KRITIK

Wo die wilden Kerle wohnen

Wo die wilden Kerle wohnen Trotz Knuddelmonster auf dem Plakat ist dies kein Kinderfilm. Nicht umsonst betont Regisseur Spike Jonze immer wieder, es sei eher ein Film über die Kindheit. Und die ist eben nicht nur lustig. Jonze ist mit intellektuellen Meta-Filmen wie „Being John Malkovich“ berühmt geworden, es war also klar, dass seine Film-Umsetzung des berühmten Kinderbilderbuchs „Where the Wild Things are“ von Maurice Sendak nichts für die Potter-Gemeinde sein würde.

Tatsächlich ist ihm ein Geniestreich gelungen, und man weiß nicht, was ihm daran wohl schöner geriet: die mit Handkamera fragmentarisch hingetupfte Rahmenhandlung vielleicht, in der der kleine Junge Max (grandioses Debüt: Max Records) als ebenso überdrehtes wie trauriges Scheidungskind eingeführt wird. Oder der Mittelteil, in dem Max auf einer verwunschenen Trauminsel, im Rückzugsgebiet seiner Fantasie, eine zerstrittene Monstersippe trifft, die ihn prompt zum König wählt

Wie riesige Muppets sehen diese Zottelwesen aus (ihre Mimik ist überzeugend computeranimiert), doch neigen sie zu Destruktion und Depression. „Wirst du machen, dass die Traurigkeit weggeht?“, fragt Carol, der verlorenste von ihnen. Eine Aufgabe, an der Max nur scheitern kann – eine Lösung gibt es nicht, denn die Monster verkörpern die widerstreitenden Dämonen im Inneren seiner Kinderseele. Trotz aller Action, trotz wunderschön surreal ins Bild gesetzter Schauplätze erzeugt Jonzes Traumland eine Stimmung tiefer Melancholie, die man so in einer Kinderbuchverfilmung kaum erwartet hätte.

Im Original werden die Monster kongenial unaufgeregt von Leuten wie James „Sopranos“ Gandolfini oder Forest Whitaker gesprochen – hoffentlich wurde das in der Synchronisation nicht verhunzt. Bleiben wird in jedem Fall der (eben Golden-Globe-nominierte) Soundtrack des Jahres: Geschrieben hat ihn die „Yeah Yeah Yeahs“-Sängerin Karen O, und er jagt einem nur so durch die Glieder. Wie der Rest dieses tief bewegenden, herrlich ungewöhnlichen Films. Herausragend.



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INHALT

Max ist ein Kind voller Wut und unkontrollierter Impulse, und doch eine sensitive Seele, die sich allein gelassen fühlt. Nach einem Streit mit seiner gutmütigen, aber überforderten Mutter flüchtet er in eine Traumwelt - auf eine Insel mit monströse wirkenden, im Grunde aber kindlichen Kreaturen, die den wilden Jungen als König akzeptieren. Einige Tage lebt und tollt Max mit den neuen Freunden, bis es auch hier zu Enttäuschungen und Streit kommt. Doch Max weiß, dass jemand auf ihn wartet, der ihn immer lieben wird. Bedingungslos.
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