KRITIK

Zauberer, Die

Plakat zum Film Het Geheim - Die ZaubererVorweg: Dieser Film „Die Zauberer“ hat nichts zu tun mit dem Film „Der Zauberer“, Vorname Daniel. Außer, dass es in beiden Filmen um Zauberei geht. Letzterer, der deutsche Kinderfilm von Ulli Lommel aus dem Jahr 2004 mit Daniel Küblböck in der Hauptrolle, hält sich seit Jahren tapfer auf zahlreichen Listen der „schlechtesten Filme aller Zeiten“ (im imdb-Ranking Platz 2 der Bottom 100). „Die Zauberer“ allerdings kommt aus den Niederlanden und heißt im Original „Het Geheim“. Die Geschichte des achtjährigen Ben, der unbedingt Zauberer werden will, wurde erst kürzlich auf dem Kinderfilmfest in Münster von einer Kinderjury als Bester Kinderfilm im Wettbewerb (mit dabei Huntgeburths „Tom Sawyer“) ausgezeichnet.

An dieser Stelle böte sich natürlich eine Qualitätsdiskussion über den Zustand des Kinder- und Jugendfilms in Europa im Vergleich zur deutschen (Förder-)Kinolandschaft an, würde hier aber sicherlich zu weit führen. Dazu nur so viel: Das Team um Frank Ketelaar (Drehbuch) und Joram Lürsen (Regie) liefert mit diesem Familienfilm einen eindrucksvollen Beweis, wie kindgerechte und pädagogisch wertvolle Unterhaltung für Kinder ab 6 Jahren heute aussehen kann und sollte.

Als Ben Stikker (klasse: Thor Braun) mit seiner Familie eine Vorstellung des bekannten Zauberers Hans Schmid (Daan Schurmans) besucht, steht für ihn anschließend fest: Das will ich auch können. Fortan lässt Ben keine Minute aus, um die ersten Gehversuche als Zauberer zu meistern. Sehr zum Missfallen seiner Eltern, der überforderten Mutter Laura Stikker (Chantal Janzen), die für die insgesamt fünfköpfige Familie als Lehrerin den Unterhalt verdient und Vater Koos (Theo Maassen), der wegen Höhenangst seinen Job als Forstwirt verloren hat. Womit Ben allerdings nie gerechnet hätte: Sein liebevoller aber etwas tolpatschiger Vater wurde ebenfalls infiziert mit dem „Zauber-Virus“. Hinter dem Rücken seines Sohnes meldet Koos Stikker das Vater-Sohn-Gespann beim örtlichen Illusionisten Burlage (Fred Goessens) an, um die ersten Tricks zu erlernen und eines Tages vielleicht die Geheimnisse der Zauberei lüften zu können.

Angesteckt vom Enthusiasmus seines Sohnes probiert auch Vater Koos immer wieder zahlreiche Zaubertricks aus. Schnell muss er allerdings feststellen, dass er bei weitem nicht das Talent seines Sohnes besitzt. Dennoch lässt der erste Auftritt von „Stikker und Sohn“ nicht lange auf sich warten. Bens Enthusiasmus ist kaum zu bremsen, stößt in seiner Schulklasse jedoch auf wenig Gegenliebe. Seine Mitschüler reagieren mit Neid und Mißgunst auf das Vorhaben des Vater-Sohn-Gespanns. Bis auf Mitschülerin Sylvie (Java Siegertesz), die ganz persönliche Beweggründe hat, ihrem wohlhabenden Elternhaus und ihrer strengen Nanny immer wieder fernzubleiben. Spontan schließt sie sich dem Duo an und wird als Assistentin bei „Stikker und Sohn“ fest mit eingeplant.

