SERIE

„Jessica Jones“ – Staffel 1

Bilder (c) 2015 Netflix.

Bilder (c) 2015 Netflix.

Ein Streamingdienst mischt die Unterhaltungsbranche auf. Von der Online-Videothek zum Serienproduzenten. Netflix beschreibt eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Im März 2011 kündigte das US-Unternehmen an, für seine Kunden Eigenproduktionen neben den Wiederholungen anderer Fernsehserien anzubieten. Zudem kaufte das börsennotierte Unternehmen die Exklusivrechte an einer Reihe von Actionserien, die von Disney und Marvel Television produziert werden. Darunter auch „Jessica Jones“. Erst zum dritten Quartal 2015 schmiss Netflix die Werbemaschinerie zur Serie an. Ob sich der riesige Aufwand gelohnt hat?

Die Protagonistin Jessica Jones (Krysten Ritter) lebt in Hell`s Kitchen, einem heruntergekommenen und zwielichtigen Stadtteil in New York, in dem auch Marvel´s „Daredevil“ spielt. Sie ist alkoholsüchtig, haust allein in einer kleinen, heruntergekommenen Wohnung und verdient sich ihren Lebensunterhalt, indem sie nachts als Privatdetektivin unterwegs ist. Dabei ist sie häufiger für die skupellose Anwältin Jery Hogarth (Carrie-Ann Moss) im Einsatz, um untreue Partner zu fotografieren und zu überführen. Keine allzu anspruchsvolle Aufgabe. Aber Jessica trägt ein Geheimis mit sich herum. Bei einem Autounfall in ihrer Kindheit, bei dem ihre Eltern gestorben sind, hatte sie Kontakt mit radioaktiven Substanzen und verfügt seitdem über Superkräfte. Nach dem Verlust ihrer Familie kam sie bei den Walkers unter, einer Familie mit Erfahrung im Superheldentum – ihre berühmte Adoptivschwester ist Patricia „Trish“ Walker (Rachael Taylor), besser bekannt als „Hellcat“, die inzwischen als Radiomoderatorin arbeitet.

Szene_Jessica_JonesJessica hingegen sucht keine Erlösung oder Abkehr, eher scheint sie zu büßen und sich mit einem Leben in Hell`s Kitchen bestrafen zu wollen. Schon in der ersten Folge wird ihr Feind, der Bösewicht und ihr Gegenspieler Kilgrave (David Tennant), vorgestellt, ohne zunächst körperlich aufzutreten. Er ist ein scheinbar allmächtiges, gefährliches und sadistisches Phantom und scheint an der Zerbrochenheit und Einsamkeit von Jessica Jones schuld zu sein. Sie waren einst ein Liebespaar, bis er ihre Gedanken kontrollierte und völlig beherrschte. Jessica konnte sich jedoch befreien, bis er ihr anhand seines nächsten Opfers seine Macht demonstriert und die Angst in ihr wieder aufflammen lässt. Mit dem erneuten Eindringen ihres Feindes wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ihre Ängste und Schulgefühle ertränkt sie seitdem nachts in Alkohol und mit gelegentlichen Schäferstündchen mit u.a. einem Barbesitzer. Doch statt zu kapitulieren und sich zu verstecken, fasst sie den Entschluss, Kilgrave zu bekämpfen.

Was passiert?

Die US-Serie spielt meist in kargen Räumen, dunklen U-Bahnhöfen und leeren Bars in der Nacht. Krysten Ritter mit ihrem nicht gerade hollywoodtypischen Aussehen (groß, schlank, blond) ist eine gelungene Besetzung für die Rolle der Jessica Jones. Sie hat einen stechenden Blick und man sieht ihr an, dass sie einiges erlebt und innere und äußere Wunden davongetragen hat, sich mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und den psychischen Folgen von Verrat und Bedrohung herumschlagen muss. Damit steht Jessica Jones genauso wie die neueren Marvel-Helden wie Daredevil in einer Reihe mit Figuren wie Toni Soprano, Dexter oder Walter White, die Helden der letzten Fernsehjahrzehnte. Ihre Superkräfte machen aus Jessica nichts Besonderes. Im Gegenteil sind sie ihr peinlich und sie sind letztendlich der Grund dafür, dass ihr Widersacher Kilgrave sie verfolgt.

In einem Interview für das Musikmagazin „Rolling Stone“ erklärte Showrunnerin und Drehbuchautorin Melissa Rosenberg, dass die Darstellung von Jessica Jones als dunkle Anti-Heldin kein Zufall oder gar Unfall war, sondern die Absicht, Jessica als Überlebende des Martyriums aus Kontrolle und Gewalt zu zeigen.

Was passiert wirklich?

Szene_Jessica_Jones_2Wiederkehrende Themen der Serie sollen der Umgang mit Vergewaltigung, Posttraumatische Belastungsstörung sowie eine „ungeschönte“ Darstellung weiblicher Sexualität werden. Mit einer starken Figur, die mit ihren Ängsten umzugehen versteht. Vor diesem Hintergrund entstehe auch ein Psychogramm der Verursacher dieser Ängste, in diesem Fall die des Bösewichts Kilgrave. Er gehöre zu den Menschen, die Macht ausüben und gerne quälen. Nicht, weil die andere Person sich nicht gewehrt hat, sondern weil sie glaubt, dass die andere Person es verdient hat oder gar möchte.

„Jessica Jones“ ist nach „Daredevil“ die zweite von vier geplanten Netflix-Serien, die im Marvel Universum angesiedelt ist und inhaltlich in die fünfte Serie, „The Defenders“ von Marvel führen soll. Gut, dass Netflix die ganze Serie am 20. November 2015 auf einmal veröffentlicht hat. Auf die nächste Folge zu warten wäre ein Horror gewesen. „Jessica Jones“ gehört sicherlich zur Zeit zum Besten, was zurzeit im TV zu sehen ist.

 




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