KRITIK

Zwischen Himmel und Eis

Bild (c) Weltkino Filmverleih.

Bild (c) Weltkino Filmverleih.

Unser blauer Planet, so scheint es, ist inzwischen auch cineastisch vollends durchmessen. Erfolgreiche Naturdokumentationen wie „Unsere Erde“ oder „Unsere Ozeane“ haben eine Welle an Epigonen nach sich gezogen. Kinofilme, die sich dermaßen diversifiziert haben, dass mittlerweile auch die „Magie der Moore“ beschworen oder der Wald als „Das grüne Wunder“ deklariert wird. Auch Regisseur Luc Jacquet hat sich hier eingereiht und mit seiner „Reise der Pinguine“ gar den Oscar gewonnen.

„Zwischen Himmel und Eis“, dem in diesem Jahr die Ehre des Abschlussfilms in Cannes zuteilwurde, möchte aus diesem Schema ausbrechen, kann sich aber nicht völlig von den Reizen des Subgenres lösen: neben den beeindruckenden Aufnahmen unberührter antarktischer Weiten gibt es die gewohnt pathetische Musik und den bemüht dramatischen Off-Kommentar, hier von Max Moor – den es in diesem Fall überhaupt nicht gebraucht hätte. Schließlich hat der Film einen überaus kompetenten Protagonisten und wäre, wenn sich Jacquet richtig getraut hätte, eine waschechte Forscherbiografie geworden, statt dieses Hybriden, der einer bestimmten Klientel hinterherjagt, die vermeintlich allein die schönen Panoramen goutiert.

Szene_Zwischen_Himmel_und_EisSo bleibt der französische Polarforscher Claude Lorius nur eine vage Skizze, seine jahrzehntelange Pionierarbeit durch die Klimageschichte des Planeten, die sich in den meterdicken Eisschichten der Antarktis nur äußerst mühsam offenbart, wird an Standardsentenzen eines Galileo-Features verschenkt. Zeitgeschichtlich allerdings bietet „Zwischen Himmel und Eis“ einige bemerkenswerte Aspekte, mit seinen Archivaufnahmen von Expeditionen aus den 50er und 60er Jahren, der länder- und blockübergreifenden Forschungszusammenarbeit während des Kalten Krieges und darüber hinaus.

Dass Lorius nach knapp 60 Jahren an den Ort – oder besser Nicht-Ort – seiner ersten Antarktisreise zurückkehrt, ergibt einen hübschen dramaturgischen Bogen und ebensolche Bilder. Ein aufklärerischer Ansatz oder gar ein wirklicher Erkenntnisgewinn bleibt jedoch unter der gleißenden Fassade verschüttet und verliert sich im Ungefähren. So entfaltet das sicherlich gut gemeinte und dringend benötigte Plädoyer für den Klimaschutz weit weniger Wirkung als erhofft. Schade um die vertane Chance.

 




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