INTERVIEWS UND HINTERGRüNDE

Der perfekte Streaming-Dienst

Screenshot_MaxdomeAls Filmfan wird man manchmal gefragt: „Und, was sollte man sich grad im Kino anschauen?“ Eine Frage, die natürlich nicht leicht zu beantworten ist. Geschmäcker sind verschieden. Vielleicht hört man auch deshalb immer öfter in Gesprächen: „Du, ich schaue gerade die zweite Staffel von XY auf XY.“ Längst erreichen (nicht nur US-)TV-Serien in Punkto Ausstattung, Drehbuch und Darstellerleistung immer mehr das Niveau eines Kinofilmes. Und auch deshalb werden für Filmfans, die zwischendurch mal Lust auf eine Serie auf Kino-Niveau haben und starre Anfangszeiten im TV und den Gang in die Videothek ihres Vertrauens scheuen, Streaming-Dienste immer interessanter. Ein Grund mehr, um an dieser Stelle eine kleine Übersicht mit jeweiligen Vorzügen aber auch Nachteilen und Tücken einiger Streaming-Dienste zu geben. Denn einige habe ich probiert.

Bis Mitte diesen Jahres hatten zahlreiche Film- und Serienfans in Deutschland immer wieder neidisch über den großen Teich geblickt, wenn es um lukrative Angebote in Sachen Video-Streaming ging. In den USA kennt man Anbieter wie Netflix, Hulu oder Amazon seit Jahren. Mehr als 35 Millionen Haushalte nutzen dort inzwischen das große Angebot an Filmen und Serien auf Flatrate-Basis. Zahlen, von denen deutsche Video-Streaming-Dienste wie Maxdome, Videoload, Watchever und Co. nur träumen können. Noch. Denn mit dem Deutschland-Start von Netflix, Sky Snap bzw. – Online, Amazon Prime Instant Video und Co. gibt es nun auch auf dem deutschen Markt eine Vielfalt, die keine Wünsche offen lässt.

Schritt 1: Probeabo.

Wer seinen persönlichen Favoriten finden will, der sollte vorher ein Probeabo bei einigen Diensten abschließen. Und es nach der eMail-Benachrichtigung bzw. Postwurfsendung mit den Zugangsdaten sofort wieder kündigen. Allein bei diesem ersten Schritt trennt sich bereits die Spreu vom Weizen. Denn nur Amazon Prime Instant Video, Netflix und Maxdome bieten einen kostenlosen Probemonat an. Interessenten von Sky Snap bzw. – Online, Videoload, Apple iTunes, Videobuster und Co. müssen noch vor der Besichtigung der ersten Episode einer Serie oder eines Spielfilms zahlen.

Schritt 2: Preisübersicht.

Die Preise für die überall monatlich kündbaren Abos eines Streaming-Dienstes liegen zwischen vier und zwanzig Euro. Die meisten Angebote liegen im Bereich einer Kinokarte. Nicht zuviel für ein Angebot, das man in einem Monat keinesfalls schaffen kann. Die Preisspanne startet bei 4,10 (abgeleitet von 49,- Euro im Jahr) für Amazons Prime Instant Video über den meist üblichen Preis von 7,99 Euro / Monat (Maxdome, Netflix) bis hin zu 19,90 für Filme und Serien satt bei Sky Film. Bei sämtlichen Angeboten lassen sich die monatlichen Gebühren nach oben offen erhöhen durch Sonderwünsche wie HD-Auflösung, Ultra-HD-Auflösung oder dem Konsumieren auf diversen Abspielgeräten (Laptop, Smartphone, Smart-TV).

Doch Vorsicht! Wer einen Anbieter mit einem reichhaltigen Angebot findet, kann sich nicht gleichzeitig darauf verlassen, auch die neusten Serien und Filme sehen zu können.

Schritt 3: Angebot und Aktualität.

