KRITIK

Wir wollten auf´s Meer

Plakat zum Film Wir wollten auf´s MeerGleich zu Beginn des Films ausgelassene Bilder: Cornelis und Andreas kommen in Rostock an, um als Matrosen der Handelsmarine zur See zu fahren. 1982 ist das eine der wenigen Möglichkeiten, mal ´rauszukommen´ aus der DDR. Doch drei Jahre später schuften sie immer noch im Hafen. Der Frust sitzt tief, als sich plötzlich die Stasi meldet: Wenn Conny und Andi dem Geheimdienst Infos über den fluchtwilligen Brigadier Matze Schönherr liefern, dürfen sie endlich „aufs Meer“. So wird es ihnen versprochen.

Ob im TV („Es ist nicht vorbei“) oder im Kino („Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen“), die DDR und die Stasi haben sich in den letzten Jahren als ideale Aufhänger für deutsche Moraldramen entwickelt. Als Referenzfilme gelten „Das Leben der Anderen“ und Christian Petzolds diesjähriger Berlinale-Hit „Barbara“. Und auch das Regiedebüt von Toke C. Hebbeln rankt sich in übervollen zwei Stunden vor allem um die Zwickmühlen, in die der Spitzeldienst des Realsozialismus seine Bürger zwang.

Szene aus dem Film Wir wollten aufs MeerNach stürmischer Anfangsphase spielt der Film als Dialogstück überwiegend hinter Gittern – dort landet erst Matze, verraten von seinen Freunden, dann der von Skrupeln geplagte Conny, der erpressbar ist wegen seiner „kleinen Fischi“ (so wird im alltagsrassistischen DDR-Jargon seine vietnamesische Freundin genannt). Andi jedoch sitzt nach einem Streit mit dem Freund im Rollstuhl und pfeift auf jede Moral. Hebbeln sucht die Wucht der griechischen Tragödie und unterlegt das in deprimierende Farben gekleidete Drama um Verrat und Freiheitsentzug auf der Tonspur mit schwerem Streicher-Bombast.

Für leise Töne bleibt im Film von Toke Constantin Hebbeln ebenso wenig Raum wie im Drehbuch, das so manche Figurenmotivation eher behauptet als begreiflich macht. Immerhin hat er ein famoses Darsteller-Trio zur Hand: August Diehl als skrupelloser Andi, Alexander Fehling als Conny und vor allem Roland Zehrfeld („Barbara“) als Schönherr sorgen selbst dann für Lebendigkeit, wenn der Film selbst zum Fernsehrührstück abzurutschen droht. Und das tut er leider viel zu oft.

  

Kritikerspiegel Wir wollten auf´s Meer



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
4/10 ★★★★☆☆☆☆☆☆ 


Klaus-Peter Heß
Münstersche Zeitung
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd Film, Die Welt, FR
2/10 ★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 


Durchschnitt
3.5/10 ★★★½☆☆☆☆☆☆ 


 

 



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INHALT

Rostock 1982 – Als die beiden Freunde Cornelis und Andreas im Rostocker Hafen ankommen, haben sie nur ein großes Ziel: Sie wollen aufs Meer, als Matrosen der Handelsmarine der DDR in die weite Welt fahren. Ihr Ziel scheint zum Greifen nah. Jahre später – Die beiden Freunde arbeiten immer noch an Land. Stillstand. Um doch noch das lang erhoffte Ziel zu erreichen, überredet Andreas Cornelis zur Zusammenarbeit mit der Stasi. Sie sollen einen Freund, den Vorarbeiter Matze, aushorchen. Die Stasi hat erfahren, dass er Fluchtpläne hat. Matze, der Cornelis vertraut, offenbart arglos sein Geheimnis mit allen Details. Andreas ist begeistert und überzeugt, dass diese Information ihnen endlich den heiß ersehnten Job als Matrosen ermöglicht. Doch Cornelis macht im letzten Moment einen Rückzieher. Als Matze am nächsten Tag beim Fluchtversuch dennoch festgenommen wird, weiß Cornelis, wer den Freund verraten hat und nichts ist mehr wie es war…
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Eure Kritiken zu Wir wollten auf´s Meer

  1. Gerhard

    Danke für den Film. So war es.

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