KRITIK

Words and Pictures

Bild (c) Senator Film Verleih.

Bild (c) Senator Film Verleih.

Worte oder Bilder – was ist wichtiger? Neu ist die Frage nicht, und in Zeiten, in denen weite Teile der Jugend manisch Fotos und Grafiken auf ihren Tumblr-Blogs oder Instagram-Profilen zusammenschieben, scheint die in den Kunst- und Geisteswissenschaften schon vor zwanzig Jahren beschriebene „ikonische Wende“ vollzogen zu sein.

Andere würden sagen: Nö, auch die Kids von heute reihen zum Chat per „What‘s App“ nach wie vor Buchstaben aneinander. Und sowieso sei ja letztlich alles Text. Regie-Routinier Fred Schepisi (Jahrgang 1939, „Roxanne“, „I.Q. – Liebe ist relativ“, „Es bleibt in der Familie“) dekliniert den Zwist zwischen Wort- und Bildverfechtern in dieser romantischen Komödie anhand zweier halb-verbitterter Privatschullehrer aus Neuengland durch: Englischlehrer Jack (Clive Owen, „The International„, „Shadow Dancer“) hat es als Schriftsteller nicht geschafft, ist dem Wodka zugeneigt und kann seinen zynischen Selbst- und Schülerekel nur durch mantrahaftes Zitieren von Weltliteratur in Schach halten. Kunstlehrerin Dina dagegen (Juliette Binoche, derzeit auch in „Godzilla“) leidet an Arthritis und musste ihre Karriere als Malerin abbrechen. Als sie ihren Schülern eintrichtert, Worte seien „Fallen“, ruft Jack empört einen Klassen-Wettstreit aus: Worte gegen Bilder!

_DSC4527.NEFDie hervorragenden Haupt- und Nebendarsteller, insbesondere der Brite Clive Owen und die Französin Juliette Binoche sind das Plus dieses Films. In guter alter Screwball-Comedy-Manier blendend schwadronierend und harmonieren. Dass der Wettstreit bloß einen großen Flirt maskiert, an dessen Ende das verhinderte Paar zueinanderfinden wird, versteht sich von selbst. Leider aber hat das durchweg vorhersehbare Drehbuch keinerlei Subtilitäten in der Hinterhand, vor allem die Nebenfiguren wirken sehr lieblos gezeichnet. Die Privatschüler etwa werden als derart ignorante Smartphone-Junkies gezeichnet, dass man sie aus jedem Gymnasium sofort herauskomplimentieren müsste.

Was sie am Ende für die „Wort“-Seite ins Feld führen, erschöpft sich denn auch in einer hochtrabenden Zitatekompilation. Auch für die Argumente der Bild-Apologeten aus der Kunstklasse findet Schepsisi keine überzeugenden (Film)-Bilder. Das Alles ist einfach zu wenig. Facharbeitsnote: ausreichend.

 




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INHALT

Seine besten Jahre als gefeierter Schriftsteller liegen hinter ihm. Dennoch zehrt Jack Marcus (Clive Owen), der an einem Internat in Neuengland unterrichtet, immer noch von seinem früheren Ruhm. Trinkt allerdings auch vor lauter Frust über seine lethargischen Schüler und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Als wäre sein Leben nicht schon kompliziert genug, taucht plötzlich Dina Delsanto (Juliette Binoche) an der Schule auf. Die Malerin übernimmt den Kunstunterricht und hat wegen ihrer unnahbaren Art im Nu einen Spitznamen weg: Eiszapfen. Fast noch schneller legt sie sich mit Jack an, denn sie ist davon überzeugt, dass die bildende Kunst der Sprache weit überlegen ist. Was Jack natürlich nicht widerspruchslos hinnimmt. Die beiden starten eine lustvolle Privatfehde, in deren Verlauf sie sich verbal so einiges um die Ohren hauen. Doch schließlich treibt Jack es zu weit: Als ihm wegen seiner Trinkerei gekündigt werden soll, tut er etwas Unverzeihliches, um den drohenden Rausschmiss zu verhindern ... (Text Senator Film Verleih)
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