KRITIK

Zeiten des Aufruhrs

Zeiten des Aufruhrs Man könnte diesem Film den berühmten Aphorismus von John Lennon voranstellen: Leben ist das, was dir passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. Denn darum geht es in Sam Mendes` Adaption des Romans „Zeiten des Aufruhrs – Revolutionary Road“ von Richard Yates: um die ewig unüberbrückbare Kluft zwischen den eigenen Träumen und dem alles verschlingenden Alltag.

Mendes erzählt, mit seiner Frau Kate Winslet sowie Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen, die Geschichte einer großen Ernüchterung. Schon zu Beginn erleben wir das Ehepaar April und Frank Wheeler auf dem Nullpunkt ihrer Romanze. Eine Theateraufführung, in der April als Amateur-Schauspielerin mitgewirkt hat, ist zur Peinlichkeit geraten, was Frank mit den wenig einfühlsamen Worten „Das war ja nicht gerade ein Triumph“ kommentiert hat; nun kommt es auf der Heimfahrt zum Eklat, zum Ausbruch wohl schon lange angestauter Enttäuschung und Frustration. Mit den beiden, soviel ist jetzt schon klar, wird es kein gutes Ende nehmen.

Sam Mendes, der hier nach Filmen wie „American Beauty“, „Road to Perdition“ und „Jahrhead“ seine Dekonstruktion amerikanischer Traum- und Mannsbilder weiter forciert, wirft dabei einen Blick zurück in die 50er Jahre, in eine Aufbruchs-Ära wirtschaftlicher Blüte und grenzenloser Selbstverwirklichungs-Versprechen also. Was gleich doppelt gut aufgeht. Zum einen lässt sich diese saubere Vorstadt-Welt der Biedermänner und Hausfrauen mit ihrem maßlosen Konsum von Aperitifs und Zigaretten so schön aus ironischer Distanz betrachten. Die Erfolgsgeschichte der weißen Mittelschicht, signalisiert Mendes, darin Todd Haynes` Melodram „Dem Himmel so fern“ verwandt, war von Anfang an auf Lügen gebaut. Zum anderen aber führt einem der Regisseur vor Augen, dass sich seit damals nichts geändert hat.

Verpasste Chancen, feige Fluchten – das sind zeitlose Themen. April und Frank, grandios gespielt von Winslet und DiCaprio, gaukeln sich auch dann noch vor, etwas Besseres zu sein, als sie längst ein Leben von der Stange führen. Er arbeitet in einem Bürojob, den er verabscheut, sie kümmert sich um die beiden Kinder.

April aber, in ihrer Sehnsucht nach Besonderheit eine ferne amerikanische Verwandte von Ibsens „Hedda Gabler“, will sich mit den Verhältnissen nicht bescheiden. Und fast glückt der Ausbruch, nach Paris. Mendes inszeniert die Tragödie dieses Beinahe mit der ihm eigenen Kühle, die bisweilen einen Zug ins Künstliche hat. Trotzdem wird „Zeiten des Aufruhrs“ noch lange nachhallen.



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INHALT

Ein Vorort von New York, 1955: April und Frank Wheeler, Eltern zweier Kinder, leben in einem schmucken Anwesen in der "Revolutionary Road“ ein langweiliges Mittelklasseleben. Der Angestellte und die Schauspielerin versuchen, aus ihrem alltäglichen Trott auszubrechen. Als April die Idee hat, nach Paris auszuwandern, schliddert die Ehe des Vorzeigepärchens in eine Krise. Nach dem gleichnamigen Roman von Richard Yates, erschienen 1961.
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Eure Kritiken zu Zeiten des Aufruhrs

  1. Aljoscha

    Kate Winslet spielt super und hat den Oscar verdient. Ein super Film.

  2. tine

    Ausstattung, Dramaturgie, Schauspieler, Licht, Dialoge … 100%

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