KRITIK

Zwei Leben

Plakat zum Film Zwei LebenVielfach ist derzeit zu hören, „Zwei Leben“ sei als deutscher Beitrag für den Oscar nominiert. Das ist Quatsch – die Nominierungen werden schließlich erst im Januar bekanntgegeben. Richtig ist, dass dieser Film von Deutschland noch vor seinem Bundesstart für eine Nominierung vorgeschlagen wurde. Dass dies eine naheliegende Wahl ist, obwohl Regisseur Georg Maas (“NeuFundLand“) bislang wenig bekannt ist, liegt an der Vorliebe der Academy für deutsche Filme, in denen es entweder um Nazis oder um die Stasi geht. Und siehe da: In diesem Drama kommen sie beide vor!

Thema des Films sind die „Lebensborn“-Heime, die Himmler ab 1936 ins Leben gerufen hatte, um die „Aufnordnung des germanischen Blutes“ zu fördern. Während der Besatzung Norwegens wurden mehrere hundert Kinder, die aus Beziehungen deutscher Soldaten mit norwegischen Frauen hervorgingen, in deutsche Heime verschleppt. Später übernahm die DDR die ostdeutschen Heime, die Stasi warb dort gezielt Agentennachwuchs an. Die norwegischen Mütter wurden derweil als „Deutschen-Flittchen“ denunziert.

Im Zentrum des Films steht die Norwegerin Katrine (bewährt überspannt: Juliane Köhler), die kurz nach der Wende von einem Anwalt (Ken Duken) aufgesucht wird, der eine Wiedergutmachungsklage anstrebt. Katrine war vermeintlich eins dieser verschleppten Lebensborn-Kinder, konnte aber aus der DDR in ihr Heimatland zurückfliehen. Seltsamerweise möchte Katrine die Vergangenheit um jeden Preis ruhen lassen. Warum?

Die Pointe ist ungeheuerlich und wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, die Köhler überzeugt, und die große Liv Ullmann spielt Katrines Mutter bewegend als tragisch enttäuschte Frau. Auch wenn der Film größtenteils etwas unentschlossen zwischen Spionagekrimi und herkömmlichem Betroffenheitskino schwankt, vermeidet er zum Glück die Unsitte vieler deutscher, auf Fernsehverwendbarkeit getrimmter Filme, alles allzu detailliert auszubuchstabieren. „Zwei Leben“ lässt Luft für eigene Gedanken.

  



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INHALT

Mit dem Fall der Berliner Mauer und der politischen Neuordnung Europas gerät Katrines Leben in Norwegen aus dem Ruder. Plötzlich ist alles anders, ihre Familie, ihre Liebe, ihr Glück sind bedroht. Um zu verhindern, dass ihr Geheimnis ans Licht kommt, muss sie gegen ihren Willen in ihr früheres Leben zurückkehren. Wer ist sie wirklich? Geschickt und professionell verwischt Katrine die Spuren ihrer Vergangenheit, verfängt sich aber zusehends in einem Netz von Lügen und Widersprüchen. Ihr Geheimnis droht ans Licht zu kommen. Verzweifelt versucht sie ihr fragiles Glück zu schützen. Dabei ist sie Täterin und Opfer zugleich. Es geht um Wahrheit und Lüge, um Tod oder Leben. Kann es wahres Glück im falschen Leben geben? (Text: Farbfilm Verleih)
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Eure Kritiken zu Zwei Leben

  1. Tine

    Im Juni im Urlaub sahen wir in fast jedem Dorf ein Kino, welches diesen Film im Programm hatte … augenscheinlich sind auch die Franzosen an diesem Thema sehr interessiert. Unterhaltsam und spannend war er, allerdings habe ich mich über die vielen Logik-Löcher und simplen Dialoge geärgert, gelernt habe ich trotzdem einiges …

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