Handlung von „The Return von Captain Invincible“ nacherzählen zu wollen, kommt in etwas dem Vorhaben gleich, sich einen Mix aus den frühen Superman-Filmen, angereichert mit Szenen aus der „Rocky Horror Picture Show“ und Kubricks „Dr. Seltsam oder wie ich lernte …“ vorstellen zu müssen. Beides lasse ich an dieser Stelle. Nur soviel zu diesem kleinen Meisterwerk noch: Ausleihen – oder am besten sofort kaufen, „The Return of Captain Invincible“ gehört in jede gute Filmsammlung.

Nach einem sehr unterhaltsamen Gespräch mit dem sehr sympathischen Filmemacher Philippe Mora verließen mich meine Kräfte in der frühen Nacht. Keine Party mehr, keine Filme mehr, mit Sonntag wartet ein neuer (Festival-)Tag.

Meinen Bericht von Tag 1 | Tag 2 in Oldenburg.

Deborah Kara Unger in Oldenburg 2011

Torsten Neumann über die Probleme in 2011 und der Trailer mit Deborah Kara Unger



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