INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Anmerkungen zu den Unterschieden bei Blockbuster-Filmkritiken – Unterschiedliche Filmkritiken am Beispiel Fluch der Karibik 2

von Christian Gertz

Die deutsche Filmkritik hat ein Problem. Ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das müsste dem filmbegeisterten Kinobesucher
sofort auffallen, wenn er/sie sich einmal die Mühe machen würde, die Filmkritiken von großen Blockbustern im Online-
und im Printbereich zu vergleichen. Die Online-Magazine sind früher am Ball, sprich am Film. Nur wer die ersten Infos hat,
führt das Feld an. Nicht der, der die best formulierten Infos hat. Bei den mittlerweile unzähligen Online-Magazinen
werden die ersten Eindrücke sofort nach einer Preview oder Pressevorführung "hochgeladen" oder online gestellt.
Im Printbereich kann man hier allein aus technischer Sicht schon nicht mithalten. Hier wird die Filmkritik erst kurz vor oder am Tag des Filmstarts veröffentlicht.
Auch auf dem eigenen Online-Auftritt. Doch was fällt auf?

Das "Fluch der Karibik"-Sequel ist ein schönes Beispiel. Trifft sich die versammelte Filmjournalistenschar
nach der Pressevorführung im Kinofoyer, werden Meinungen ausgetauscht. Das Interesse, ob "man" richtig liegt,
ist groß. Das soll angeblich bei vielen Produktpräsentationen so sein. Beim zweiten Teil von Fluch der Karibik
waren die Meinungen nach einer über zweieinhalbstündigen Achterbahnfahrt fast unisono positiv bis begeistert.
Vor allem die weiblichen Journalistinnen zeigten sich sehr angetan von Johnny Depps One-Man-Show.
Der in Frankreich lebende US-Schauspieler hatte schon den ersten Teil der Piratensaga zum Erfolg geführt.
Die Print-Journalisten haben nun Zeit nachzudenken und das Gesehene noch einmal zu verarbeiten.
Erst dann wird in den meisten Fällen, wenn es um einen vermeintlichen Blockbuster geht gemäkelt und
kritisiert, gegängelt und gegeißelt. Beispiele gibt es viele, von Alex Proyas "I, Robot" über Sam Raimis
"Spider-Man" bis Spielbergs "Krieg der Welten". Allesamt Erfolge an den Kinokassen mit zum Teil
begeisternden Online-Kritiken und herben Verrissen in den Printmedien.




Wie kann das passieren? Gibt es eine geheime Absprache? Gilt man nur als glaubwürdig, wenn der
Redakteur einen Publikumsfilm verreißt? Ist großes Hollywood-Kino in den überregionalen Feuilletons verpönt?
Wir von mehrfilm.de möchten uns von diesem Trend distanzieren. Wir werden nicht aus Glaubwürdigkeits- oder
politischen Gründen einen Film "kaputt schreiben" oder umgekehrt einen Film in die Höhe lobhudeln, den
kein anderer gesehen haben kann. Reputation hin oder her. Unsere Filmkritiker, die alle im Printbereich
beschäftigt sind, stehen für und hinter ihrer Meinung. Das sollte bei Verrissen und Lobeshymnen beachtet werden.
Kino ist Kunst. Und Kunst bedarf einer, nein zwingt uns zu einer Auseinandersetzung mit dem Produkt.
Erst dann ist es ein ernstzunehmendes Kunstprodukt. Schließlich werden bei uns stets zwei Meinungen
veröffentlicht. Die des Filmkritikers und die der User. Wir setzen uns mit dem Produkt auseinander ohne
eine Beeinflussung.



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