KRITIK

Yves Saint Laurent

Bild (c) SquareOne / Universum.

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Jalil Lesperts Version von Yves Saint Laurent. Ein so genanntes Biopic über einen der berühmtesten Modeschöpfer der Neuzeit. Im Abspann verkündet eine Texttafel, Yves Saint Laurent habe die Frauenmode „revolutioniert“. Gut, dass es da steht, denn aus den zuvor gesehenen 106 Minuten geht das nicht unbedingt hervor. Zwar gibt es fast im Minutentakt beeindruckende Beispiele der Gestaltungskunst dieses legendären Modekünstlers zu sehen – die Filmproduktion durfte auf Originalteile der Saint-Laurent-Stiftung zurückgreifen und sogar auf das Archiv von Christian Dior, als dessen Assistent Saint Laurent seine Laufbahn Mitte der 1950er Jahre begann. Davon aber, wie diese Meisterwerke entstanden sind, erzählt Regisseur Jalil Lespert nichts. Das Genie des 2008 verstorbenen Avantgardisten bleibt Behauptung.

Stattdessen erzählt Lespert vor allem von der symbiotischen Liebes- und Geschäftsbeziehung Saint Laurents mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé. Während der manisch-depressive, schüchtern-verstockte Modedesigner mit heftigen Versagensängsten zu kämpfen hat und überfordert ist von der Aufgabe, pro Jahr vier Kollektionen abliefern zu müssen, wird Bergé als Fels in der Brandung inszeniert, der dem Kreativgenie den Rücken freihält und stoisch dessen Eskapaden erträgt. Kein Wunder also, dass Bergé, heute 83, den Film autorisiert hat: Er selbst kommt darin als Held weg.

Bild (c) SquareOne / Universum.

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Die Sex- und Drogenexzesse, in denen sich Saint Laurent in den Siebzigern verliert, inszeniert Lespert ebenso stylish wie den Rest des Films, der in seiner oberflächlichen Schönheit einem Coffeetable-Bildband gleicht: Im Sauseschritt geht´s durch Saint Laurents erste zwei Berufsjahrzehnte. Nach Liebe und Beinahe-Absturz dann am Ende das Siegel: ein Revolutionär! Immerhin stürzen sich die Hauptdarsteller Pierre Niney (Saint Laurent) und Guillaume Gallienne (Bergé), beide aus dem festen Ensemble des franz. Nationaltheaters „Comédie-Francaise, mit Haut und Haaren in ihre Rollen. Sie allein stellen sicher, dass der Zuschauer dran bleibt.

Am Tag des Kinostarts in Deutschland wurden die Filme verkündet, die im Wettbewerb des anstehenden Filmfestivals in Cannes konkurrieren werden. Darunter ist auch „Saint Laurent“ des französischen Regisseurs Betrand Bonello. Womöglich wird das eine erhellendere, wagemutigere Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk dieses Jahrhundertdesigners. Jalil Lesperts erst dritter Spielfilm als Regisseur ist es nicht.

 




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INHALT

Paris 1957. Der gerade einmal 21-jährige Yves Saint Laurent ist einer der talentiertesten Nachwuchsdesigner Frankreichs und die rechte Hand des Modeschöpfers Christian Dior. Als dieser unerwartet stirbt, wird Yves künstlerischer Leiter einer der renommiertesten Modemarken der Welt. Seine erste Kollektion, von der Welt der Haute Couture mit großer Skepsis erwartet, wird für den jungen, genialen Modeschöpfer zu einem triumphalen Erfolg und macht ihn über Nacht weltberühmt. Während einer Modenschau trifft der schüchterne Yves Saint Laurent auf Pierre Bergé, eine Begegnung, die sein Leben von Grund auf verändern wird. Die beiden werden Lebens- und Geschäftspartner und gründen keine drei Jahre später unter enormem Risiko ihr eigenes, legendäres Modelabel „Yves Saint Laurent“. Doch Yves Kreativität nimmt über die Jahre immer selbstzerstörerische Züge an, die sowohl seine Beziehung zu Pierre, der Liebe seines Lebens, als auch die Zukunft seines Unternehmens gefährden. Trotz seiner inneren Kämpfe gelingt es Yves Saint Laurent, die Welt der Mode für immer zu revolutionieren und er wird zu einem der bedeutendsten, innovativsten und einflussreichsten Modeschöpfer aller Zeiten ... (Text: Universum Film)
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