KRITIK

Zweite Chance

Bild (c) Prokino Filmverleih.

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Nachdem die dänische Regisseurin Susanne Bier mit der Pierce-Brosnan-Romanze „Love is All You Need“ und dem Kostümfilmflop „Serena“ zuletzt zwei völlig andere Genres bearbeitete, kehrt sie nun ins angestammte Terrain zurück. „Zweite Chance“ knüpft an jene intensiven Dramen über persönliche Zwickmühlen an, mit denen sie einst bekannt wurde. „Nach der Hochzeit“ (mit Mads Mikkelsen) war das beste davon, für „In einer besseren Welt“ bekam sie 2011 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film des Jahres.

Doch Susanne Biers mittlerweile fünfzehnte Spielfilm ist lange nicht so gut. Erneut in Zusammenarbeit mit ihrem Stamm-Autor Anders Thomas Jensen entstanden, folgt der Film einem rechtschaffenen Polizisten ins Unglück: Andreas (Nikolaj Coster-Waldau, der Jamie Lannister aus „Game of Thrones“) hat sich mit seiner Frau Anna (Maria Bonnevie, „Reconstruction“) ein schönes Leben in einem Haus am See aufgebaut, das gemeinsame Baby ist erst seit ein paar Wochen auf der Welt.

Szene_Zweite_Chance_Photo_by-Rolf-Konow_org_print_700Dann stirbt es den plötzlichen Kindstod. In seiner Verzweiflung tauscht Andreas das tote Baby gegen das verwahrloste Neugeborene eines Junkie-Pärchens aus (gespielt von „Erbarmen„-Kommissar Nikolaj Lie Kaas und Model May Andersen). Keine gute Idee. Wie immer bei Bier und Jensen hat der Film weniger mit einem sich glaubhaft entwickelnden Melodram zu tun als mit einer konstruierten, moralischen Versuchsanordnung, gelenkt vom Forschergeist der Macher, die der unbarmherzigen Frage nachgehen: Wie verhält sich unser Hiob, wenn wir ihm immer neue Katastrophen in den Weg schreiben?

Die mitreißenden Darsteller, allen voran Bonnevie und Kaas, spielen sich beinahe die Seele aus dem Leib, doch das Konstruierte der Angelegenheit lässt sich kaum verschleiern. Bis zum durchaus fragwürdigen Kniff am Schluss ist dies ein Film, der auch bei Sonnenschein schlechte Laune macht – ohne großen Mehrwert.

 

 

 



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