KRITIK

World War Z

Plakat zum Film World War ZDas aktuelle Kino und die Untoten! Früher musste sich der Wiedergängerfreund noch in Bahnhofskinos oder VHS-Videotheken vorwagen, um sich Zeit mit Zombies zu erkaufen; inzwischen sind die lebenden Toten Mainstream. Ob romantisch („Warm Bodies“), satirisch („Zombieland“) oder im Fernsehen („The Walking Dead“): Den Klauen der menschenfleischsüchtigen Horrorgestalten ist medial kaum mehr zu entkommen.

Inzwischen werden deshalb auch multimillionenteure Blockbuster zum Thema gedreht. Dem in Danny Boyles „28 Days Later“ gesetzten Standard folgend sind die Zombies in „World War Z“ keine hirnentkernt taumelnde Grabentfleuchte mehr, sondern sprintstarke, raubtierähnliche Mampfbestien – und hinter allem steckt natürlich eine Virus­plage. Daran lassen sich schließlich bestens irgendwelche diffusen öko-soziologischen Diskurse anknüpfen: Das Spektakel erfährt einen Hauch zeitdiagnostischer Relevanz. Die Plage breitet sich rasend schnell aus, die Menschheit wird zu Millionen und Milliarden infiziert. Der Film hat seine voyeuristische Freude daran, die armeegroßen Zombieschwärme aus der Vogelperspektive dabei abzulichten, wie sie meereswellengleich immer neue Hindernisse überschwappen. Der Einzelzombie hat ausgedient, hier ist er nur noch Masse.

Szene aus dem Film World War ZBrad Pitt stellt sich als Ex-UN-Spezialist der Plage entgegen; seine Familie kann er gerade noch in Sicherheit bringen. Er jettet an die koreanische Grenze und ins Westjordanland, um schließlich in Wales einen ersten Durchbruch zu erzielen. Dort spielt Moritz Bleibtreu einen Arzt der WHO. Er spricht drei Sätze. Diverse Drehbuchautoren dampften die vielschichtige Romanvorlage von Max Brooks zu einer konventionellen Story zusammen, zwischen Brad Pitt, Regisseur Marc Forster („Ein Quantum Trost„) und dem Studio gab es angeblich monatelang Zoff. Überraschenderweise kam trotzdem ein relativ spannender Actionreißer dabei heraus, der am Ende zudem erfreulich ergebnisoffen bleibt.

Eingefleischte Horrorfans indes dürften entsetzt sein, denn das ironisch-halbseidene Erbe der alten B-Film-Zombies wurde restlos getilgt. Bierernst und unblutig (man könnte auch schimpfen: seelenlos und steril) wird hier ein bekannter Plot durchexerziert: Mal wieder geht die Welt unter. Spannend zwar aber doch irgendwie zu seelenlos.

  

 



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INHALT

Diesen Sommer begibt sich ein Mann in ein Rennen gegen die Zeit, um eine geteilte Welt am Vorabend ihres Untergangs zu vereinen. Jede Kultur, jede Waffe und jede Armee wird sich erheben, denn die einzige Hoffnung aufs Überleben ist Krieg. Das Ende steht unaufhaltsam bevor. Eine tödliche Pandemie breitet sich über Kontinente hinweg aus. Das Ausmaß der weltweiten Katastrophe mit unzähligen Toten und Infizierten ist kaum fassbar. Keine Regierung kann dem alltäglichen Chaos und Sterben noch etwas entgegensetzen. Eine Welt, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr und die gesamte Zivilisation steht am Rande des Untergangs: Es herrscht ein globaler Krieg - es herrscht der WORLD WAR Z! (Text: Paramount Film)
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