KRITIK

Zodiac – Die Spur des Killers

Zodiac - Die Spur des Killers Entgegen dem Trend, Gewalt als Spannungsbarometer zu nutzen und die Glorifizierung der Taten zu zelebrieren, bemüht sich Fincher in „Zodiac“ um eine faktenreiche, nüchterne Charakterstudie der Ermittler und zieht dabei den Umkehrschluss zu seinem Psychothriller „Sieben“, mit der dieser am Grat wandernde Trend einen neuen Aufschwung erfuhr.

Dabei nutzt der Regisseur das Medium Kino für eine chronologische Geschichtstunde, in der Anfangs die Taten des Zodiac, die Nachforschungen der Polizei und die Arbeit in der Redaktion des San Francisco Chronicles aufbereitet wird. Die Flut an trockenen Informationen ist, gemessen an moderne Sehgewohnheiten, erschreckend hoch. Dabei werden dem Zuschauer die Fakten in episodenartigen Bruchstücken serviert und verlangt dabei Konzentration und Sitzfleisch. Der mythische Sog aus Puzzleteilen und kryptischen Rätseln, die der Täter hinterlässt, zieht Reporter Avery, Karikaturist Graysmith und Ermittler Toschi mit Tunnelblicken in eine obsessive Sucht, die später weitaus persönlichere Folgen hat als der Kriminalfall Zodiac vorgibt.

Die Verlagerung der Perspektiven zeigt David Fincher, indem er von der Bandbreite an weit gestreuten Informationen fliessend den Fokus auf die schicksalhaften Ermittlungen der drei Protagonisten schwenkt. Dieser Zoom von Panorama zu sozialem Mikrokosmos verdeutlicht dabei nicht nur die Bessenheit sondern auch die Konsequenzen wie Alkoholsucht, Vereinsamung und Karriereenden und, wie Graysmith in Interviews bemerkte, wie die Ermittelnden auf ihre Art fast Opfer des Zodiac geworden wären.

Durch die perspektivische Verschiebung bekommt „Zodiac“ auch wieder die Aufmerksamkeit, die ihm im strapaziösen Mittelteil zu entgleiten droht. Unbestreitbar ist auch, dass Fincher auf übliche Spielereien verzichtet und in seiner klaren einfachen Inszenierung den Schauspielern Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo und vor allem Robert Downey jr. den nötigen Raum gibt, den sie genial auszufüllen wissen und so ergeben die grossartigen Darsteller und die Kleinstteilung der Informationsberge einen anspruchsvoll-intelligenten hervorragenden Film, der abseits des Getöses der Blockbuster seine leisen Kreise zieht.



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INHALT

1969 beginnt eine mysteriöse Mordserie in der Bay Area von San Francisco. In Briefen an Polizei und Presse nennt sich der Killer "Zodiac" und macht sich über die Bemühungen, ihn zu fassen, lustig. Jahre verstreichen, zahlreiche Verdächtige geraten in den Fokus der Ermittlungen, Verhaftungen gibt es keine. Schließlich macht sich Robert Graysmith, Karikaturist beim "San Francisco Chronicle", selbst daran, den mysteriösen Fall aufzuklären.
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