INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Vier Fragen an…: Dominik Graf, Regisseur von „Die geliebten Schwestern“. „Es sollte alles in Bewegung sein.“

Bild (c) Senator.

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Der mehrfach preisgekrönte Regisseur und Drehbuchautor Dominik Graf (zehn Grimme-Preise, Deutscher und Bayerischer Fernsehpreis) stellte am Premierenabend seinen neuen Film „Die geliebten Schwestern“ persönlich in Münster vor. Eine Herzensangelegenheit, nicht nur weil einige Teile des Films in der Nähe von Münster gedreht wurden. Als er mit einiger Verspätung aus Köln am Schloßtheater-Kino in Münster eintraf, stellte er sich den zahlreichen Fragen der Journalisten und anschließend denen des begeisterten Publikums.

Mehrfilm.de: Herr Graf, die Leidenschaft, die Sie für dieses Projekt entwickelt haben, spürt man in jeder Szene. Wie war der Dreh in Münster und wie kam es dazu?

Dominik Graf: Für meinen Film „Das Gelübde“ war ich schon einmal nach Münster gekommen, um zu drehen: Einige werden es im Film vielleicht erkannt haben. Vor allem Münsterländer – insbesondere aus der Nähe von Havixbeck – das „Haus Stapel“ liefert einen tollen Charme, wenn es um Häuser aus dem 18. Jahrhundert gehen soll. Das alte Wasserschloss lieferte mir jetzt auch einen tollen Drehschauplatz, vor allem die aufwendig restaurierten Salons mit ihren faszinierenden Tapeten. Die fand ich damals schon klasse. Immer wenn es im Film um die Kammern geht, in denen das Trio am Ende zu sehen ist, handelt es sich um die Räumlichkeiten in Havixbeck. Und ich werde sicherlich nicht das letzte Mal in Münster gedreht haben.

Mehrfilm.de: Man merkt der Kinfassung an, dass Sie gewaltig kürzen mussten. Dennoch wirkt ihr Film in sich stimmig. Nur eins hat mich gestört: Warum lassen Sie die Zeit- und Ortsangaben im Film einfliegen? So flatterhaft wie ein Schmetterling? So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen…

Dominik Graf: Die Sturm-und-Drang-Zeit war eine Zeit des Aufbruchs. Alles war in Bewegung. Das wollte ich mit meinen Bildern vermitteln. Es sollte Alles in Bewegung sein. Mal fliegt die Kamera durch die tolle Landschaft, mal von links nach rechts durch einen Raum. In etwa so wie man ein Buch liest. Starre Orts- und Zeitangaben hätten hier nicht gepasst. Ich wollte keine starren Einblendungen, ich wollte Bewegung, so wie auch das Leben damals war.

Mehrfilm.de: Wie schon erwähnt, man merkt ihnen die Leidenschaft für das Projekt an. Wie kam es dazu, dass Sie auch das Drehbuch zum Film geschrieben haben? Und wann und wodurch entstand diese Leidenschaft genau?

Dominik Graf: Die entstand sehr schnell. Ich war schon immer von den Werken Schillers fasziniert. Als ich erfuhr, welche Geschichte sich hinter seinen Werken verbirgt, was für spannende amouröse Abenteuer, musste ich diesen Film machen. Und ich musste ihn alleine machen. Ich arbeite mit großartigen Drehbuchautoren zusammen. Aber diesen Film musste ich alleine machen. Was mich zudem von Anfang an faszinierte, einen Film über Worte zu machen, Worte der Liebe, der Versprechen, der frohen Sehnsucht nach einem anderen bürgerlichen Leben. Über Gefühle reden, über Liebe zu dritt reden, planen, ein wenig intrigieren, um freie Bahn zu haben. Drei kluge Menschen, jeder von ihnen kompliziert, jeder auf andere Art. Aber diese Geschichte zeigt uns, was wir alles an emotionalem Reichtum seit Schiller verloren haben. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Ich fand und finde das sehr spannend und erzählenswert.

Mehrfilm.de: „Die geliebten Schwestern“ ist ihr erster abendfüllender Kinofilm seit acht Jahren. Sie haben viel für´s Fernsehen gemacht („Im Angesicht des Verbrechens“), Sie gelten als der „Spezialist des Polizei-Thrillers“. Wann können sich die Leinwandfreunde auf ein neues Kinoprojekt von Ihnen freuen?

Dominik Graf: Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich werde ja auch älter und so ein Kinoprojekt ist mit seinen vielen Förderanträgen und Unsicherheiten meist bis kurz vor Drehbeginn mit sehr viel Stress verbunden. Die Produzenten in Deutschland haben es verdammt schwer zur Zeit. Im Moment versuche ich, ein fantastisches „Polizeiruf“-Drehbuch von Günter Schütter zu verfilmen. Ich arbeite mit Autoren, mit Basedow, Schütter, Fritz Ani, die immer wieder Neues erfinden, zusammen Und es reizt mich auch, Variationen des Immergleichen zu machen. Mal schauen.

Mehrfilm.de: Danke, dass Sie nach Münster gekommen sind und viel Erfolg mit ihrem tollen, neuen Film!

Unsere Kritik zum Film, hier!

Die Pressekonferenz zu „Die geliebten Schwestern“ von der Berlinale 2014:

 

 

 

 



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