KRITIK

Wir sind die Nacht

Wir sind die Nacht Selten tropfte das Blut dekorativer als in diesem ersten deutschen Vampirfilm seit einigen Gedenken: Dennis Gansel, „Die Welle“-Regisseur mit dem Talent, brisante Themen auf schicke Oberflächen zu reduzieren, hat eine schon lange in ihm rumorende Idee endlich umsetzen können und schickt nun vier schöne Frauen auf einen hedonistischen Shop-und-Saug-Trip durch Berlin. Was erst erstaunt und am Ende nervt.

Die Idee ist gut – man kann sie zunächst als ätzende Parodie auf den „Sex and the City“-Kosmos begreifen, denn hier stehen Vampire nicht, wie neuerdings sonst so oft, mit Leidens- oder Schmachtmiene in Wäldern und Vorstädten herum, sondern frönen einem hemmungslosen Konsumrausch in topschicken Kleidern und funkelnden Sportwagen.

Chef-Vampirella Louise (ätherisch-aristokratisch: Nina Hoss) entstammt dem Sanssouci-Dunstkreis um Friedrich den Großen und geistert seither als lesbische Tragödin durch die in kurzen Rückblenden durchsprungenen Jahrhunderte. Männliche Vampire hat sie ausgerottet, dafür zwei Damen zu sich ins Untotendasein gebissen – die Stummfilmdiva Charlotte (Jennifer Ulrich, „Die Welle“) und das Rave-Mädchen Nora (Anna Fischer, „Liebe Mauer“, „Groupies bleiben nicht…“).

Doch dann verliebt sie sich in die Punkerin Lena (Karoline Herfurth, „Vincent will Meer“, „Im Winter ein Jahr“), die sich nach dem Biss nicht vom Normalzustand lösen will und die neureiche Luxuswelt der Blutgenossinnen ins Wanken bringt. Da kommt dem in einem merkwürdig glamourös glitzernden Berlin angesiedelten und von Gansel gekonnt inszenierten Sittenbild dann plötzlich ein fader Krimiplot in die Quere, inklusive eines feschen Polizisten, den Max Riemelt als Blaupause seiner Figur aus Dominik Grafs Mafiaserie „Im Angesicht des Verbrechens“ spielt. Man kann sagen: Die bürgerliche Welt von Recht und Gesetz funkt dem aufregenden Oberflächenzinnober der dunkel raunenden Mode-vampirinnen spielverderberisch dazwischen. Am Ende muss sich alles fügen, und die Blutsauger danken ab. Wie öde.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Lena ist 20 Jahre alt, lebt in Berlin und besorgt sich ihr Geld durch kleine Diebereien. Eines Nachts zieht sie wieder durch die Clubs und trifft Louise. Die ist nicht nur die Eigentümerin des Clubs, sondern auch eine Vampirin. Mehrere Jahrhunderte alt ist sie die Anführerin einer Gruppe von Nachtgeschöpfen. Charlotte und Nora komplettieren das Trio, welches sich ihr Blut bei den Clubbesuchern holt.

Louise verliebt sich in Lena und ist derart hingerissen, dass sie sie beißt und zum ewigen Leben verdammt. Lena genießt ihre neue Freiheit, die ihr zahlreiche Vorteile bringt. Sie hat endlich alles, was sie sich wünscht, kann auf diversen Partys tanzen und viel Neues entdecken. Aber immer mehr kommen Zweifel auf, weil der Durst ihrer neuen Freundinnen Louise, Charlotte und Nora unersättlich ist. Mittlerweile ermittelt die Polizei und sie kommt den Frauen immer näher. Als Lena den Kommissar Tom Serner kennenlernt und auch noch Gefühle für ihn hegt, verändert sich alles.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*