So hat beispielsweise Amazon mit seinem Dienst Prime Instant Video, den viele auch durch das Angebot „Lovefilm“ kennen, zwar über 12.000 Filme und Serien im Angebot. Jedoch ist die Zahl etwas irreführend, da sie durch die Multiplikation von Serienepisoden künstlich aufgeblasen wird. Unter dem Strich stehen daher „nur“ etwa 1.500 Filme und mehr als 800 Serien bei Amazon zur Verfügung. Ausserdem sollte man erwähnen, dass Fans aktueller Kinofilme nicht unbedingt voll auf ihre Kosten kommen, denn das Angebot beinhaltet bisher vielfach ältere und wenig aktuelle Titel.

Für Fans aktueller Kinofilme ist sicherlich der US-Anbieter Netflix die bessere Wahl. Netflix ist Weltmarktführer in Punkto VoD (Video on Demand) und hat nach eigenen Angaben „tausende Filme und Serien im Angebot“. Zudem können US-Spielfilme auch im Original mit Untertitel geschaut werden. Für echte Cineasten ein „Muss“. Liebhaber deutscher Serien und Kinofilme sollten sich jedoch zu Anfang bei einem anderen Anbieter umschauen. Netflix gibt es erst seit September 2014 in Deutschland und das Angebot an deutschen Serien und Kinofilmen ist noch sehr sehr dünn.

Screenshot_WatcheverAuch der in der Schweiz beheimatete Dienst Watchever bietet nach eigenen Angaben „Tausende Filme und Serien in HD-Qualität“ an. Das als reine Flatrate konzipierte Angebot lässt sich 30 Tage lang kostenlos testen, danach fallen 8,99 Euro monatlich an. Monatlich kündbar. Erfreulich: Im Unterschied zur Konkurrenz können Watchever-Kunden den Dienst überall nutzen, die Palette unterstützter Geräte ist groß. Aktuell kann Watchever über den Browser, iOS- und Android-Geräte, über Smart-TVs sowie über Apple TV und Spielkonsolen genutzt werden. Wie lange sich jedoch der hoch defizitär arbeitende Dienst – wie auch der „pay per view“-Dienst Videoload der Telekom – noch auf dem Markt halten können, ist nach den Einstiegen von Netflix, und dem runderneuerten Angebot des Marktführers Maxdome sehr ungewiss.

Über „Deutschlands größte Online-Videothek“ verfügt nach eigenen Angaben der etablierteste Anbieter Maxdome. Über 60.000 Film- und Serientitel hat das Unternehmen der ProSiebenSat1-Gruppe im Sortiment. Logisch, dass bei einer geschäftsführenden Sendergruppe als Mutter auch zahlreiche deutsche Serien und Spielfilme zur Verfügung stehen. Obacht allerdings denjenigen, die „nur“ den Flatrate-Tarif wollen: User des Flatrate-Tarifes, den es für 7,99 Euro im Monat gibt, dürfen sich auf etwa 200 Serien und 3.700 Filme freuen. Die allerdings auf sämtlichen Geräten abgespielt werden können.

Mit etwas über 1.000 Filmen und etwa 60 Serien im Flatrate-Format dürfte der noch junge Anbieter Sky Online mit seinen neuen Paketen „Sky Starter Paket“ (ab 9,90 Euro/Mo) und „Sky Film“ (ab 19,90 Euro/Mo) das vergleichsweise spärlichste Sortiment in Deutschland haben. Das merkt man auch: Populäre Serienschlager wie Breaking Bad oder The Big Bang Theory sucht man ebenso vergeblich wie exklusive und aktuelle Filmtitel. Natürlich lassen sich auch hier aktuelle Titel durch „pay per view“ hinzubuchen. Und wer zudem bereits Sky-Skunde ist, zahlt für die Online-Videothek „nur“ noch 3,90 Euro (Sky Snap) drauf. Sportfans können zudem durch einen „Kniff“ aktuelle Bundesliga-Spiele sehen. Dazu muss man allerdings eines der monatlich kündbaren Pakete ordern, dazu das Tagesticket kaufen und anschließend wieder das Paket kündigen. Wer´s mag.

