KRITIK

Zurück im Sommer

Zurück im Sommer Julia Roberts sieht ganz schön alt aus zu Beginn dieses Familienfilms, und es dauert auch nicht lange, bis sie stirbt. Was allerdings einem Autounfall anzulasten ist, den ihr eigener Mann verursacht, und nicht dem Zahn der Zeit, dessen Wirken ihr da so kunstvoll ins Gesicht geschminkt wurde.

Man muss jedoch nicht Abschied nehmen von ihrer Figur, denn Dennis Lees Debüt erzählt nicht nur von der Trauer der Gegenwart, sondern auch von den Schmerzen der Vergangenheit. Und in diesen Rückblenden, angesiedelt 20 Jahre vor dem Crash, ist sie wieder präsent als duldsame Mutter, als ewige Beifahrerin im Leben.

Lisa Taylor hat die Unzufriedenheit ihres Mannes Charles (Willem Dafoe) zu ertragen, dessen literarische Ambitionen sich nicht erfüllen. Mehr noch aber leidet ihr Sohn Michael unter dessen Kälte und Herrschsucht. „Fireflies in the Garden“ heißt Lees Drama im Original, was auch der Titel eines Gedichts von Robert Frost ist, das der junge Michael vor Kollegen seines Daddys vorträgt und als sein eigenes ausgibt – eine Lüge, die er bereuen soll.

Dieser Vater-Sohn-Konflikt, der schon sadistische Züge trägt, wirkt bis ins Erwachsenenalter fort und quält auch den zum, was sonst, Schriftsteller herangereiften Michael (Ryan Reynolds), dessen Abrechnungs-Roman mit der Familie ebenfalls „Fireflies in the Garden“ heißt.

Der Tod der Mutter lässt die Hinterbliebenen nicht näher zusammenrücken, sondern reißt nur leidlich vernarbte Wunden auf. Michaels Kampf um Anerkennung könnte zu Herzen gehen, ebenso wie die Szenen einer lieblosen Ehe. Aber Lees schafft es nicht, die Figuren übers Stereotype hinaus zu beleben. Er verliert den Fokus, deutet eine Inzestgeschichte zwischen dem jungen Michael und seiner Tante Jane (Emily Watson) an, inszeniert oft pathetisch, bloß um am Ende doch versöhnlich zu werden. Es ist Mainstream, der sich als Arthouse-Kino tarnt und letztlich so künstlich wirkt wie Roberts` graue Haare.



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INHALT

Der erfolgreiche Schriftsteller Michael Waechter ist tief getroffen: Seine geliebte Mutter Lisa ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Schweren Herzens reist er zum Begräbnis in den Heimatort zurück, wo er seine Schwester Jane trifft und sich mit seinem verhassten Vater Charles herumschlagen muss. Familienkonflikte brechen auf, während Michael seine Kindheit Revue passieren lässt.
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Eure Kritiken zu Zurück im Sommer

  1. Manni

    Der Film muss nicht sein. Langweilig, spröde, unnahbar.

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