AKTUELL IM KINO

Wonder Woman

Bild (c) 2017 Warner Bros. Germany.

Auf Filmen wie „Wonder Woman“ liegt dieser Tage ein unfairer und massiver Erfolgsdruck: Das Produkt muss sowohl bei den Kritikern und Fans erfolgreich sein als auch an den Kassen einschlagen, damit Actionfilme mit weiblichen Superhelden in den weltweiten Kinos eine Zukunft haben. Auch die Frage, ob weibliche Regisseure bei so großen Blockbustern in naher Zukunft Regie führen dürfen, wird an Filmen wie „Wonder Woman“ gerne festgemacht. Die DC-Comicverfilmung ist erst der dritte Film mit einem Budget von über 100 Mio. Dollar, der von einer Frau pilotiert wird. Kein leichtes Kreuz, welches die Wunderfrau und ihre Regisseurin Patty Jenkins da tragen müssen. Und auch wenn niemand diese Erwartungshaltung erfüllen kann, ist dennoch mit allen Beteiligten ein sehr charmanter Superheldinnen-Film entstanden.

Petty Jenkins „Wonder Woman“ wird wohl  kaum das Genre revolutionieren, genießen darf der Zuschauer ihn aber dennoch. Auch ohne das Schicksal des weiblichen Hollywoods dabei stetig im Hinterkopf zu haben. Darüber hinaus tätigt die Comicverfilmung einen ersten wichtigen Schritt ins „Viel-Mannsland“ der Kino-Superhelden und verpasst der viel geschassten DC-Welt eine kleine aber willkommene Kurskorrektur.

Zur „Wonder Woman“-Mythologie: Auf einer für das menschliche Auge unsichtbaren Insel wächst die junge Diana (klasse: Lily Aspell als achtjährige Diana) unter zahlreichen Göttinnen/Amazonen auf. Schon als junges Mädchen möchte sie selbst eine große Kriegerin werden. Mit viel Dickköpfigkeit und mithilfe ihrer Tante Antiope (Robin Wright) lässt sie sich gegen den Willen ihrer Mutter Hippolyta (Connie Nielsen) zu einer solchen ausbilden. Als Erwachsene entdeckt Diana jedoch, dass noch viele andere Talente in ihr schlummern. Diese kommen zum Einsatz, als der Spion Steve Trevor (Chris Pine) mit einem deutschen Flugzeug nicht weit von der versteckten Insel entfernt bruchlandet. Diana kann ihn in letzter Sekunde vor dem Ertrinken bewahren und ihn vor den anrauschenden deutschen Soldaten retten.

Die Welt, vor der sich die Göttinnen und Amazonen so lange versteckt hielten, befindet sich hier im 1. Weltkrieg. Ein Krieg, der alle anderen Kriege beenden sollte. Kein Wunder, dass sich die tapfere Diana sofort ein Schwert und ein goldenes Lasso schnappt, um die Welt vor dem Schlimmsten zu bewahren. In diesem bestimmten Fall vermutet sie, dass sich der gefallene Gott Ares, der Kriegsgott, hinter den bösen, deutschen Machenschaften versteckt. Zusammen mit Spion Steve schmuggelt sie sich an faulen Generälen vorbei, um den Kriegsgott zu erledigen. An der Front angekommen, erwartet sie jedoch mehr menschlicher Hass und menschliches Leid, als sie sich jemals hätte vorstellen können.

Von der internationalen Presse gefeiert, ist „Wonder Woman“ im Kern eine recht konventionelle Comicverfilmung, mit all ihren Fehlern und Schwächen. Dennoch finden sich im Film wie in der Hauptprotagonistin Stärken, die im Detail und nicht unbedingt im Grobkörnigen versteckt liegen. Vieles kann sicherlich zurecht kritisiert werden: Der mit etwas zu viel Mythologie und mühseligen Erklärungen vollgepackte Anfang, den Drehbuchautor Allan Weinberg vielleicht lieber auf die Gesamtlaufzeit hätte verteilen sollen; die etwas holprigen Effekte, die durch das in modernen Blockbustern so beliebte Spiel mit Zeitlupe und -raffer nicht unbedingt besser werden; und natürlich die beiden deutsche Bösewichte, gespielt von Danny Huston und Elena Anaya, die selten über den eindimensionalen Karikatur-Status hinausreichen.

