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Das 21. Internationale Filmfest Oldenburg – Tag 1

Filmfest_OL_2014_DonutDen Eröffnungsfilm „Von jetzt an kein Zurück“ von Christian Frosch am Mittwochabend habe ich verpasst. Nicht ganz unfreiwillig. Eröffnungs-Brimborien mit Cast-Auftritten inklusive anschließender Party sind nicht so mein Ding. Zumindest nicht im Moment. Dafür begann das 21. Filmfest in Oldenburg, mein fünfter Besuch in Niedersachsen, für mich erst am Donnerstag. Kein Drama, kein Thriller, „unterhaltsame Kost“ sollte den Einstieg erleichtern. Dazu fiel die Wahl auf ein australisches Werk namens „Charlies Country„, ein zähes Abenteuer-Drama (!) über einen älteren, entwurzelten aber stolzen Aborigine. Auch wenn der filmische Ausflug zum fünften Kontinent ein katapultartiges Ablenkungsmanöver vom westlichen Nine-to-Five-Alltag war, packte mich die in ruhigen Einstellungen erzählte Geschichte des Aborigine Charlie, der aus seinem Reservat nahe Darwin in Nord-Australien ausbricht, um das Leben seiner Vorfahren zu leben, nicht. Szene_Charlies_CObwohl Hauptdarsteller David Gulpilil für seine überzeugende Leistung in diesem Jahr in Cannes den Darstellerpreis der Sektion „Un Certain Regard“ bekommen hatte. Vielleicht lag es an der aufdringlichen Close-Up-Kamera von Regisseur Rolf de Heer? Egal, weiter ging´s, die Geschichte von Frédi, dessen starken Hände heilende Kräfte besitzen, im Film „One of a Kind„, hinterließ einen weitaus nachhaltigeren Eindruck.

Das rundherum großartig (und mit Jean-Pierre Darroussin („Mathilde“, „Le Havre„) auch bekannt) besetzte französische Drama feierte seine Deutschlandpremiere in Oldenburg. One_of_a_kindFrancois Duperyon adaptierte seinen eigenen Roman für die Geschichte von Frédi. Die heilende Gabe des Gelegenheitsarbeiters scheint ihm selbst kein Glück zu bringen. So verbringt er den Tag am liebsten mit kleinen Fluchten aus der Tristesse der Wohnwagensiedlung, die er allerdings immer mal wieder sein „glückliches Zuhause“ nennt. Für seinen Vater und seine Teenager-Tochter ist klar, es muss etwas passieren. Doch diese Tatsache „verbessert“ Frédi selbst, als er bei einem Motorradsturz einen kleinen Jungen ins Koma schickt und wenig später seine Kräfte um jeden Preis anwenden will. Auch wenn die Schwerpunkte zwischen Vater-Sohn-Drama, Romanze und Selbstverwirklichung nicht immer perfekt ausbalanciert sind, hat mir Francois Duperyons Film von 2013 sehr gut gefallen.

Was sollte da noch kommen? Natürlich ein Film aus der „Midnight Xpress“-Schiene – huhuuu. Am späten Abend stellten ein charmant aufgeregter Regisseur Andres Torres mitsamt Hauptdarsteller Jon Wächter das Spielfilmdebüt „Bag Boy, Lover Boy“ als Internationale Premiere in Oldenburg vor. Bag_BoyThere is so much love in this movie“ stellte Torres seinem Werk vorweg, „I hope you love it as much…“. Undergroundkino, wie es im Programmheft heißt, trifft es auf den Punkt. Jon Wächter verkörpert Albert, einen „Bag Boy“, leicht verschroben, tappsiger Gang, ständig geöffneter Mund, der die meiste Zeit in seinem geliebten Hot-Dog-Stand in New York verbringt. Als ein windiger Photograph den leicht zurückgebliebenen Sonderling für seine „etwas anderen“ Photos als Model gewinnen will, kann er nicht ahnen, welche „Talente“ sonst noch in Albert stecken. Nur soviel, der Body-Count-Index nimmt im Laufe dieser aberwitzigen Mischung aus 70er Jahre Serial-Killer-Horror und Forrest Gump unerwartete Ausmaße an. Wohl nur etwas für Fans des wirklich „anderen Films“.

Gegen 23 Uhr endete Tag 1, bleiben ein paar Stunden Schlaf bis zum ersten Film am zweiten Festivaltag. An diesem freue ich mich besonders auf einige Werke von Philippe Morat, einem australischen Filmemacher, der in Oldenburg mit einer Retrospektive geehrt wird – und das völlig zu Recht, wie mir ein guter Freund versicherte. Ich bin gespannt und freue mich auf die kommenden Tage.

Meinen Bericht von Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 in Oldenburg.



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