KRITIK

Wolfsbrüder

Plakat zum Film WolfsbruederWas hätte das für ein aufregender Film sein können: eine Erzählung von Not und Elend im Spanien unter Franco, der Lebensroman eines Mannes, der wie ehedem Tarzan aus der Wildnis in die Zivilisation verpflanzt wird und dort aus der Spur gerät. Große Themen! Doch was Regisseur Gerardo Olivares („14 Kilometer“) daraus macht, ist ein familienkompatibles Naturbestaunekino in gemächlichem Tempo. Das ist für sich genommen nichts Schlimmes, in diesem Fall aber doch ein wenig enttäuschend.

Grundlage des Films nämlich ist die unglaubliche Lebensgeschichte des heutigen Mittsechzigers Marcos Rodríguez Pantoja, der zwölf Jahre lang in einem entlegenen andalusischen Tal aufwuchs – buchstäblich allein unter Wölfen. Mitte der 1950er Jahre hatten die bettelarmen Eltern den gerade Siebenjährigen an einen Großgrundbesitzer verkauft, der ihn wiederum einem alten Ziegenhirten anvertraute, weit draußen in der Sierra Morena. Der Hirte starb, Marcos blieb. Ein gezähmtes Frettchen half dem Jungen beim Hasenjagen, ein Rudel Wölfe half ihm beim Überleben. Erst zwölf Jahre später fand ihn dann die Guardia Civil, aus dem vermeintlich Befreiten wurde schnell ein Verlorener, ein Vagabund und Alkoholiker.

Szene aus dem Film WolfsbruederAm Ende des Films tritt der echte Pantoja auf und sagt: „Die Jahre in der Wildnis waren die schönsten meines Lebens.“ Die feudalistischen Zustände in der Franco-Diktatur, die arme Bauern dazu zwangen, Kinder als Leibeigene zu verkaufen, bleiben in „Wolfsbrüder“ leider ebenso Randnotiz wie das Leben Marcos’ nach seiner Auffindung: Übrig bleibt ein Tier- und Heimatstück, das sich auf grandiose Bilder von Hasenjagd, Heilkräutersuche und Wolfsannäherung stützt. Der preisgekrönte Naturfilmer Joaquín G. Acha griff Olivares dabei unter die Arme. Auch Manuel Camacho, der den kleinen Marcos spielt, beeindruckt. Allein der Eindruck will nicht weichen, dass das alles auch ein komplexeres, spannenderes Drama hätte ergeben können.

 

Kritikerspiegel Wolfsbrüder



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Dimitrios Athanassiou
moviemaze.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
0/10 ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 





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INHALT

Der 7-jährige Marcos wird von seinem Vater an einen Großgrundbesitzer verkauft, der ihn zusammen mit einem alten Hirten in das Tal der Stille schickt, wo er Ziegen hirten soll. Der Hirte bringt Marcos alles bei, was es über das Leben in der Wildnis zu wissen gibt. Doch dann stirbt der alte Mann und Marcos bleibt alleine im Tal zurück. Sein täglicher Kampf ums Überleben gestaltet sich schwierig, doch als Marcos sich mit einem Rudel Wölfe anfreundet, die ihn nach einer Weile als Teil des Rudels akzeptieren, wird sein Leben besser. 12 Jahre lang ist der nun fast erwachsene Marcos auf sich alleine gestellt - doch dann kommen eines Tages Menschen ins Tal.
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