KRITIK

Wir sind die Neuen

Bild (c) X Verleih.

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Wer alt wird, wird solide, das Junge rebelliert. Nicht so in „Wir sind die Neuen“, der neuen Komödie von „Shoppen„-Regisseur Ralf Westhoff. Diese wirft einen Blick in unsere neue Leistungsgesellschaft, in der das Bildungssystem längst ganz auf Karrieredenken geeicht und Laissez-faire zur Störung im Betriebsablauf geworden ist. Die Rollen sind vertauscht: Senioren machen Party, Studierende büffeln panisch der nächsten Prüfung entgegen.

Mit über 60 aus ihrer Wohnung geworfen, gründet Anne (Gisela Schneeberger) eine neue Wohngemeinschaft mit ihren ehemaligen Studienkollegen, dem in die Jahre gekommenen Salon-Revoluzzer Eddi (Heiner Lauterbach) und dem linkischen Johannes (Michael Wittenborn). Gemeinsam kann man sich die Altbaumiete im Mietwucherparadies München gerade noch so leisten, außerdem lässt sich die Zeit „nach den gescheiterten Entwürfen“ im Kreise von Schicksalsgenossen vergnüglicher totschlagen.

Szene_Wir-sind-NeuenDie Rechnung haben sie allerdings ohne ihre spießigen Nachbarn gemacht: Die Studis Katharina (Claudia Eisinger), Barbara (Karoline Schuch) und Thorsten (Pa-trick Güldenberg) haben das Leben noch vor sich, auch wenn es droht, ein Leben als Effizienz-Automaten zu werden, deren Wert sich an der Anzahl erworbener Kompetenzen bemisst. Politik interessiert diese Generation nicht mehr, Engagement taugt allenfalls dazu, die Vita aufzuhübschen. Rotweintrinkende Alt-68er wirken da wie Aliens. Der Clash der Kulturen ist programmiert. Die Annäherung allerdings auch.

Die Idee, Vorstellungen von Jung und Alt konsequent auf den Kopf zu stellen, ist schön. Gut eingeflochten werden zudem dringliche Themen wie Altersarmut, Mieten-Explosion und Leistungsdruck. Und die Darsteller machen Spaß. Trotzdem bleibt Westhoffs Regie – auf dem Filmfest München ausgezeichnet – viel zu sehr dem braven deutschen Fernsehstandard verpflichtet, der Zuspitzungen um jeden Preis meidet und dafür jeden Gag lieber dreimal nach-erklärt. Auch wenn sich der Filmemacher bewusst jenseits der ausgetretenen Komödienpfade bewegt und das großen Respekt verdient!

 




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Eure Kritiken zu Wir sind die Neuen

  1. Tine

    „wir sind die Ablösung!“ … der Film hat Spass gemacht, wenn mir auch mehr nach schmunzeln war und nicht nach lautem gröhlen, wie vielen anderen im fast ausverkauften Kino … Und Heiner Lauterbach fand ich grossartig, hätte nie gedacht dass ich das mal schreibe …

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