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„Fargo“ – Staffel 1

DVD_FargoIst die Zeit der ganz großen Serien schon vorbei? Wird nach „Breaking Bad“, „Game of Thrones„, „House of Cards“, „Mad Men“ oder den Untoten von „The Walking Dead“ nur noch recycled und ausgequetscht? Zahlreiche Serienfans werden jetzt vielleicht laut widersprechen. Denn für viele hat mit den gefühlt immer zahlreicher werdenden Plattformen (Netflix, Amazon Prime, Sky) und somit neuen Produzenten sowie deren Kampf untereinander der Serienhype gerade erst begonnen. Immer mehr namhafte Regisseure tauchen auf, die neue Formate für das „kleine Format“ entwickeln. Dabei werden die Gebrüder Joel und Ethan Coen nicht die letzten sein. Skeptisch durfte der Filmfan im Vorfeld aber sein. Wie sollte das cineastisches Meisterstück „Fargo“ der Coen-Brüder aus dem Jahr 1996 als Serie funktionieren? – „Ganz hervorragend“ wird derjenige antworten, der sich auf das episodenhafte, lakonische Erzählen der Coens einlassen kann. Es lohnt sich.

Die wichtigsten Ingredienzien der Film-Vorlage wie die verschneite Landschaft von Minnesota, die selbstzufriedenen Einwohner, die unwirsch auftauchenden Eindringlinge sowie der unterschiedliche Umgang mit unvorhersehbaren Ereignissen sind auch in der gleichnamigen Serie Grundpfeiler auf denen sich die Handlung aufbaut. Wobei die Serie alles andere als eine „Serie zum Film“ ist. Das war von Showrunner Noah Hawley auch nicht beabsichtigt. Tatsächlich verschränkt sich die Serie inhaltlich nur sehr hinterrücks und beiläufig mit der berühmten Filmvorlage, oft nur in kleinen Details. Ein wesentlicher Handlungsstrang setzt hier aber die gescheiterte Geldübergabe des Kinofilms fort. Kenner des Films werden vielleicht noch wissen, wie einst Steve Buscemi knapp eine Million US-Dollar am Straßenrand verbuddelte und mit einem roten Eiskratzer markierte.

Rund 20 Jahre sind seit den mörderischen, vermeintlich auf einer „wahren Begebenheit“ basierenden Ereignissen des Films vergangen. Im Mittelpunkt der 2006 spielenden Serie stehen nun einmal mehr unbedarfte Provinzler, die mit folgenschweren Verbrechen in Berührung kommen. Da wären zum Einen der Einzelgänger Lorne Malvo (Billy Bob Thornton), der eines Nachts durch die Schneelandschaft von Minnesotas fährt, als plötzlich ein Reh auftaucht und mit seinem Auto zusammenstößt. Zu Fuß geht es für ihn weiter in die naheliegende Kleinstadt Bemidji, welche an die Kleinstadt Fargo grenzt. Stunden später springt plötzlich der Kofferraum auf. Ein nur in Unterhose gekleideter Mann klettert heraus und läuft halb erfroren in den Wald neben der Straße. Am nächsten Tag findet ihn die Polizei voller Frostbeulen und steht vor einem Rätsel.

In einem weiteren Handlungsstrang wird die zweite Hauptperson, der duckmäuserische Versicherungsfachangestellte Lester Nygaard (Martin Freeman) vorgestellt, ein Looser, der von der großen Karriere träumt aber sich nicht einmal vor seiner eigenen Frau durchsetzen kann. Auch Arbeitskollegen, Freunde und Mitmenschen schaffen es nicht, den liebenswerten Kerl ernst zu nehmen. Als Lester von einem ehemaligen Klassenkameraden auf der Straße vor dessen Kindern verprügelt wird, landet er mit blutender Nase in der Notaufnahme. Hier trifft er auf einen seltsam in sich ruhenden Mann (Billy Bob Thornton), der ihn zu einer folgenschweren Entscheidungen überreden kann. Zurück im Eigenheim führt diese Entscheidung kurzerhand dazu, dass Lester seine wie so oft quengelige Frau skrupellos mit einem Hammer niederschlägt und einen Einbruch simuliert.

Was passiert?

Szene_Serie_Fargo_FreemanEin Aufeinandertreffen zweier grundverschiedener Personen, ein Versprechen, eine Tat und deren Folgen. Etwas mehr als 20 Jahre seit den mörderischen, vermeintlich auf einer „wahren Begebenheit“ basierenden Ereignissen der filmischen Vorlage geschieht abermals Schreckliches in einer verschneiten Kleinstadt irgendwo in Minnesota. Eine Verkettung absurder Ereignisse führt dazu, dass nicht wenige Bewohner der Kleinstadt die schlagartige Aushebelung aller Ordnung mit dem Leben bezahlen müssen, ehe es sogar Abgesandte der Mafia nach Bemidji verschlägt.

Was passiert wirklich?

Serien- und Filmfan Rajko Burchhardt schrieb dazu treffend auf der Seite gamona.de: „In die fatalen Verwechslungen und Irrtümer, wie „Fargo“ sie nicht zynisch ausstellt, sondern als folgerichtigen (augenzwinkernden) Lauf der Dinge versteht, mischen sich eine Reihe eigenwilliger Nebenfiguren. Ganz besonders die erfolglosen Versuche von Officer Gus Grimly (Colin Hanks, seinem berühmten Vater wie aus dem Gesicht geschnitten), den gewieften Mörder Malvo dingfest zu machen, erweisen sich als wahres Komödiengold.“

Szene_Serie_Fargo_ThorntonUnd weiter: „Wie bereits der Film lebt auch die Serie von ebensolchen Figuren, die an der Konfrontation mit dem Außerordentlichen zu verzweifeln drohen. Störenfried Billy Bob Thornton, als langjähriger Weggefährte der Coen-Brüder bestens mit deren lakonischem Humor vertraut, wirkt in dieser offen gelegten Kehrseite kleinstädtischer Idylle wie ein böses Prinzip: Er beobachtet und interveniert nach Lust und Laune, hält seine Protagonisten süffisant an der Leine.“ Auf den Punkt.

Mit anderen Worten: Die Brüder Joel und Ethan Coen konnten auch für ihre gleichnamige Serie herausragende Darsteller (Billy Bob Thornton, Martin Freeman, Colin Hanks) gewinnen, die den berühmten lakonischen Coen-Humor in einer eiskalten und dennoch warmherzigen Umgebung auch auf der TV-Bildschirmfläche vollends entfalten. Eine auf zehn Episoden verteilte Aneinanderreihung fataler Verwechslungen und Irrtümer, in der die (neuen) Figuren der Serie im Gegensatz zum großen filmischen Vorbild zu großen Teilen wie personifizierte Echos ihrer filmischen Vorgänger wirken.

 

 

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