Generell ist dem Film anzumerken, dass Regisseurin Patty Jenkins noch nicht mit dem Tempo eines Actionfilmes vertraut ist, was wiederum vielleicht daran liegen mag, dass sie seit 2003 („Monster„) bei keinem Kinofilm mehr Regie geführt hat … oder führen durfte.

Auf der anderen Seite hat der erste Soloauftritt namens „Wonder Woman“ das, was dem DC-Filmuniversum unter der Schirmherrschaft von Regisseur Zack Snyder bisher vollends gefehlt hat: viel Herz. Ein Großteil davon hat die Comicverfilmung der israelischen Hauptdarstellerin Gal Gadot zu verdanken. Die junge Darstellerin gehörte bereits inmitten der beiden stets grimmig dreinschauenden Crossfit-Dudes Ben Affleck und Henry Cavill zu den charmantesten Elementen des DC-Rohrkrepierers „Batman v. Superman – Dawn of Justice„. Nun hat sie die verdiente Chance, diesen kurzzeitig erworbenen Charme voll auszuspielen. Mit einem wachen und ausdrucksstarken Gesicht nimmt sie die neue Welt außerhalb ihres Inselreiches in sich auf. Zu jeder Zeit entdeckt sie überzeugend und mitfühlend den Horror und die Freude dieser Umgebung, so dass beispielsweise der Genuss eines Eiscreme-Hörnchens mit zu den besten Momenten des Films gehört.

Ein zweites großes Plus ist ihr Filmpartner Chris Pine, der als sehr menschlicher Spion zwar nur die zweite Geige spielen darf, aber immer noch genügend Heldenmomente bekommt. Trotzdem hat es nie den Anschein, als würden Pine und Gadot um die Leinwand-Vorherrschaft konkurrieren. Vielmehr ist der US-Amerikaner willens, eine formidable Ergänzung zu sein, so dass sich zwischen ihm und Gadot eine wunderbare Chemie aufbauen kann. Die sich natürlich zu einer durchaus emotional aufgeladenen und mitreißenden Romanze entwickelt. Zwar mag es vordergründig so wirken, als sei Pines Steve Trevor ein weiterer Held, der seiner Filmpartnerin die Welt erklärt, allerdings ist es letztendlich „Wonder Woman“, die mit ihrer ehrlichen und noblen Gesinnung den allzu menschlichen Zynismus aus dem Geheimagenten und seiner Gefolgschaft austreiben darf. Dies darf stellenweise ruhig naiv und pathetisch wirken, gehört es doch zur bereits erfolgreich etablierten Comic-Grammatik.

„Wonder Woman“ ist kein Schritt hin zu einer Revolution des Genres, allerdings sollte den Verantwortlichen der Multimillionen Dollar-Produktion, allen voran Petty Jenkins, hoch angerechnet werden, dass sie sich inmitten des ganzen Götterspuks und Kriegsgetöses Zeit für kleine, menschliche Momente nehmen. Dabei lässt es sich auch die DC-Heldin nicht nehmen, sich in die für Comic-Adaptionen üblichen Heldenposen zu schmeißen. Leider stolpert sie dabei insbesondere im dritten Akt in die genre-typische CGI-Explosionsfalle. Am Ende besteht aber dann dennoch die berechtigte Hoffnung, dass Regisseurin Patty Jenkins in einer mehr als wahrscheinlichen Fortsetzung etwas mehr Freiheit im oftmals zu engen Comic-Korsett gegönnt wird. Man(n) darf gespannt sein!

 

Kritikerspiegel Wonder Woman



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
8/10 ★★★★★★★★☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau für Münster, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Stefan Turiak
Widescreen, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7.5/10 ★★★★★★★½☆☆ 


Weitere aktuelle Noten zu kommenden Kinofilmen in unserem Kritikerspiegel.

 



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