Schritt 4: Tücken und Fallstricke.

Keine Frage: die traditionellen Vertriebsketten vom Kino über die Blu-ray/DVD bis hin zum Fernseher befinden sich im Umbruch. Immer öfter kommt es vor, dass Blockbuster recht zügig nach Kinoende auf dem eigenen Streaming-Abspielgerät landen. Und jeder sollte als erstes nachschauen, ob MEIN Abspielgerät auch unterstützt wird. Doch der Wunsch an die stets wachsende und umfangreiche Onlinevideothek wird ein Traum bleiben. Vielmehr agieren die Streaming-Anbieter wie klassische Privatsender, die Inhalte für einen bestimmten Zeitraum lizensieren und dann ausstrahlen.

Apropos Lizenz: Wegen regelmäßiger, lizenzbedingter Programmänderungen kann es vorkommen, dass Filme und Serien plötzlich nicht mehr im Rahmen eines Abos verfügbar sind. Ärgerlich für diejenigen, die ihre Lieblingsserie bis kurz vor Ende einer Staffel geschafft haben und dann für die letzten Episoden nachzahlen müssen. Oder eine Serie wie „House of Cards“ startet bei Netflix und läuft dann in der vierten Staffel auf einmal bei Sky Online weiter. Eindeutige Hinweise auf ein sich näherndes Ende von Film- und Serienangebot, beispielsweise in Form einer „Achtung, letzte Chance!„-Anmerkung habe ich nur bei Sky Online, Watchever und Amazon Prime („Empfehlung der Redaktion„) gefunden.

Screenshot: Mehrfilm.de

Screenshot: Mehrfilm.de

Wer also nicht unbedingt immer die neusten Serien und aktuellsten Kinofilme sehen muss, greift zu einem Anbieter, der nicht erst noch die teuren Lizenzgebühren dafür einkaufen muss. Oder er schaut auf der Seite Werstreamtes nach, um zu sehen, welcher Anbieter welche/n Serie/Film derzeit im Angebot hat. Leider ist auch dort nicht zu sehen, welcher Anbieter mit wieviel Datenbandbreite streamt. Beachten sollten Smartphone-Streamer (die keinesfalls Cineasten sein können!) mit Volumenbegrenzung dabei, dass beispielsweise ein Spielfilm in HD-Qualität durchaus bis zu 45 Gbyte an Daten benötigt. Die zudem in Stoßzeiten nicht immer die nötige Geschwindigkeit zur Verfügung stellt. Also doch die gute alte Videothek? Vielleicht.

Fazit:

Der Test hat viele erhellende Momente, viel Freude aber auch zahlreiche Enttäuschungen mit sich gebracht. Dank des neuen Sky Online-Angebots, der Amazon-Offensive im Februar und dem jüngsten Netflix-Start sowie den etablierten Größen wie Maxdome und Watchever steht den deutschen Nutzern inzwischen ein respektables Repertoire an interessanten Diensten für das Streamen von Videoinhalten bereit. Für meist weniger als zehn Euro im Monat bekommen sie abgesehen von einigen reinen Einzelkauf- beziehungsweise Verleihdiensten bei den meisten Anbietern eine echte Flatrate für Filme und Serien. Das Sortiment im Bereich Video-Streaming kann sich bis auf wenige Ausnahmen (Videobuster und Sky) schon sehen lassen. In der Regel stehen mehr als 1.000 Film- und Serientitel zur Verfügung, die beliebtesten von ihnen inbegriffen. Und: Kontinuierlich kommen neue Inhalte dazu. Es kommt also wie immer auf den Geschmack an. Danach sollte man sich SEINEN Anbieter auswählen. Am besten, testen! Nun denn. Viel Spaß beim Streamen!



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