KRITIK

Wo ist Fred?

Wo ist Fred? Erstaunlicherweise zieht Deutschlands männlichster Sprechtenor Til Schweiger („Barfuß“) immer noch die Massen an. Vielleicht rettet das ja auch dieses boulevardeske Lustspiel vor der eigentlich erwartbaren Schnellverklappung. Regisseur Anno Saul, der sich mit „Grüne Wüste“ als sensibler Filmemacher eingeführt und zuletzt mit „Kebab Connection“ Handwerk der besseren Sorte vorgelegt hatte, kommt hier jedenfalls über standardisiertes Fernsehniveau nicht hinaus.

Die Story ist selten dämlich. Um den fetten (und peinigend schwach gespielten) Sohn seiner zickigen Verlobten (Anja Kling aus „Es ist ein Elch entsprungen“) zu besänftigen, muss Polier Fred (Schweiger) einen Basketball besorgen, den Mercurio Müller, (fiktiver) Star des Hauptstadtteams „Alba Berlin“, persönlich signiert hat. Weil solcherlei Bälle nur an die prestigefördernd gehätschelten behinderten Fans der Mannschaft verteilt werden, spielt Fred fortan einen stummen Rollstuhlfahrer – und landet direkt in der Bredouille. Denn seine Eskapaden muss er vor der Zukünftigen geheim halten, und allzu öffentlich darf der virile Bauarbeiter natürlich nicht als Behinderter in Erscheinung treten. Dumm ist es, dass er ausgerechnet die Hauptrolle in einem Imagefilm des Basketballteams spielen soll.

Anlass genug also für bemüht politisch unkorrekte Behindertenwitze (die vergeblich den Geschmacklosigkeitshohepriestern Farrelly Brothers hinterherblödeln) und Slapstick-Verwicklungen in muffigster Didi-Hallervorden-Manier. Der momentan unvermeidliche Jürgen Vogel („Ein Freund von mir“) hat noch den besten und lockersten Part als Freds falscher Pfleger, der Rest hingegen verursacht des öfteren ungläubiges Kopfschütteln. Zum Beispiel über Alexandra Maria Lara („Offset“), die hier als treudoof-naives Reportergirl einem Frauenbild zuarbeitet, das man in Zeiten von Lara Croft und Ursula von der Leyen längst überwunden geglaubt hatte. Oder über Til Schweiger, der als grimassierender Fake-Gelähmter aufs Neue vor Augen führt, dass er als Synchronsprecher für gestreifte Tiger am besten aufgehoben ist – wie unlängst in „Oh wie schön ist Panama“. Oder auch über den „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst, der als grantiger Rollstuhlfahrer mit nervösem Tick und Neurodermitis beweist, dass er auch nicht in jeder Rolle witzig ist.<br<
Das Drehbuch wurde übrigens direkt aus den USA importiert und dann vom „Türkisch für Anfänger“-Autoren Bora Dagtekin ins Berliner Umfeld eingepasst. Es hat aber nicht viel genutzt: Abgestandene Komödie bleibt abgestandene Komödie.



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INHALT

Um seiner Angebeteten Mara, respektive deren verzogenen Sohn zu imponieren unternimmt Polier Fred einen drastischen Versuch, um an einen handsignierten Basketball von Alba Berlin zu kommen. Er gibt sich mit Hilfe seines Freundes Alex als Behinderter aus und sogt damit für Verwicklungen.
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Eure Kritiken zu Wo ist Fred?

  1. philippcde

    Sehr gelungener, unterhaltsamer und großteils prächtig besetzter Film nach einem amerikanischen Drehbuch – daher die Klasse!
    Wer ein Problem mit political Uncorrectness hat, sollte ihn nicht sehen oder kommentieren. Für den Rest ist er ein Fest!

  2. nina

    der film ist eine derbe enttäuschung. und das auf der ganzen linie. nicht einmal jürgen vogel kann wieder ausbaden, was drehbuch und schweiger da anstellen. wirklich peinlich.

  3. Udo

    Nach vielen Kritiken, mit denen ich sehr übereinstimme, muss ich hier zum ersten Mal sagen, dass der Film zwar immer am Rande einer Verarsche vorbeischwappt, aber dennnoch sehr witzig ist. Das Duo Schweiger/Vogel kann hier überzeugen. Und Humor hat der, der trotzdem lacht.

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