KRITIK

Zwei an einem Tag

Plakat zum Film Zwei an einem TagMüsste es Zuschauern mittlerweile nicht lästig sein, zwei Personen auf der Leinwand zuzuschauen, wie sie sich ewig bemühen, am Offensichtlichen vorbeizuschauen, bis es am Ende dann doch geschieht – sie fallen sich in die Arme? Ja! Die RomCom, die „romantic comedy“ ist erfolgreicher denn je. Und die immer neue Variation des Unausweichlichen bleibt offenbar reizvoll. In dieser Verfilmung des Bestsellers „Zwei an einem Tag“, für die der Autor David Nicholls persönlich das Drehbuch schrieb, geht es um ein ungleiches Paar, das, wie einst „Harry und Sally“, Jahrzehnte braucht, um sich einzugestehen, dass ihre Freundschaft Liebe ist.

Stets am 15. Juli, dem St. Swithin´s Day, treffen sich die beiden Ex-Kommilitonen, seit sie nach der College-Abschlussfeier in Edinburgh per Zufall nicht zum Paar wurden. Er (Jim Sturgess aus „The Way Back – Der lange Weg zurück“) ist reich und smart, wird als Moderator einer Late-Night- Show in London zur zynischen Koksnase. Sie (Anne Hathaway, mit Mühe zum Mauerblümchen umgeschminkt) will Autorin werden, nimmt aber einen Umweg als Lehrerin und Gattin eines uninteressanten Mannes. So will es die Geschichte.

Szene aus dem Film Zwei an einem TagDas sieht zu Beginn ganz schmuck aus, kommt in der filmischen Umsetzung insgesamt aber doch arg rumpelig daher. Wo im Buch Zeit für psychologische Figurenentwicklung bleiben mag, läuft im Film alles über Oberflächenzeichen: Die Jahre vergehen über Lieder, Moden und technologische Errungenschaften, alles ist bunt und poppig und schnell. Doch bereits, was Hathaways Emma so lange an Sturgess´ Dexter festhalten lässt, wird spätestens dann schwer nachzuvollziehbar, wenn er sich zum unerträglichen Egozentriker entwickelt. Anne Hathaway und Jim Sturgess geben sich große Mühe, die wenigen Dialoge in den diversen Jahrzehnten so glaubhaft wie möglich auf die Leinwand zu bringen. Vor allem Jim Sturgess überrascht ein ums andere Mal in der Rolle des eitlen TV-Moderators. Nur hatte Dexter im Buch ein ganzes Kapitel dafür Zeit, seine Handlungen zu erklären, bleiben ihm im Film nur wenige Sekunden.

Das Wichtigste einer romantischen Komödie ist jedoch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Und die stimmt nicht, es fliegen keine Funken. Dadurch wird die Verfilmung zu einer recht frostigen Romcom, der die großen Gefühle fehlen. Regisseurin Scherfig hat also beim Griff ins Bücherregal wieder einmal eindeutig daneben gegriffen.

  

Kritikerspiegel Zwei an einem Tag



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadan... Wochenschau; mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
5.5/10 ★★★★★½☆☆☆☆ 





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INHALT

Die Zwei, die sich in Zwei an einem Tag am 15. Juli im Jahr 1988 auf einer Feier zum ersten Mal treffen sind Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess). Anstatt sich auf eine gemeinsame Nacht einzulassen, entscheiden sich die beiden dafür, einfach nur Freunde zu sein. Doch was die Zwei an einem Tag – nämlich jedes Jahr am 15. Juli – miteinander teilen, ist viel mehr als eine gewöhnliche Freundschaft. Denn jedes Mal, wenn einer von ihnen einen Schicksalschlag hinnehmen muss, ist der andere nicht weit entfernt.
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Eure Kritiken zu Zwei an einem Tag

  1. projekt2501

    Aber das ist doch keine RomCom! Und die Chemie stimmt auf ihre Art doch, aber eben ganz unromatisch, das ist es ja, worum es geht. Meine Kritik (www.2501.eu) hebt den Kritikerspiegel ein wenig, ich fände es schade, wenn mal wieder die ganzen Buchleser einen Film runterziehen, weil er nicht das Gleiche macht, wie das Buch. Verflucht. Ein Film ist ein Film. So.

  2. RobbyTobby

    @projekt2501 (!): Dieser Film ist genauso eine ´RomCom´ = romantic comedy, wie der sehr ähnliche aber weitaus bessere „Harry und Sally“ eine RomCom war. Siehe imdb, ofdb und ähnliche Portale…

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