Szene aus dem Film Het Geheim - Die ZaubererWeil der erste Auftritt mehr oder weniger gut verläuft aber bei weitem nicht Ben´s hohe Erwartungen erfüllt, überlegen sich Vater und Sohn den nächsten großen Schritt. Auf einer Messe für Zauberei soll der neue, große Zaubertrick ausfindig gemacht werden. Auch, weil der örtliche Illusionist Berlage keine weiteren Tricks verraten will. Doch bald müssen Vater und Sohn enttäuscht feststellen, dass die richtig „großen“ Zaubertricks nur gegen sehr viel Geld zu haben sind. Und eben dieses ist nicht vorhanden. „Trübsal“ ist jedoch ein Wort, das Vater Koos nicht kennt. Auf der Messe versucht er, hinter den Trick mit einer „Verschwundenen Frau“ zu kommen. Stunden später und mit einer Idee, die er seinem Sohn nicht verraten will, verschwindet er für die nächste Zeit in seiner Garage.

Ben freundet sich in der Zwischenzeit immer mehr mit „Assistentin“ Sylvie an und versucht, mit ihr die Show einzustudieren. Sehr zum Missfallen von Mutter Laura, die das Engagement von Vater und Sohn viel lieber im Haushalt sehen würde. Die schöne Familienfassade bekommt erste Risse. Als der große Tag mit dem zweiten Auftritt kommt, lässt Vater Koos seinen Sohn weiter im Unklaren, wie er den Trick mit der „Verschwundenen Frau“ lösen will. Und natürlich kommt es wie es kommen muss: Der Trick geht schief, der Auftritt wird zum Desaster. Assistentin Sylvie wird zwar erfolgreich „weg-gezaubert“, aber der Weg zurück will dem Zauberer nicht mehr gelingen. Eine groß angelegte Suche nach Sylvie bleibt erfolglos. Und weil Vater Koos seinen Trick erst nicht verraten will, beginnt für die Familie ein Albtraum, den man lieber verhindert hätte. Nur wenige Stunden später stehen nicht nur Sylvies verzweifelte Mutter, sondern auch die Polizei und das Fernsehen bei den Stikkers in der Haustür. Jetzt kann nur noch der große Zauberer Hans Schmid helfen.

Nicht nur die kleinsten, auch die größeren Zuschauer werden im Unklaren darüber gelassen, was mit Sylvie in der Box passiert. So gelingt es dem Drehbuch von Frank Ketelaar, das im übrigen auf keinem Kinderbuch basiert, wunderbar, Alt und Jung für die Geschichte zu begeistern. Fast im Vorbeigehen werden Werte wie Vertrauen, Unterstützung, Freundschaft, Familiensinn und Hilfsbereitschaft vermittelt. Fast ein wenig zu schwer wiegen zwar im zweiten Drittel von „Het Geheim“ die Probleme, doch die zurückhalltend inszenierte Geschichte gibt zu jeder Sekunde zu erkennen, dass diese Probleme stets lösbar sind.

Motor dieses Vertrauens ist die haarscharf am Rande zur Karikatur gezeichnete Figur des Vaters, überzeugend verkörpert von Theo Maassen („Das Interview“, „Black Book“), der seinen Sohn zunächst unterstützen will, dann aber seinen Traum beinahe zerplatzen lässt. Mit viel Liebe zu den Figuren können aber Regisseur und Darsteller mit dieser Verantwortung sehr gut umgehen. Auf dem KinderFilmFest in Münster wurden die glaubhaften Szenen zwischen Vater und Sohn, obwohl mit einer deutschen Stimme im Saal eingesprochen, mit viel Begeisterung und Applaus aufgenommen. Über 150 Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren gaben in zwei Vorstellungen nur Bestnoten für den Film und wählten damit „Die Zauberer“ zum verdienten JULE-Preisträger 2011.

Hier die Begründung der KinderJury zu „Die Zauberer“. Der Film ist bereits in den Niederlanden als Kauf-DVD/Blu-ray erhältlich.

  



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Zauberei ist Bens große Leidenschaft. Als er bei einem alten Bühnen-Magier Unterricht nehmen kann, kommt sein arbeitsloser Vater gleich mit. Von nun an treten sie gemeinsam mit Bens Freundin Sylvie bei Festen und kleinen Veranstaltungen auf. Aber eines Tages verschwindet Sylvie mitten aus einem Zaubertrick und taucht nicht mehr auf! Die Aufregung ist groß und niemand weiß, wie man sie zurückzaubern könnte. Ist tatsächlich Zauberei im Spiel, oder gibt es eine ganz andere, einfache Erklärung?
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*