KRITIK

Wochenende, Das

Plakat zum Film WochenendeJens ist aus dem Gefängnis entlassen! Nach 18 Jahren wird der Ex-RAF-Terrorist (Sebastian Koch) begnadigt, und seine Schwester (Barbara Auer) bereitet ihm ein Willkommens-Wochenende. Wo? Auf einem schick landlustig sanierten Gehöft in der Uckermark, das sie sich vom Erbe der Eltern leistete. Die Zeit schritt voran. Die Untergrund-Revolutionäre der Siebziger gehören heute zur arrivierten Kulturbourgeoisie. Auch Jens´ Ex Inga (Katja Riemann, brünett) nimmt an diesem Wochenende teil, gemeinsam mit ihrem Mann (Tobias Moretti), einem Konditoreikettenzampano, und der Tochter. Natürlich ist auch Henner (Sylvester Groth) dabei, einst fanatisch, heute Autor mit pop-ironischer Distanz zur Geschichte.

Wie Jens, der noch ein Geheimnis hat, auf diese ihm ferngerückten Freunde reagiert, das erzählte Bernhard Schlink in seinem (am Fall Christian Klar orientierten) Roman „Das Wochenende“. Der wurde 2008 wenig gnädig aufgenommen: Zu schematisch lässt er den Ewiggestrigen auf die Angekommenen prallen, zu papieren wirken die Dialoge, zu sehr müssen die Figuren Stellvertreter spielen für innerdeutsche Debattenpositionen.

Szene aus dem Film Das WochenendeBesser werden die Dialoge leider auch in dieser (sehr freien) Kinoversion von Nina Grosse nicht; immerhin aber werden sie von deutschen Großmimen durchexerziert. Das Politische daran tritt in der fernsehbiederen Inszenierung indes bald in den Hintergrund, die Verrats-Problematik und der Generationenkonflikt wird stattdessen im rein Privaten angesiedelt. Dazu muss noch Jens’ verlorener Sohn (stark: Robert Gwisdek) mit dem selbstgerechten Vater abrechnen. So wie Jens es damals selbst tat. Das versöhnliche Finale aber passt zu diesem Film, der nie in die wirklich spannenden Bereiche vordringt.

  



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INHALT

Ingas (Katja Riemann) geordnetes Leben gerät ins Wanken, als ihre Freundin Tina Kessler (Barbara Auer) sie zu einem Treffen mit Freunden in ihr Landhaus einlädt. Der Anlass könnte für Inga nicht schockierender sein: Ihre Jugendliebe, das ehemalige RAF-Mitglied Jens Kessler (Sebastian Koch), wird überraschend nach 18 Jahren Haft entlassen. Inga will zunächst absagen, doch auf Drängen ihres Mannes Ulrich (Tobias Moretti) nimmt sie die Einladung an. Sie verspürt wenig Lust, den Vater ihres gemeinsamen Sohnes Gregor (Robert Gwisdek) wieder zu sehen. Im Landhaus angekommen, treffen Inga und Ulrich auch auf Henner (Sylvester Groth), der damals zu ihrem engsten Kreis gehörte. Was als Willkommenswochenende gedacht war, gerät zu einer Reise in die Vergangenheit. Alte Konflikte und Anschuldigungen kommen wieder auf, und Jens‘ brennende Frage, wer ihn damals verraten hat, scheint in den Hintergrund zu treten. Alte und neue Überzeugungen und Lebensentwürfe prallen ungebremst aufeinander. Die Situation eskaliert, als Gregor unerwartet auftaucht - auch er hat mit seinem Vater Jens eine offene Rechnung. (Text: Universum Filmverleih)
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